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Doppelmord am Jungfernstieg: „Schön' guten Tag, ich habe Fehler gemacht"

Der Angeklagte sitzt im Gerichtssaal neben seinem Anwalt Tim Burkert (r.)

Der Angeklagte sitzt im Gerichtssaal neben seinem Anwalt Tim Burkert (r.) und verbirgt sein Gesicht mit einem Aktendeckel. (Archivbild)

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Es war eine schockierende Bluttat: Am Vormittag des 12. April 2018 erstach ein Vater seine Ex-Freundin und die gemeinsame Tochter am S-Bahnhof Jungfernstieg – laut Anklage zur „demonstrativen Durchsetzung seiner Macht- und Besitzansprüche“. Jetzt muss sich Mado M. (34) wegen zweifachen Mordes vor Gericht verantworten – und zeigt sich tränenreich.

„Herr M. gibt zu, dass er seine Tochter Mariam und deren Mutter getötet hat“, erklärte Verteidiger Tim Burkert zum Prozessauftakt. In der kurzen Erklärung heißt es außerdem: „Was er getan hat, ist bei Gott eine Sünde. Herr M. betet für Mariam und Sandra P.“

Der Angeklagte – geduldeter Asylbewerber aus dem Niger – äußerte sich selbst nicht. Laut Staatsanwaltschaft sei er wütend gewesen, weil ein Antrag auf gemeinsames Sorgerecht am Tag zuvor abgelehnt worden war – ihm drohte damit die Abschiebung.

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S-Bahnhof Jungfernstieg: Vergebliche Rettungsversuche am 12. April 2018

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dpa

Nachdem sich das Ex-Paar zufällig in der S-Bahn getroffen hatte, kam es auf dem S-Bahnhof zu der tödlichen Attacke. Das kleine Mädchen (21 Monate) erlitt einen tiefen Schnitt durch Hals und Wirbelsäule, war sofort tot. Als Sandra P. sich zu ihrer Tochter beugte, traf sie ein Stich in den Rücken, der ihre Bauchschlagader öffnete.

Eine Augenzeugin meldete sich um 10.49 Uhr bei der Polizei, schilderte hörbar geschockt, dass eine „Dame im Vorbeilaufen von einem Schwarzen abgestochen wurde“. Die Anruferin fragte eine weitere Frau: „Hat das Kind auch etwas abbekommen?“ Dann war aus dem Hintergrund eine entsetzte Stimme zu hören: „Der Kopf ist ab.“ Die Anruferin daraufhin: „Oh, mein Gott.“

Als die Aufzeichnung abgespielt wird, schluchzt der Angeklagte laut und bricht in Tränen aus. Kurz nach dem Notruf hatte sich Mado M. selbst bei der Polizei gemeldet. Auch dieser Anruf wurde im Gericht abgespielt. Der Angeklagte ist in dem Telefonat schwer zu verstehen.

„Schön’ guten Tag, ich habe Fehler gemacht“, sagt er zu Beginn, spricht dann von seiner Frau und einem Kind. Ob er am Jungfernstieg gewesen sei, will der Beamte geistesgegenwärtig wissen. In gebrochenem Deutsch klagt der Anrufer, dass seine Ex einen neuen Mann habe.

Ein Urteil wird im Dezember erwartet.