Polizei

CSD-Eklat: Besucher erhebt massive Vorwürfe – Polizei stellt den Fall ganz anders dar

Polizeibeamte stehen in einem Einkaufszentrum vor McCafé und Dunkin' Donuts; Passanten beobachten die Szene.
Aufnahmen eines MOPO-Lesers zeigen die Auseinandersetzung zwischen CSD-Besuchern und dem Sicherheitsdienst der Europa Passage. Zuvor sollen Menschen mit sichtbaren Regenbogenfahnen abgewiesen worden sein.

Nach einem Einsatz in der Europa Passage erhebt ein CSD-Besucher massive Vorwürfe. Die Polizei stellt den Fall ganz anders dar.

Ein CSD-Besucher erhebt nach einem Polizeieinsatz in der Europa Passage schwere Vorwürfe. Er sei wegen seiner Regenbogenflagge gefesselt und verletzt worden, schreibt er auf Instagram. Die Polizei widerspricht: Nicht die Flagge, sondern sein aggressives Verhalten sei der Grund für die Gewahrsamnahme gewesen.

Auf einem Foto steht der Mann mit einer Regenbogenflagge als Cape, schwarzem Oberteil und beigefarbener Hose in der Passage. Um ihn herum sind Sicherheitsmitarbeiter und Polizisten zu sehen – offenbar kurz vor der Eskalation.

CSD Hamburg: Streit um Regenbogenflagge in Europa Passage

In den sozialen Medien schreibt der Mann unter einem Foto, das ihn mit demselben Outfit zeigt: „Nein, ich nehme die Flagge nie ab!“ Ein Security-Mitarbeiter habe ihn aufgefordert, die Flagge wegzupacken. Regenbogenflaggen seien angeblich verboten gewesen. Das Centermanagement spricht inzwischen von einem „Missverständnis“.

Der Mann habe sich geweigert und selbst die Polizei gerufen. Die Beamten hätten ihn ebenfalls gedrängt, die Flagge zu verstecken, behauptet er. Danach sei er mit Kabelbindern gefesselt und bis zum Ausgang geschleift worden. Vor der Passage sei er „auf den Boden geschmissen“ worden. Fotos zeigen Verletzungen an seinen Knien.

Polizeieinsatz in Hamburg: CSD-Besucher in Gewahrsam

Er sei anschließend auf eine Wache gebracht und erst kurz vor Mitternacht mit Unterstützung seines Mannes und eines Anwalts entlassen worden. Medizinisch behandelt worden sei er nach eigenen Angaben erst später in einer Notaufnahme. Seitdem leide er unter Flashbacks.

Die Polizei schildert den Einsatz deutlich anders. Der Mann sei alkoholisiert und äußerst aggressiv gewesen, sagt Sprecher Christian Schreiber. Er habe sich gesperrt und um sich getreten. Die Gewahrsamnahme habe ausschließlich mit seinem Verhalten zu tun gehabt, nicht mit der Regenbogenflagge.

Europa Passage: Polizei widerspricht Vorwürfen

Auf dem Weg zum Transporter habe sich der Mann auf die Knie fallen lassen und schließlich getragen werden müssen. Entlassen worden sei er, nachdem er sich beruhigt hatte und ausgenüchtert war. Wie lange er genau in Gewahrsam blieb, konnte die Polizei nicht sagen.

Gegen den Mann laufen Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs und des Verdachts der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes. Er soll ein Gespräch zwischen Polizisten und Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes gefilmt haben.

Unter seinem Instagram-Beitrag äußern zahlreiche Nutzer Mitgefühl. „Es tut mir sehr leid für dich und diese Entwicklung macht mir große Sorgen“, heißt es in einem Kommentar. Mehrere wünschen ihm Ruhe und Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten.