Balkon-Unglück in Hamburg: Umzugshelfer stürzen metertief – Hausverwalter äußert sich

Langenhorn Balkon abgebrochen
Die Unfallstelle in Langenhorn am Tag nach dem Unglück.

Was sechs junge Menschen am Mittwochabend in Langenhorn erleben, ist ein absoluter Albtraum: Die Freunde stehen auf einem Balkon, machen eine Pause von den Umzugsstrapazen – einer von ihnen zieht gerade hier ein, die anderen helfen. Plötzlich bricht die Bodenplatte, der Balkon klappt einfach nach unten weg. Die jungen Menschen stürzen mehrere Meter in die Tiefe, werden zum Teil schwer verletzt. Wie konnte es dazu kommen?

Birgitta Busch steht am Donnerstagvormittag sichtlich geschockt vor dem Mehrfamilienhaus am Krohnstieg. „Die Emotionen kommen gerade in mir hoch“, sagt sie. Hinter ihr hängt der abgestürzte Balkon, tonnenschwer, abgeklappt vom dritten Stock, nur wenige Zentimeter über den bunt-bepflanzten Blumenkästen der Wohnung drunter. Buschs Sohn war einer aus der Truppe, die am Vorabend beim Umzug half und stürzte mit seinen Freunden in die Tiefe.

Brigitta Busch vor dem Mehrfamilienhaus in Langenhorn. Ihr Sohn stürzte mit seinen Freunden in die Tiefe.
Brigitta Busch vor dem Mehrfamilienhaus in Langenhorn. Ihr Sohn stürzte mit seinen Freunden in die Tiefe. Hinten rechts der abgeklappte Balkon.

„Mein Sohn hatte einen Schutzengel, es geht ihm den Umständen entsprechend gut“, sagt Busch, „im Gegensatz zu einigen der anderen, an die wir jetzt natürlich denken.“

Insgesamt stürzten fünf Männer und eine Frau im Alter von 18 bis 27 Jahren in die Tiefe, wurden teilweise schwer verletzt. Ein 27-Jähriger erlitt laut Polizei lebensgefährliche Verletzungen. Alle kamen in Krankenhäuser.

„Mein Sohn hat erzählt, dass die Retter wahnsinnig schnell vor Ort waren und geholfen haben“, sagt Birgitta Busch. Darüber seien alle sehr dankbar. 60 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk waren vor Ort, der dreistündige Einsatz: eine Herausforderung. Die Retter mussten Büsche abschneiden, sich selbst in die Gefahrenzone begeben, um überhaupt an die Verletzten ranzukommen: „Während der gesamten Einsatzdauer bestand die Gefahr, dass sich die Balkonplatte aus der verbliebenen Verankerung lösen könnte“, sagt Feuerwehr-Sprecher Lorenz Hartmann.

Die Unfallstelle in Langenhorn: In der dritten Etage auf der rechten Seite ist der Balkon abgeknickt. Er hängt heruntergeklappt an der Fassade.
Die Unfallstelle in Langenhorn: In der dritten Etage auf der rechten Seite ist der Balkon abgeknickt. Er hängt heruntergeklappt an der Fassade.

Ein Statiker prüfte das Gebäude, vier Wohnungen wurden vorsichtshalber evakuiert. Alle anderen Bewohner des 1966 gebauten Mehrfamilienhauses dürfen nicht mehr auf ihre Balkone: „Im Sinne der Gefahrenabwehr“ habe man ein vorläufiges Betretungsverbot ausgesprochen, teilt Polizeisprecherin Laura Wentzien mit.

Balkon in Hamburg abgestürzt: Das sagt der Hausverwalter

Denn wie es zu der Tragödie kommen konnte, ist bislang völlig unklar. „Die Balkone des gesamten Wohnhauses wurden im Jahre 2017 grundlegend saniert“, erklärt Florian Possehl, Geschäftsführer der Immobilien-Verwaltungsgesellschaft Gerstel KG, der MOPO. Das Unternehmen verwaltet das Gebäude laut eigenen Angaben seit Anfang des vergangenen Jahres. „Schäden sind weder an dem betroffenen Balkon, noch an den übrigen Balkonen erkennbar“, sagt Possehl.

Der Balkon hängt noch an der Fassade.
Der Balkon hängt noch an der Fassade. Die unterliegenden Wohnungen wurden evakuiert.

Die durchschnittliche Tragfähigkeit für Balkone liege bei mindestens 400 Kilogramm pro Quadratmeter. „Es ist mithin derzeit nicht nachvollziehbar, wie es zu diesem schlimmen Vorfall kommen konnte“, so Possehl. Mit den Mietern stehe man im engen Kontakt.

Laut Polizei prüft jetzt das Landeskriminalamt, „inwieweit strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegen könnte.“