Dieser Hund ist nach Clint Eastwood benannt – sein Schicksal ist rührend

Clint im Hundeglück: Verwahrloster Fundhund geht in den Polizeidienst
Trauriger Blick. Clint drohte ein lebenslanger Aufenthalt im Tierheim.

Wenn er sprechen könnte, würde er wahrscheinlich jauchzen und jubeln über das, was ihm in den vergangenen Monaten widerfahren ist: Ein Hund, der tagelang verwahrlost durch die Gegend bei Einbeck (Landkreis Northeim in Niedersachsen) irrte und schließlich eingefangen und ins Tierheim gebracht wurde, bekam ein zweites und viel besseres Leben geschenkt. Die Bundespolizei wurde dabei im wahrsten Sinne zum Freund und Helfer.

Über Wochen streunte der Malinois, eine Varietät des Belgischen Schäferhundes, durch die Häuserblocks am Ortsrand von Einbeck. Er war abgemagert, hatte ein zerzaustes Fell und einen ängstlichen Blick. Anwohner gaben der Polizei Hinweise auf das Tier. Doch es dauerte, bis es eingefangen werden konnte. Der kluge und wendige Vierbeiner entkam den Hundefängern zunächst immer wieder. Bis er dann doch eingefangen und in einem Tierheim in Northeim untergebracht wurde.

Dort päppelten die Pfleger den Vierbeiner zunächst auf, der sich daraufhin schnell erholte. Versuche, die Besitzer ausfindig zu machen, scheiterten. Der Hund war nicht gechipt oder tätowiert. Und auch Aufrufe in Zeitungen und auf Social Media blieben ohne Erfolg. Es meldete sich niemand, der dieses Tier vermisste.

Verwahrloster Fundhund in Tierheim aufgepäppelt

Tierheim-Mitarbeiter tauften den Hund auf den Namen Cedric und versuchten, ihn in liebevolle Hände zu vermitteln. Doch niemand interessierte sich für den lebhaften Hund. Dem Malinois drohte das traurige Schicksal, seine Restlebenszeit in einem Zwinger mit wenig Auslauf verbringen zu müssen. Doch dann nahmen die Dinge eine unverhoffte Wendung.

Clint im Hundeglück. Statt Tierheim ist er jetzt bei der Polizei
Mit diesem Aufruf bei Facebook versuchte das Tierheim, den Besitzer zu finden.

Der Leiter des Tierheims erkannte, dass der Malinois durchaus Potenzial für einen Wach- oder auch Polizeihund haben könnte. Er erinnerte sich an einen Kontakt zu einem Hundeführer der Bundespolizei und bat diesen um eine Einschätzung. Und tatsächlich: Der Beamte inspizierte Cedric, kam zu dem Entschluss, dass der Tierheimleiter recht hatte und nahm das Tier mit zur Dienststelle.

Cedric so raubeinig wie Westernheld Clint Eastwood

Dort nahm Hundeführer Matthias Vogt den Hund zu sich und sorgte in wochenlanger Arbeit dafür, dass dieser Vertrauen zu ihm aufbauen konnte. Dann begann Vogt damit, den Hund mehr und mehr auszubilden. Weil Cedric so unerschrocken, fast schon raubeinig wie Westernheld Clint Eastwood agierte, wurde er auf den Namen Clint umgetauft. Clint wirkte im Training wie erlöst, hatte er doch endlich wieder ein Herrchen und vor allem aber eine Aufgabe.

Fundhund im Glück. Statt lebenslang im Tierheim zu sein, kam er in den Polizeidienst
Hundeführer Matthias Vogt mit Clint bei einem seiner ersten Einsätze am Hamburger Hauptbahnhof.

„Clint war sehr gelehrig und folgsam. Es machte Spaß, ihn immer weiter auszubilden und an seine späteren Aufgaben heranzuführen“, sagt der Hundeführer im Gespräch mit der MOPO. Malinois sind äußerst clevere, lebhafte und hochaktive Arbeitshunde. Der Großteil der Polizeihunde im Bundesgebiet sind Hunde dieser Rasse.

Im Sommer dieses Jahres dann das Happy End: Clint legte erfolgreich die Schutzhundprüfung ab und wurde bei der Bundespolizei in Hamburg übernommen. Seine ersten Einsätze hatte er während der Fußball-Europameisterschaft in diesem Sommer bei Spielen in Hamburg.

Einsatz beim Spiel des HSV gegen Schalke

Mittlerweile hat sich Clint auch auf verschiedenen Demos bewährt und bei vielen weiteren Einsätzen sein Können gezeigt. Er kommt auch weiterhin bei Fußballspielen zum Einsatz, zuletzt am vergangenen Wochenende beim Heimspiel des HSV gegen Schalke 04.

Malinoir irrte tagelang herrenlos durch niedresachsen und fand ein neues Leben.
Hundeführer Matthias Vogt mit Diensthund Clint kurz vor dem Einsatz beim Spiel HSV gegen Schalke

Für Hundeführer Matthias Vogt ist es der dritte Hund in seiner Laufbahn. „Jeder Hund war anders, doch Clint hat ein besonderes Wesen. Zuhause ist er wie ein normales Haustier, er schmust sehr viel und spielt unheimlich gern“. Wenn Mathias aber seine Uniform anzieht, ist es für Clint das Zeichen, dass es nun ans Arbeiten geht. „Dann ist er wie ausgewechselt. Er ist wachsam und kann es kaum erwarten, in den Kofferraum zu springen, um zur Arbeit zu fahren.

Weil Clint nicht gechipt war, ließ sich sein Alter nicht bestimmen. Experten schätzen aber, dass das Tier rund vier Jahre alt sein müsste. Mit neun Jahren endet für einen Polizeihund das Dienstleben, dann gehen sie in Rente. „Ich habe also noch rund fünf Jahre einen verlässlichen Partner an meiner Seite und freue mich auf diese Zeit. Danach kann er sein Rentenleben im Kreise meiner Familie genießen“, sagt Vogt.

Wenn er sprechen könnte, würde er wahrscheinlich jauchzen und jubeln über das, was ihm in den vergangenen Monaten widerfahren ist: Ein Hund, der tagelang verwahrlost durch die Gegend bei Einbeck (Landkreis Northeim in Niedersachsen) irrte und schließlich eingefangen und ins Tierheim gebracht wurde, bekam ein zweites und viel besseres Leben geschenkt. Die Bundespolizei wurde dabei im wahrsten Sinne zum Freund und Helfer.