„Freiwild für das Partyvolk“: Wenn selbst Retter Polizeischutz brauchen
Angriffe auf Einsatzkräfte hat es auch zum Jahreswechsel 2024/2025 wieder gegeben. Illegale Böller wurden massenhaft gezündet, Polizeibeamte mit Feuerwerk beschossen. Auch Rettungskräfte der Feuerwehr wurden angegriffen, teilweise waren sie auf Polizeischutz angewiesen, um helfen zu können. In einem Stadtteil musste sich die Polizei aufgrund der Übermacht der Krawallmacher sogar kurzfristig zurückziehen. Die Beamten fordern jetzt mehr Ausstattung und bessere Ausrüstung, um in den gefährlichen Situationen geschützt zu sein.
Heftige Ausschreitungen wie an Silvester 2023/2024 blieben in Hamburg diesmal aus. Zum Jahreswechsel war die Polizei jetzt besser vorbereitet. An Vorjahres-Hotspots wie dem Harburger Ring und dem Jungfernstieg gab es eine hohe Polizeipräsenz. Außerdem waren Absperrgitter aufgestellt, in der Nähe Wasserwerfer postiert. Die Taktik ging auf: hier hatten die Beamten alles im Griff. Auch als die Lage in St. Georg kurzzeitig zu kippen drohte, waren Polizisten rasch zur Stelle. Dort fuhr ein Wasserwerfer auf.
Polizisten und Rettungskräfte in St. Georg mit Böllern beworfen
In Steilshoop wurde es für die Einsatzkräfte jedoch brenzlig. Wie die MOPO vor Ort erlebte, zogen sich Polizeikräfte angesichts der Überzahl der Krawallmacher zunächst zurück. Gewaltbereite Jugendliche und Heranwachsende feuerten zudem Pyrogeschosse zielgerichtet auf die Beamten ab. Auch ein Aldi-Markt wurde stark beschädigt. Erst als Verstärkung eintraf, bekam die Polizei die Lage in den Griff.
Den Angriffen hatten die Beamten zunächst wenig entgegen zu setzen. Gummigeschosse gehören in Hamburg nicht zur Ausrüstung. Schutz bietet häufig nur ein Wasserwerfer. Davon gibt es aber nur eine begrenzte Anzahl. Einer davon war auch in Richtung Steilshoop unterwegs. Er kam dann aber nicht mehr zum Einsatz, weil die Beamten die Lage auch so unter Kontrolle bringen konnten.
„Polizisten und Retter der Feuerwehr werden zunehmend zum Freiwild von Partyvolk“, sagt Gewerkschafter Lars Osburg von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zur MOPO. Seines Erachtens wird die nötige Einsatzstärke immer sehr hoch sein müssen, um an Silvester für Recht und Ordnung zu sorgen. „Jugendliche und Heranwachsende beanspruchen rechtsfreie Räume und sind bereit, diese mit Gewalt durchzusetzen“, sagt er. Am Ende seien laut Osburg immer wieder verletzte Beamte zu beklagen.
Auch illegale Böller und Feuerwerk machen dem Gewerkschafter große Sorge. Damit steht er nicht alleine da. Auch die Feuerwehr ist angesichts der Böller mit hoher Sprengkraft und den vermehrt auftauchenden Kugelbomben höchst sensibilisiert.
Schutzausrüstung hält den eingesetzten Pyros nicht Stand
„Unsere derzeitige Schutzausrüstung hält diesen Kräften nicht Stand“, so Olaf Reichelt, Landesvorsitzender der Feuerwehrgewerkschaft (DFeuG). Andersrum, so Reichelt, sei es aber auch nicht hinnehmbar, dass die Retter nur unter hohem Polizeischutz tätig werden können. Ein Böllerverkaufsverbot werde da auch nicht helfen. „Dann besorgen sich die Leute das Zeug eben auf dem Schwarzmarkt.“ Eine Lösung sieht Reichelt darin, zum Beispiel die Preise für Böller stark anzuheben, um aus den steuerlichen Einnahmen auch bessere Schutzausrüstung finanzieren zu können.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sieht das anders. Deren Landesvorsitzender Thomas Jungfer fordert ein generelles Böller- und Verkaufsverbot sowie strenge Strafen bei Zuwiderhandlung. Mit großer Sorge betrachtet Jungfer auch, dass es sich bei den Krawallmachern, die Beamte zielgerichtet mit Feuerwerk beschossen, überwiegend um Menschen mit Migrationshintergrund gehandelt haben soll.
Wie die MOPO erfuhr, hat es unter den Jugendlichen offenbar Aufrufe auf sozialen Medien gegeben. Nachdem die polizeilichen Maßnahmen am Harburger Ring und am Jungfernstieg angekündigt und kurz vor Jahreswechsel deutlich sichtbar waren, wanderten viele der Krawallmacher nach Steilshoop ab.
Das sagt die Hamburger Polizei zur Silvesternacht
Polizeisprecherin Sandra Levgrün spricht dennoch von einer verhältnismäßig ruhigen Silvesternacht. „Die vollzogenen Maßnahmen haben sich bewährt. Auch in Steilshoop waren Polizeikräfte rasch mit einem entsprechenden Polizeiaufgebot vor Ort. Die Lage wurde schnell unter Kontrolle gebracht“, sagt sie. Die Polizei werde laut Levgrün nun damit beginnen, die Ereignisse auszuwerten und in das Sicherheitskonzept für den kommenden Jahreswechsel einfließen zu lassen.