Hamburgerin abgezockt! Doch bei Anneliese B. waren die Betrüger zu gierig
Anneliese B. (Name geändert) aus dem Osten Hamburgs hat den klassischen Telefonbetrug erlebt. Anfang Oktober klingelte mittags ihr Festnetztelefon. Der Mann am anderen Ende der Leitung gab sich als Kriminalbeamter aus. Wenige Tage später übergibt die 82-Jährige vor ihrer Haustür 5000 Euro und ihren Erbschmuck in einer Plastiktüte einem „schmuddeligen“ Typen. Weil die Seniorin alles genau so gemacht hat, wie der falsche Polizeibeamte verlangt hat, melden sich die Betrüger kurz danach erneut bei ihr und wollen mehr Geld. Doch da waren die dreisten Betrüger zu gierig – und wurden am Ende mit Hilfe der Rentnerin festgenommen. Wie genau die 82-Jährige die dreisten Räuber überführt hat, lesen Sie hier.
„Der war sehr freundlich, der Mann am Telefon. Wir haben richtig nett geplaudert“, erzählt Anneliese B. rückblickend über das erste Telefonat mit dem falschen Polizisten. Die Masche: Der Unbekannte erklärte der Seniorin, dass Falschgeld im Umlauf sei, er müsse das Geld, das sie auf dem Konto habe, prüfen. Und dass sie mit niemandem darüber sprechen dürfe, sonst würde sie die Ermittlungen der Hamburger Polizei gefährden. „Da habe ich mich natürlich dran gehalten“, sagt die Seniorin pflichtbewusst. Mit dem Bus fährt sie los zur Bank, fragt am Schalter nach den geforderten 5000 Euro, steckt das Geld in eine Einkaufstüte und bringt es nach Hause. Dort wartet sie auf weitere Anweisungen.
5000 Euro und Schmuck zockt der Betrüger ab
Das Telefon klingelt, der falsche Kripobeamte fragt, ob sie das Geld geholt hat. Und er fragt nach Schmuck, den er für sie sicher verwahren könnte. Die Masche: Es seien zur Zeit sehr viele Einbrecher in ihrer Gegend unterwegs und angeblich stehe ihr Name auf einer Liste, die der Polizei vorläge. „Da habe ich gleich alles, was mir lieb ist, zusammengesammelt und in einen Beutel gesteckt. Völlig blöd von mir, aber ich habe dem ja vertraut, weil ich dachte, das sei ein echter Polizist“, erzählt Anneliese B. und schämt sich etwas.
Die Übergabe ist für 17 Uhr verabredet, Anneliese B. steckt den Beutel mit dem Schmuck in die Tüte mit dem Geld, zieht sich eine Jacke über und geht vor die Haustür. Der Betrüger ist ebenfalls pünktlich, nickt der Seniorin zu, nimmt die Tüte und geht. Das war’s. Die 82-Jährige geht zurück in ihre Wohnung und ist ganz ruhig. „Ein komischer Typ war das, der sah irgendwie schmuddelig aus, das hat mich gewundert“, sagt sie. Dann ruft ihre enge Freundin Heidrun (68) an und die betrogene Rentnerin verplappert sich. Zum Glück. Heidrun: „Als sie von Kripo, 5000 Euro und Schmuckübergabe sprach, habe ich sofort die Polizei angerufen.“
„Polizist“ fordert weitere 15.000 Euro
Als die „echten“ Beamten schließlich bei der betrogenen Seniorin sind, ruft der Betrüger erneut an. Er setzt die Rentnerin unter Druck, drängt sie, weitere 15.000 Euro von der Bank zu holen. Weil die Bankmitarbeiter ebenfalls Verbrecher seien und sie ihr Geld retten müsse, tischt er der alten Dame auf. Doch darauf fällt die 82-Jährige mit der Kripo an der Seite nicht mehr rein – sie spielt voll mit und lässt den Telefonbetrüger in dem Glauben, dass sie das Geld besorgt.
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Zwei Tage später, es ist kurz vor 17 Uhr. Die nächste Geldübergabe steht an. Die Seniorin zieht sich ihre Jacke über, nimmt den gefüllten Jutebeutel und geht vor die Haustür. Der gleiche „schmuddelige“ Betrüger kommt um die Ecke, nickt wieder, nimmt den Beutel, dreht sich um und geht. Dann der Zugriff: Aus verschiedenen Richtungen steuern Kripobeamte auf den Verbrecher zu, nehmen ihn widerstandslos fest. „Im Beutel war natürlich nur Krimskrams, jetzt wusste ich es ja besser“, sagt die Seniorin schelmisch.
In einem Hotelzimmer, zu dem der überführte Betrüger die Polizei führt, finden die Beamten eine hohe Summe an Bargeld sowie den Schmuck der 82-Jährigen. „Ich hatte Glück im Unglück und will jetzt andere Menschen davor warnen, auf solche fiesen Betrüger nicht hereinzufallen, wie ich“, sagt sie. Ihr wichtigster Tipp: Bei unbekannten Nummern einfach auflegen und immer bei der echten Polizei nachfragen, wenn sich am Telefon jemand als Polizist ausgibt.