„Ausländer raus“-Gegröle in der Nacht: Rassistischer Vorfall schockt Ottensen

Auf dieser Kreuzung in Ottensen ereignete sich der Übergriff.
Auf dieser Kreuzung in Ottensen ereignete sich der Übergriff.

In Ottensen ist es in der Nacht auf Freitag zu einem rassistischen Vorfall gekommen: Junge Männer liefen mit einer Boombox herum, grölten zu Gigi D’Agostinos „L’amour toujours“ die Parole „Ausländer raus“. Passanten sollen sogar mit Pfefferspray attackiert worden sein. Während die Polizei zu den Hintergründen ermittelt, sprach die MOPO mit Zeugen. Die Verunsicherung unter den Anwohnern ist spürbar. Der Übergriff ist die jüngste Tat in einer Serie rassistischer Vorfälle im eigentlich eher linken Stadtteil.

Zu dem Vorfall kam es laut einer Zeugin um kurz nach Mitternacht auf der Ottenser Hauptstraße, der zentralen Einkaufsstraße im gleichnamigen Stadtteil. Auch die „Reh Bar“ ist ganz in der Nähe. Im Kreuzungsbereich zur Nölting- und Rothestraße waren laut Beschreibung einer Anwohnerin drei Männer mit einer tragbaren Lautsprecherbox unterwegs.

Rassismus in Hamburg: „Ausländer raus“-Gegröle in der Nacht

„Sie haben das Sylt-Lied gespielt und dazu ,Ausländer raus!‘ gegrölt“, berichtet sie der MOPO. Ihr Partner begann zu filmen. Als die Männer dies bemerkten, hätten sie die Musik ausgemacht, sich dem Haus zugewandt und weiter rassistische Parolen gerufen. Die MOPO hatte Einsicht in das Video.

„Die waren total jung“, erinnert sich die Zeugin. Sie schätzt das Alter der Männer auf 18 bis 20 Jahre. „Dann kamen zwei Männer aus Richtung des Bahnhofs.“ Die Männer sollen die Täter zur Rede gestellt und mit der Polizei gedroht haben.

Welche Rolle ein grauer VW in der Sache gespielt hat, ist derzeit noch unklar. In einem Beitrag auf Instagram zum Vorfall wurden Fotos eines VW mit Plöner Kennzeichen gepostet, der den Tätern zugerechnet wird. Demnach sollen es nur zwei Männer gewesen sein. Auch die Anwohnerin beschreibt einen VW, der mit geöffneten Türen an der Straße gestanden habe.

Zeugin: „Wir haben es nicht länger ertragen“

Laut dem Beitrag sollen die Täter andere Menschen auf der Straße mit Pfefferspray attackiert haben. Davon habe sie jedoch nichts mitbekommen, so die Zeugin. Sie gibt an, dass sie und ihr Partner das Geschehen für rund 20 Minuten verfolgt, sich danach aber zurückzogen und abgelenkt hätten. „Wir haben es nicht länger ertragen.“

Ein weiterer Zeuge bestätigte der MOPO die wesentlichen Details zum Übergriff, wollte sich auf Nachfrage jedoch nicht näher dazu äußern. „Sie wissen ja, wie das politische Klima zurzeit ist“, so der Mann.

Bei der Polizei Hamburg ist in der Sache bisher keine Anzeige eingegangen, wie Sprecher Patrick Schlüse der MOPO bestätigt. Der Instagram-Beitrag sei den Ermittlern allerdings bekannt. „Das Landeskriminalamt prüft nun den Sachverhalt“, so Schlüse. Die Polizei ruft Zeugen und Geschädigte auf, sich zu melden.

Immer wieder Übergriffe in Ottensen

In Ottensen kommt es immer wieder zu rassistischen Vorfällen: So wurde im März 2024 ein Gedenk-Graffiti eines schwarzen Sozialarbeiters beschmiert. Einen Monat zuvor wurde Familie K. auf der Griegstraße von Rassisten beleidigt, AfD-Plakate wurden an die Wohnungstür geklebt, Essensabfälle auf die Fußmatte gekippt. Sogar ein Kinderwagen wurde angezündet.

Das könnte Sie auch interessieren: Blödsinn, Lügen, Hetze: Stoppt die „AfD-Festspiele“ in ARD und ZDF!

In der vergangenen Woche sorgte der AfD-Abgeordnete Uwe Batenhorst in der Bezirksversammlung Altona mit einer Falschbehauptung für einen Eklat. Er behauptete, die Angriffe auf die schwarze Familie in Ottensen seien tatsächlich das Werk von Linken gewesen. „So eine Beleidigung von Ottensener Bevölkerungsgruppen habe ich in der Bezirksversammlung noch nicht erlebt“, kommentierte die Vorsitzende Nadine Neumann (Grüne) den Vorgang.