Hamburger Camper-Paar auf dem Weg zur EM hingerichtet – Verdächtiger gefasst!
Das Reisen mit ihrem Wohnmobil war ihre große Leidenschaft. Doch der Trip zur Fußball-EM 2012 endete in einem Blutbad: Das Hamburger Rentnerpaar Silke G. und Peter H. wurde vor elf Jahren auf dem Weg in die Ukraine in Polen erschossen. Ihre Leichen wurden im Camper gefunden – sie wurden regelrecht hingerichtet. Mehr als ein Jahrzehnt blieben die Ermittler ratlos. Nun aber ist ein Verdächtiger identifiziert worden.
Das Paar war damals via Polen auf dem Weg in Richtung Ukraine, um Spiele der Fußball-EM zu besuchen. In Warschau machten Silke G. und Peter H. einen Zwischenstopp, wollten dort in einer abgelegenen, unbewohnten Straße wohl übernachten. Sie hatten immer abseits von Campingplätzen übernachtet, um Geld zu sparen, wie G.s Schwester später erzählte.
Paar aus Schnelsen in Warschau ermordet
Das Paar aus Hamburg-Schnelsen liebte es, zu reisen. Drei Viertel des Jahres waren der ehemalige Schadensregulierer einer namhaften Versicherungsgesellschaft und die gelernte Buchhalterin unterwegs. Nicht lange vor ihrer letzten Reise hatten sie sich laut der Schwester einen knallroten VW Crafter gekauft und diesen zu einem Wohnmobil umgebaut. Rund 75.000 Euro sollen sie investiert haben.
Ihr Ziel waren Polen und die Ukraine. Beide Länder waren damals Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft. Die Reise endete in Polen tödlich. Spaziergänger fanden die Leichen des Hamburger Paares am 19. Mai 2012 in der Nähe einer Kleingartenanlage in der polnischen Hauptstadt Warschau. Bei der 62 Jahre alten Frau fanden Ermittler vier Einschusslöcher in Brust und Kopf. Ihr 61 Jahre alter Partner wurde mit einem Kopfschuss und einem Stich in den Hals getötet. Beide wurden regelrecht hingerichtet.
Mehrere Schüsse in Körper – Hinrichtung in Polen
Die Suche nach den Tätern führte jahrelang zu keiner heißen Spur. Auch die Hamburger Mordkommission und die Staatsanwaltschaft waren in die Ermittlungen involviert. Dafür gibt es den Paragraphen 7 des Strafgesetzbuches. Der bezieht sich auf Verbrechen, die deutsche Staatsbürger im Ausland ereilen. Auffällig: Polnische Ermittler hatten im Camper Spuren von Rauschgift in dem Wohnmobil des Paares gefunden. Es soll sich dabei um Kokain und Amphetamine gehandelt haben.
Schnell konzentrierten sich die Ermittlungen darauf, dass das Paar womöglich unwissend als Rauschgiftkurier missbraucht und dann von der Mafia ermordet wurde. Weil alle Ermittlungen ins Leere liefen, wurde das Verfahren im Dezember 2013 vorerst eingestellt. Doch Mord verjährt nicht.
DNA-Treffer führt zu Häftling
Dann der Hoffnungsschimmer: Neue Verfahrenstechniken ermöglichten es den Ermittlern, damals im Wohnmobil des Paares gesicherte Spuren neu zu untersuchen. Und sie landeten einen DNA-Treffer. Die gehörte zu einem Mann (67), der wegen anderer Taten in einem Warschauer Gefängnis saß. In seiner Zelle eröffneten ihm die Ermittler, dass er unter dringendem Tatverdacht für einen Doppelmord stehe. Der Mann soll nach MOPO-Informationen teilweise gestanden haben. Zudem wird davon ausgegangen, dass er kein Einzeltäter war.
Eine polnische Zeitung berichtete mittlerweile, dass die Staatsanwaltschaft und die Kripo in Warschau die zwischenzeitlich eingestellten Ermittlungen wieder aufgenommen hätten. Dies sei laut einem Sprecher durch das vorläufige Ergebnis neuester Ermittlungen möglich gewesen.
Hamburger Staatsanwaltschaft hakt nach
Auf MOPO-Nachfrage sagte die Hamburger Staatsanwaltschaft jedoch, dass von der Ermittlung eines Tatverdächtigen bislang nichts bekannt und auch nicht aus Polen mitgeteilt worden sei. Man werde in dieser Sache aber nun Kontakt nach Polen aufnehmen. Solange wird das Verfahren weiter gegen Unbekannt geführt.