„Fight Club“ an Gymnasium: Polizei ermittelt gegen Schüler

Rangelnde Jungs an einer Schule. Die Polizei ermittelt gegen einen 15-Jährigen wegen des Verdachts der Erpressung.
Rangelnde Jungs an einer Schule. Die Polizei ermittelt gegen einen 15-Jährigen wegen des Verdachts der Erpressung. (Symbolbild)

Vorwürfe gegen Hamburger Schüler: Ein 15-Jähriger soll an einem Gymnasium Mitschüler zu Kämpfen genötigt haben. Diese wurden offenbar über einen Gruppenchat mit dem Titel „Fight Club“ verabredet. Die Polizei ermittelt wegen Erpressung.

„Du fühlst dich wohl“ – mit diesem Slogan bewirbt das Gymnasium Corveystraße (Lokstedt) auf seiner Website die schulische Gesundheitsförderung. Ein Ziel: „Respekt und ein guter Umgang miteinander sorgen dafür, dass du dich an der Schule wohlfühlst.“

Polizei Hamburg: Ermittlungen wegen „Fight Club“ an Gymnasium

Weniger zum Wohlfühlen ist hingegen ein Vorfall, zu dem es jüngst an der Lokstedter Schule gekommen ist. Eine Gruppe Schüler des 8. und 9. Jahrgangs soll Mitglied in einer Chatgruppe gewesen sein, in denen sich zu Kämpfen verabredet wurde. Von Schülern, die nicht mitmachen wollten, soll Geld gefordert worden sein.

Gegen eins der Mitglieder ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der Erpressung. „Unter Tatverdacht steht ein 15-Jähriger“, so Sprecher Thilo Marxsen. Am Montag kamen der Stadtteilpolizist Cop4U und Beamte des polizeilichen Jugendschutzes in die betroffenen Klassen und führten Präventionsgespräche durch.

Das „Abendblatt“, das zuerst über den Fall berichtete, zitiert aus einer Mail der Schulleitung an Eltern. Laut der Zeitung ist darin von einem „ernsten Vorfall“ die Rede. Dass „einzelne Schüler offenbar gegen ihren Willen in die Gruppe aufgenommen oder zur Beteiligung an den Aktivitäten gedrängt wurden“, habe die Leitung besonders „betroffen“ zur Kenntnis genommen.

Die Schulbehörde schweigt

„Wir haben umgehend alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um die betroffenen Schüler zu schützen und zur Aufklärung des Sachverhalts beizutragen“, heißt es weiter.

Die Schulbehörde hält sich in der Sache bisher bedeckt: „Solange die Polizei ermittelt, werden wir uns nicht dazu äußern“, sagt Pressesprecher Michael Reichmann.

Ob es sich dabei um einen Fall von organisierter Erpressung handelt, ist jedoch fraglich. Nach MOPO-Informationen gehen die Ermittler eher von einem Dummejungenstreich aus. Geld soll nur in wenigen Fällen eine Rolle gespielt haben – und wenn, ging es um Beträge im niedrigen einstelligen Bereich. Auch die Kämpfe sollen überwiegend Schau-Charakter gehabt haben.

Vorbilder aus Hollywood

Dass die Chatgruppe „Fight Club“ hieß, ist wohl dem gleichnamigen Film von Regisseur David Fincher geschuldet. Im Thriller mit Edward Norton und Brad Pitt in den Hauptrollen gründen Männer eine Art Selbsthilfegruppe, den „Fight Club“, in dem die Mitglieder in blutigen Faustkämpfen gegeneinander antreten.

Das könnte Sie auch interessieren: Blutiger Abendspaziergang – Polizei schnappt Täter (17)

Der 1999 erschienene Film war kommerziell zunächst ein Flop, erlangte schließlich jedoch Kultstatus. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Männern ist der Streifen beliebt – bis heute, wie der Fall in Lokstedt zeigt.