Geheimtreffen am Steindamm: Die Jagd nach dem Drogen-Phantom
Am 10. Januar 2024 checkt Ihan Usun im „Motel One Alster“ ein, einem hohen grauen Kasten am Steindamm. „Hamburg ist das Tor zur Welt“, schreibt das Hotel auf seiner Internetseite. Doch Usun und seine Begleiter sind keine Touristen. Sie interessiert nicht das Tor zur Welt, sondern die Tür zum Hafen: Sie wollen mehr als eine halbe Tonne Kokain ins Land schmuggeln. Das Rauschgift wird gefunden, die Komplizen enttarnt – doch von dem mutmaßlichen Drahtzieher Usun fehlt jede Spur. Nun wird er öffentlich gesucht.
An jenem Abend soll Ihan Usun mit mehreren Komplizen das weitere Vorgehen ihres Schmuggelplans besprochen haben. Im Hamburger Hafen wartete ein Container aus Ecuador, beladen mit Bananenkisten – und 520 Kilogramm Kokain. Geschätzter Straßenverkaufswert: 25 Millionen Euro.
Drogenlieferung ist im Hamburger Hafen aufgeflogen
Was die Männer nicht wissen: Die Lieferung ist längst aufgeflogen. Zöllner wurden bereits am 4. Januar bei einer Kontrolle auf den Container aufmerksam, der auf den Kölner Großmarkt weitertransportiert werden sollte. Sie durchsuchten die Lieferung und fanden das Rauschgift. Dann tauschten sie die Pakete unbemerkt mit Attrappen aus, um die Täter abzufangen.
Immer wieder nutzen Ermittler aufgeflogene Lieferungen, um nicht nur die Drogen sicherzustellen, sondern auch die Hintermänner zu fassen. Zuletzt waren am Mittwoch sieben Männer und eine Frau festgenommen worden, weil sie mit größeren Mengen Kokain gehandelt haben sollen. Ermittler beobachteten sie dabei, wie sie in Wilhelmsburg Paletten umluden. Am selben Tag entdeckten Zöllner in Wilhelmshaven mehr als acht Tonnen Kokain in einem Container, der Kakaobohnen geladen haben sollte.
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In Hamburg waren solche enormen Funde zuletzt weniger geworden. Im Jahr 2025 wurden in Hamburg nur noch 3,6 Tonnen Kokain sichergestellt. Zwei Jahre zuvor gab es den Rekordfund von 34 Tonnen. 2024 waren es noch knapp 15 Tonnen gewesen, mindestens 520 Kilo gingen den Ermittlern zufolge auf das Konto von Usun und seinen Kollegen.
Am Abend des 11. Januar 2024, einen Tag nach dem geheimen Treffen, schlugen die Fahnder damals zu: Sie nahmen vier Männer im Alter von 36 bis 57 Jahren fest. Die Täter kommen aus Köln, Leverkusen, Wuppertal und Hamburg. Im April 2025 verurteilte das Landgericht Köln sie zu Haftstrafen zwischen siebeneinhalb und zwölfeinhalb Jahren.
Ermittler weiter auf der Suche – von Ihan Usun fehlt jede Spur
Doch der wichtigste Mann fehlt auf der Anklagebank: der mutmaßliche Drahtzieher, Ihan Usun. Ob das tatsächlich sein richtiger Name ist, ist unklar. Es wird angenommen, dass er türkischer Staatsbürger ist.
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Zeugen wurden zuletzt am Mittwoch in der Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ aufgefordert, sich bei den Behörden zu melden. Die Frankfurter Zollfahndung geht davon aus, dass er sich entweder in Deutschland, Belgien oder Frankreich aufhält. Die letzte sichere Spur führt zu dem Hotel am Steindamm, mitten in der Stadt, die als „Tor zur Welt“ gilt. Wohin Ihan Usun von dort aus verschwand, wissen die Ermittler bis heute nicht.