Es brennt nicht, aber… : Darum ist Lachgas bei Feuer so gefährlich

Lachgaskartuschen sind auf dem gesamten Gelände verteilt.
Lachgasflaschen sind auf dem gesamten Brandgelände an der Müggenburger Straße auf der Veddel verteilt.

Am Montagnachmittag brach in einer Lagerhalle auf der Veddel ein verheerendes Feuer aus. Innerhalb kürzester Zeit breiteten sich die Flammen aus, Rauchsäulen waren im gesamten Süden der Stadt zu sehen, es kam zu heftigen Explosionen, Trümmer flogen bis auf die A1 und verletzten dort eine Autofahrerin – und alles wegen eines bestimmten Stoffes: Lachgas. Der Stoff, der inzwischen in erster Linie als Partydroge bekannt ist, ist zwar nicht brennbar, hat bei Feuer aber eine ganz besondere Eigenschaft – die sich Fahrer auch bei Autorennen zunutze machen.

Gegen 15.30 Uhr war laut Feuerwehr ein Auto in der Lagerhalle einer Spedition an der Müggenburger Straße in Flammen aufgegangen. Das Verheerende: In derselben Halle sollen auch zahlreiche Gasflaschen mit Lachgas gelagert gewesen sein, welche diverse Explosionen verursachten.

Distickstoffmonoxid als gefährlicher Brandbeschleuniger

Lachgas selbst ist nicht brennbar, doch es wirkt stark brandbeschleunigend. Chemisch handelt es sich bei Lachgas um Distickstoffmonoxid (N₂O). Bei Feuer wirkt es als Oxidationsmittel. Bedeutet: Ab einer Temperatur von circa 300 Grad löst sich der Sauerstoff aus der Verbindung und wird freigesetzt. Und wie jeder weiß, wirkt reiner Sauerstoff extrem brandbeschleunigend und hat eine entsprechend explosive Wirkung auf das Feuer auf der Veddel.

Drohnenaufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörung auf der Veddel.
Drohnenaufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörung auf der Veddel.

Die Explosionen schleuderten Trümmerteile bis auf die nahegelegene A1. Eine Autofahrerin wurde dabei schwer verletzt. Die Autobahn musste stundenlang komplett gesperrt werden. Insgesamt waren am Montag 320 Einsatzkräfte vor Ort.

Mehr als 21 Stunden nach dem Ausbruch des Feuers in einer Lagerhalle sind am Dienstag noch rund 120 Feuerwehrleute im Einsatz und löschen die vielen kleinen und größeren Brände sowie Glutnester. Die gute Nachricht aber ist: Der größte Brand auf dem Gelände konnte gelöscht werden. „In der großen Halle ist mittlerweile ‚Feuer aus‘ gemeldet worden“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Mittag.

Lachgas ist vielen als Partydroge bekannt

Lachgas ist vielen in erster Linie als Partydroge bekannt, die frei verkäuflich in handelsüblichen Kiosken angeboten wird. Doch bei der falschen Entsorgung der Kartuschen kommt es auch hier regelmäßig zu größeren Explosionen in Müllverbrennungsanlagen, wie die Stadtreinigung kritisiert.

Auch bei Autorennen wird Lachgas eingesetzt. Mithilfe von Lachgaseinspritzung im Motor wird die Sauerstoffzufuhr erhöht und somit die Leistung des Wagens gesteigert.

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Ob die Lachgasflaschen ordnungsgemäß gelagert wurden, ist noch unklar. Lachgas gilt offiziell allerdings nicht als Gefahrstoff, für den besonders strenge Lagerungsvorschriften gelten würden. Die Ermittler können erst mit ihrer Arbeit beginnen, wenn die Feuerwehr das Gelände freigegeben hat – das könnte im Laufe des Dienstags geschehen.