Blumen und Kerzen vor „Sepideh“ – Trauer um getöteten Restaurantchef (41)
Dichte Schneeflocken treiben durch Marienthal, bleiben auf Fensterbänken liegen, auf parkenden Autos – und auf dem schwarzen Schild über dem Eingang des Restaurants „Sepideh“. Vor dem Lokal stehen inzwischen Blumen und Kerzen, ein gerahmtes Foto erinnert an den getöteten Restaurantchef. Nur wenige Meter entfernt, hinter dem Haus, ist am Donnerstagabend der Chef des Restaurants getötet worden. Was ist über das Opfer und den Vorfall bekannt? Die Tat lässt viele im Viertel ratlos zurück.
Im Hinterhof liegt der Parkplatz, auf dem es zur tödlichen Auseinandersetzung gekommen sein soll. Zwischen Müllcontainern, gestapelten Holzkisten und abgestellten Fahrzeugen zeichnen sich dunkle Flecken auf dem Pflaster ab. An der weißen Stoßstange eines SUV sind noch feine rötliche Spritzer zu erkennen. Nach bisherigen Erkenntnissen geriet der 41-jährige Mortesa S. am Donnerstagabend gegen 20.45 Uhr im Lokal mit einem Mann in Streit und ging mit ihm in den Hinterhof. Dort soll der 41-Jährige von seinem Kontrahenten mit einem Messer lebensgefährlich verletzt worden sein. Der Täter flüchtete anschließend mit einem Pkw in unbekannte Richtung. Zeugen brachten den Schwerverletzten in die Asklepios-Klinik Wandsbek, wo er trotz Reanimationsmaßnahmen seinen Verletzungen erlag.
Restaurant „Sepideh“ war Top-Adresse für persisches Essen
Kurz nach der Einlieferung kam es auch vor der Klinik zu tumultartigen Szenen. Mehrere Personen erschienen dort, versuchten nach Polizeiangaben, zu dem Verletzten vorzudringen, und störten den Betrieb des Krankenhauses erheblich. Mehr als drei Dutzend Funkstreifenwagen sicherten daraufhin das Gebäude, um einen unkontrollierten Zugang zu verhindern. Dabei kam es zu Widerstandshandlungen, zwei Personen wurden in Gewahrsam genommen.
Vor dem Eingang des Restaurants haben Freunde, Gäste und Anwohner inzwischen einen kleinen Gedenkbereich eingerichtet. Auf zusammengeschobenen Tischen liegen weiße und rote Rosen, daneben Dutzende Grablichter. In der Mitte ist ein Schwarz-Weiß-Porträt von Mortesa S. aufgestellt. Der Gastronom, Vater von zwei kleinen Söhnen, ist der Betreiber des persischen Restaurants, das vor rund zehn Jahren an der Hammer Straße eröffnete. Nach MOPO-Informationen führten er und seine beiden Brüder das Lokal gemeinsam. Gegenüber betreiben sie außerdem ein Café.
Am Tag nach der Tat rollen viele Autos im Schritttempo am Hinterhof vorbei. Fahrer halten kurz an, blicken hinüber, manche steigen aus und stehen schweigend am Rand des Parkplatzes. „Ich bin sprachlos“, sagt ein Mann, der seit Jahren hier wohnt. „Die drei Brüder hatten ein Bombengeschäft.“ Tatsächlich gilt das Restaurant vielen als Top-Adresse für persische Küche in Hamburg. Fast 2000 Google-Rezensionen, eine Bewertung von 4,7 Sternen. Der Zulauf sei so groß gewesen, berichten Anwohner der MOPO, dass die Parkplatzsuche regelmäßig zum Problem wurde.
Im Hof steht ein grüner Maybach GLS 600, zugeschneit. Neupreis ab rund 168.000 Euro. Nach MOPO-Informationen gehörte der Wagen dem Getöteten. Geschäftlich lief es offenbar gut – sehr gut sogar. Doch über Geld spricht am Freitag in Marienthal niemand. Stattdessen erzählen Nachbarn von einem „sehr sympathischen, hilfsbereiten Mann“, von einem „herzensguten Menschen“, der immer ein nettes Wort für seine Gäste gehabt habe.
Verwehrte Hochzeit? Ursache des Streits noch ungeklärt
Ein Jugendlicher, der am Donnerstagabend auf dem Heimweg war, will den Streit beobachtet haben. Zwei Männer im Hinterhof, laute Stimmen, dann Blut. „Ich habe das gesehen“, sagt er leise. Der Anblick habe ihn so erschüttert, dass er am Freitag nicht zur Schule gegangen sei. Andere Anwohner wiederum berichten, das Restaurant sei an diesem Abend gar nicht besonders voll gewesen.
Was genau zur tödlichen Eskalation führte, ist bislang unklar. Ob es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Inhaber und Gast handelte oder ob familiäre Hintergründe eine Rolle spielten, ist nicht bestätigt. Nach MOPO-Informationen steckt offenbar ein Heiratsstreit hinter dem Angriff. Der mutmaßliche Angreifer soll schon länger eine Familienangehörige der Restaurant-Inhaber heiraten wollen. Die Familie habe das aber stets abgelehnt. Die Mordkommission ermittelt.
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An der Fensterscheibe hängt am Samstagmorgen ein Hinweis der Geschäftsleitung: „Wegen Trauerfall vorübergehend geschlossen“. Daneben ein weiterer Aushang auf Deutsch und Persisch, in dem um Verständnis gebeten wird. Das Restaurant bleibt bis auf Weiteres geschlossen.