Angriffe auf Einsatzkräfte: Überraschende Entwicklung in Hamburg
Die Zahl der Angriffe auf Einsatzkräfte steigt bundesweit deutlich – in Hamburg hingegen sinkt die Zahl. Das ergibt eine Auswertung des Bundeskriminalamtes (BKA). Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert politisches Handeln: „Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif!“, sagt Hamburgs GdP-Vize Lars Osburg.
Mehr als 3000 gezielte Angriffe auf Polizisten hat Hamburg im vergangenen Jahr registriert. Die Zahl sank um zehn Prozent gegenüber der des Vorjahres, in Relation zur Einwohnerzahl liegt Hamburg beim bundesweiten Ranking hinter Berlin trotzdem noch auf Platz 2 vor allen Flächenländern. Zuletzt wurden in der Silvesternacht Einsatzkräfte attackiert, mit Böllern und Raketen gezielt beschossen .
Angriffe gehören für viele Polizisten „längst zum Alltag“
„Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Angriffe gehören für viele Einsatzkräfte längst zum Alltag. Besonders besorgniserregend ist, dass ein Teil der Täter staatliche Autorität und gesellschaftliche Regeln offen ablehnt“, erklärt Osburg. Die Gewalt sei häufig Ausdruck gescheiterter Prävention und mangelnder früher Intervention.
Polizisten würden beleidigt, bedroht und tätlich angegriffen – im Schnitt gebe es mehr als acht Angriffe pro Tag. Die GdP warnt deshalb vor einem endgültigen Vertrauensverlust in den Rechtsstaat. Osburg: „Diese Angriffe sind kein Randphänomen, sondern Ausdruck eines zunehmenden Respektverlustes gegenüber Staat und Institutionen.“
Die Polizei könne diese Entwicklung nicht allein auffangen. Auch Jugendhilfen, Schulen, Ordnungsbehörden und soziale Dienste stünden in der Verantwortung, frühzeitig einzugreifen und bekannte Problemgruppen nicht sich selbst zu überlassen.
GdP fordert mehr Geld für Sozialarbeit
Die GdP fordert neben härteren Sanktionen deutlich stärkere Investitionen in Präventions- und Sozialarbeit“, so Osburg. Sicherheit gebe es nicht zum Nulltarif. „Wer Einsatzkräfte wirksam schützen will, muss handeln und investieren – ressortübergreifend und dauerhaft.“
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Laut der Auswertung des BKA hat es im vergangenen Jahr in Deutschland so viele Angriffe gegen Polizeibeamte wie noch nie gegeben. So stieg die Zahl der Fälle allein in den vergangenen zehn Jahren um knapp 40 Prozent. Insgesamt sind 106.875 Beamte im Dienst angegriffen worden. Den höchsten Zuwachs der Zahlen gab es in Schleswig-Holstein: Dort stieg die Zahl der Angriffe um mehr als zehn Prozent. (dg)
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