Auf dieser Straße in Eißendorf wurde Obinna erstochen.

Auf dieser Straße in Eißendorf wurde Obinna erstochen. Foto: Lenthe/privat

Junger Mann in Hamburg getötet: Gedenkmarsch für Kenneth Obinna (†24)

Kenneth Obinna (†24) wurde in der Nacht zum 7. Februar 2026 getötet. Der oder die Täter sind bis heute nicht gefasst. Seine Familie will Antworten. Am Samstag organisierte sie einen Gedenkmarsch durch Wilhelmsburg und Kirchdorf-Süd – in der Hoffnung, Zeugen zu erreichen.

„Every step I take, every move I make, every single day, every time I pray, I’ll be missing you“, schallt es über die Einkaufspassage am S-Bahnhof Wilhelmsburg. Eine Frau tritt ans Mikrofon. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt, darauf das Bild eines lachenden jungen Mannes: ihr Sohn.

Mutter von Kenneth Obinna spricht bei Gedenkmarsch

„Ich bin die Mutter von Kenneth, dem Jungen, der getötet wurde“, sagt sie auf Englisch. Sie hebt kurz ihre Sonnenbrille an, wischt sich eine Träne aus dem Auge und spricht weiter. „Mein Sohn kommt nicht zurück, das weiß ich. Aber wir wollen wissen, was passiert ist. Wir haben ein Recht darauf, das zu erfahren.“

Gedenkmarsch durch Wilhelmsburg für den getöteten Kenneth Obinna. Zoe Clausen
Gedenkmarsch durch Wilhelmsburg für den getöteten Kenneth Obinna.
Gedenkmarsch durch Wilhelmsburg für den getöteten Kenneth Obinna.

Kenneth Obinna wurde am 7. Februar gegen 1.50 Uhr schwer verletzt auf der Straße Göhlbachtal in Eißendorf gefunden. Rettungskräfte bringen ihn ins Krankenhaus, doch wenig später stirbt er an seinen schweren Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Tötungsdelikt aus. Aber auch knapp drei Monate nach der Tat ist öffentlich keine konkrete Spur bekannt.

Familie und Freunde wollen wissen, was passiert ist

Seine Familie, Freunde und Nachbarn wollen sich damit nicht zufriedengeben. Sie wollen, dass alle erfahren, was mit Kenneth passiert ist. Dass alle verstehen, warum sie an diesem Samstagnachmittag zusammengekommen sind.


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Während die Gruppe aus rund 100 Menschen durch Wilhelmsburg läuft, gibt es immer wieder Durchsagen auf Deutsch, Englisch, Französisch und Türkisch: „Wir sind heute hier, weil Kenneth Obinna getötet wurde: ein Sohn, ein Bruder, ein Freund, einer von uns, ein schwarzer junger Mann aus Wilhelmsburg.“ Kenneth Obinna kam im Alter von zwei Jahren nach Hamburg. Er wuchs hier im Viertel auf und studierte später in Bremen.

„Wenn ihr irgendwas gesehen habt, geht zur Polizei“

Viele Menschen am Straßenrand, an den Bushaltestellen und auf den Balkonen schauen hin und hören zu, als der Marsch vorbeizieht. „Wenn ihr irgendwas gesehen habt, geht zur Polizei“, fordern die Redner immer wieder. Auch als die Gruppe ihren Zwischenstopp erreicht: die Bushaltestelle Kirchdorf-Süd.

Seine Schwester beginnt zu sprechen. „Wir sprechen hier nicht über irgendeinen Fall. Wir sprechen über einen Menschen, über meinen Bruder.“ Seit drei Monaten hofft die Familie darauf, dass der Täter gefasst wird. Erst nach einigen Wochen geben die Ermittler bekannt, dass der Fundort wohl doch nicht der Tatort ist. Inzwischen gehen sie davon aus, dass der Täter aus dem persönlichen Umfeld des Opfers stammt.

Gedenkmarsch endet an Kenneths Grab

Die Familie erfuhr erst aus der Presse von der neuen Entwicklung. „Wir haben Angst vor der Vorstellung, dass der Täter aus dem Umfeld kommt. Angst vor dieser Unsicherheit, dass wir nicht wissen, wem wir noch trauen können“, sagt die Schwester. Die Angehörigen werfen der Polizei außerdem vor, sie nicht schnellstmöglich informiert zu haben, als Kenneth gefunden wurde. Vielleicht hätten sie ihn sonst noch einmal lebend sehen können.

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Dann ziehen die Demonstranten weiter. Am 10. April wurde Kenneth begraben. Der letzte Stopp ist der Friedhof. Kenneths Vater bedankt sich bei allen Teilnehmern, bei den Organisatoren und bei den Polizisten, die den Marsch begleitet haben. Rote Rosen werden ausgeteilt. Eine kleine Gruppe steht um sein Grab, um die Blumen niederzulegen. Im Hintergrund läuft wieder Musik: „Every step I take, every move I make, every single day, every time I pray, I’ll be missing you.“

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