Einsparungen und Pensionierungen: Bei der Feuerwehr brennt es lichterloh

Personalengpässe bei der Feuerwehr
Bei der Feuerwehr in Hamburg brennt’s. (Symbolfoto)

Die Hamburger Feuerwehr steht vor einer ihrer größten Herausforderungen. Der Innensenator muss viele Millionen einsparen – und das führt zu einem Szenario, bei dem vielen angst und bange wird. Für dieses Jahr geplante Ausbildungen werden auf 2027 verschoben. Versprochene Übernahmen von Notfallsanitätern ebenso. Und zu allem Überfluss wandern die Leute in andere Bundesländer ab, denn dort lockt man mit deutlich besseren Konditionen.

Die Wut bei Steven M. (Name geändert) ist groß – und durchaus nachvollziehbar. Vor drei Jahren hatte sich der 31-Jährige bei der Feuerwehr Hamburg beworben, zunächst als Notfallsanitäter im Angestelltenverhältnis, der höchsten Ausbildungsstufe im Rettungsdienst. Anschließend sollte er nahtlos in die weitere Ausbildung zum Brandmeister übernommen werden. Doch nach dem Abschluss der Notfallsanitäter-Ausbildung folgte der Schock.

Ausbildungen auf das kommende Jahr verschoben

Steven M. wurde darüber informiert, dass seine Übernahme erst im kommenden Jahr erfolgen soll. Aus internen Quellen der Feuerwehr erfuhr die MOPO aber, dass auch dies noch keinesfalls gesichert ist. Für den 31-Jährigen bleibt daher nur Ungewissheit – die Altersgrenze für eine Einstellung mit Aussicht auf Verbeamtung (35 Jahre) rückt mit jedem Jahr näher. Kein Einzelfall: Viele seiner Kolleginnen und Kollegen erleben dieselbe Unsicherheit.

Lehrgänge verschoben – Notfallsanitäter müssen warten um übernommen zu werden
Notfallsanitäter zu werden, erfordert eine dreiährige Ausbildung bei der Feuerwehr.

Die Feuerwehr teilte in knappen Social-Media-Mitteilungen mit, dass die sogenannten Work-up-Lehrgänge vorerst ausgesetzt wurden. Dabei handelt es sich um Weiterbildungen für Notfallsanitäter, die im Angestelltenverhältnis bei der Feuerwehr stehen und nach Abschluss ihrer Ausbildung zum Brandmeister aufsteigen sollten. Die Entscheidung kommt überraschend, denn in Hamburg sollen neue Feuerwachen eröffnet werden, für die dringend Personal benötigt wird. Teilweise sollen sogar Bewerber, die bereits zum Sporttest erschienen waren, ohne weitere Erklärung wieder nach Hause geschickt worden sein.

Das führte dazu, dass Steven M., wie viele andere Kolleg:innen auch, überlegt, in andere Bundesländer abzuwandern. Feuerwehren in Schleswig-Holstein und Niedersachsen suchen händeringend Nachwuchs. Niedersachsen bietet darüber hinaus sogar höhere Besoldungen und Wohnraum. Besonders für Ledige, und das sind viele der Auszubildenden, ein enormer Anreiz.

Gefährlicher Personalengpass wie in den 80er Jahren droht

Vor dem Hintergrund, dass in diesem Jahr 109 Feuerwehrbeamte in den Ruhestand gehen, wächst die Sorge vor einem erneuten Personalengpass wie in den 1980er-Jahren. Damals wurden in Löschfahrzeugen Helme auf den Kopfstützen der Fensterplätze platziert, um nach außen den Eindruck eines voll besetzten Fahrzeugs zu erwecken – tatsächlich waren häufig nur drei der vorgesehenen sechs Einsatzkräfte an Bord.

Die Lage wird auch im nächsten Jahr nicht entspannter: 2027 erreichen weitere 91 Beamte das Pensionsalter.

Wie die MOPO erfuhr, kommt es schon heute zu teilweise massiven Personalverschiebungen von einer zur anderen Wache im Stadtgebiet, um dort die Sollstärke sicherzustellen. Teilweise werden sogar ganze Einheiten außer Dienst genommen, weil Personal etwa durch kurzfristige, krankheitsbedingte Ausfälle fehlt.

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Insider bemängeln, dass der Hamburger Feuerwehr über die vergangenen Jahre keine ausreichenden finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt worden seien. Erschwerend komme hinzu, dass der benötigte Stellenzuwachs vom amtierenden Senat nicht mit den nötigen finanziellen Mitteln berücksichtigt wurde. Deswegen ist offenbar nicht genügend Geld vorhanden, um dringend nötige Ausbildungslehrgänge zu schaffen. Dem widerspricht die Innenbehörde aber energisch. „Als Stadt Hamburg nehmen wir ganz bewusst viele Millionen Euro in die Hand, um unsere Feuerwehr zukunftsfähig und krisenfest zu machen“.

Auf Nachfrage erklärte die Innenbehörde, dass ausschließlich die Work-up-Lehrgänge betroffen seien. Die Start-up-Ausbildungen für Bewerberinnen und Bewerber des feuerwehrtechnischen Dienstes würden hingegen wie geplant fortgesetzt. Zudem betonte die Behörde: „Es kann nicht davon gesprochen werden, dass Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter vorläufig nicht übernommen werden.“

Ausbildungen gekürzt und hohe Pensionierungswelle – bei der Hamburger Feuerwehr brennt es
Andreas Pritschens Landesvorsitzender der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft (DFeuG)

Das sieht Andreas Pritschens, Vorsitzender der Feuerwehrgewerkschaft (DFeuG) Landesverband Hamburg, anders. „Aufgrund politisch angeordneter Sparzwänge verschiebt die Feuerwehr Hamburg im Jahr 2026 unter anderem die Überleitung von ausgebildeten Notfallsanitätern zu Feuerwehrbeamten. Unter Umständen gehen deshalb der Feuerwehr Hamburg multifunktionale Feuerwehrleute verloren. Im nahen Umland werden händeringend Notfallsanitäter gesucht, wobei teils erheblich bessere Karrierechancen angeboten werden. Die jungen Kolleginnen und Kollegen diskutieren offen über die Möglichkeit, ihre Berufsperspektiven bei anderen Feuerwehren zu verbessern.“