Brandgefährlich: Warum die Feuerwehr in Hamburg (noch) keine Rauchmelder hat

Das neue Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Stadtallendorf ist komplett mit Fahrzeugen und Ausrüstung abgebrannt.
Das neue Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Stadtallendorf mit Fahrzeugen und Ausrüstung brannte komplett ab.

Rauchmelder retten Leben – deshalb sind diese kleinen Geräte an den Zimmerdecken bereits seit Jahren in Wohnräumen verpflichtend. Für Wachgebäude der Feuerwehr allerdings nicht, obwohl sich dort die Einsatzkräfte, besonders nachts, auch mal ausruhen. Auch in Gebäuden der Freiwilligen Feuerwehr fehlt es an Warneinrichtungen – noch. Wie MOPO exklusiv erfuhr, wird sich an der Sicherheit für die Hamburger Feuerwehrkräfte aber bald etwas ändern.

Feuer bei der Feuerwehr! Was zunächst wie ein schlechter Scherz klingt, widerfuhr am Mittwochmorgen (16. Oktober 2024) ehrenamtlichen Rettern in Stadtallendorf (Hessen). Dort brannte eine erst kürzlich gebaute Wache nahezu vollständig aus. Sämtliche Einsatzfahrzeuge fielen den Flammen zum Opfer. Es wird ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe befürchtet. Eine Brandmeldeanlage oder zumindest einen Rauchwarnmelder, der in Wohnungen bereits seit Jahren Pflicht ist, gab es in der neuesten Feuerwache in Stadtallendorf nicht.

Keine Brandmeldeanlagen in Wachgebäuden der Feuerwehr in Hamburg – Behörde erklärt sich

Auf den Social-Media-Plattformen hagelte es anschließend Häme wegen der fehlenden Brandmeldeanlage. „Habe ich das richtig mitbekommen, dass es für diesen Neubau keine BMA gab?“, fragte ein User auf Facebook. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft sieht aufgrund der fehlenden Brandmeldeanlagen Handlungsbedarf. Inzwischen fordert die Gewerkschaft der Brandschützer eine Brandmeldeanlage in jedem Gerätehaus. Wie sieht es damit in Hamburg aus?

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In Hamburg sind viele Wachgebäude ohne Brandfrüherkennung ausgestattet. Dabei sollten gerade die Retter der Feuerwehr am besten wissen, wie wichtig eine frühzeitige Erkennung von Bränden ist. Insgesamt 12.380 mal rückten die Brandbekämpfer im Jahr 2023 in der Hansestadt aus – häufig deshalb, weil Brandmeldeanlagen oder Rauchwarnmelder ein Feuer detektiert hatten.

Bei einem Großbrand wurde Mittwochmorgen die Fahrzeughalle der Feuerwache Stadtallendorf im Landkreis Marburg-Biedenkopf komplett zerstört. (Archivfoto)
Bei einem Großbrand wurde Mittwochmorgen die Fahrzeughalle der Feuerwache Stadtallendorf im Landkreis Marburg-Biedenkopf komplett zerstört. (Archivfoto)

Diese lebensrettenden Systeme sind bei den Wachgebäuden, egal ob Berufs- oder Freiwillige Feuerwehr, nicht regelhaft verbaut. Offiziell gibt es solche Warnvorrichtungen gar nicht. Und dies, obwohl die Berufsfeuerwehrleute sogar nachts in den Gebäuden schlafen.

Aufgrund baurechtlicher Vorgaben ohne Brandmeldeanlage

Frank Reschreiter, Leiter der Pressestelle der Feuerwehr Hamburg, erklärt das Fehlen der Brandmeldeeinrichtungen mit dem Bestandsschutz des Gebäudes. „Die Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehren sind, ebenso wie die Feuer- und Rettungswachen der Berufsfeuerwehr, aufgrund der baurechtlichen Vorgaben nicht regelhaft mit Rauchwarnmeldern oder Brandmeldeanlagen ausgestattet.“ Reschreiter weiter: „Die Wachgebäude der Feuerwehr Hamburg erfüllen in Bezug auf die brandschutztechnischen Einrichtungen die baurechtlichen und gesetzlichen Bestimmungen. Brandmeldeanlagen sind für Bestandsgebäude bisher nicht gefordert.“

Warum die Feuerwehrleute in Räumen nächtigen, obwohl dort keine Brandmelder verbaut sind, erklärt Reschreiter so: „In den Feuer- und Rettungswachen erfolgt ein Dienstbetrieb rund um die Uhr. Brandereignisse würden innerhalb kürzester Zeit entdeckt werden.“

Brandmeldeanlagen in zwei neuen Feuerwachen geplant – auch bei der Freiwilligen Feuerwehr möglich

Nach MOPO-Informationen tut sich allerdings etwas im Hinblick auf die Brandfrüherkennung. In den Neubauten der Feuer- und Rettungswache Finkenwerder sowie Schnelsen werden jetzt Brandmeldeanlagen mit verbaut. Und auch in den Wachgebäuden der 86 Freiwilligen Feuerwehren könnte sich etwas ändern. Laut Reschreiter können die bereits installierten Einbruchsmeldeanlagen mit einfacher Technik zu einer kombinierten Einbruchs- und Brandmeldeanlage erweitert werden. Ob dies allerdings passiert, ist unklar. „Diese Anlagen wurden so konzeptioniert, dass sie zur Brandmeldeanlage erweitert werden können“, erklärt Reschreiter. Die Feuerwehr in Hamburg reagiert anscheinend, damit es gar nicht erst zu so einem Brandereignis kommt wie in Hessen.

Verpflichtet sind solche Brandmeldeanlagen laut des Baurechtes im Übrigen nicht, wie Ralf Abraham Dipl.-Ing. Architekt gegenüber der MOPO erklärt. „Aus dem Baurecht lassen sich keine Anforderungen an Brandmeldeanlagen ableiten“, erklärt Abraham. Aus Sachschutzgründen könnten Brandmeldeanlagen allerdings freiwillig eingebaut werden, so der Fachmann abschließend.