Angriff von HSV-Hooligans: Hätte der Gewalt-Exzess verhindert werden können?
Der mutmaßliche Überfall von HSV-Hooligans auf Fans des 1. FC Köln schockte Fußball-Deutschland. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie Mitte Januar 150 Vermummte vor einem Lokal auf St. Pauli auf die Gäste-Anhänger einprügelten, darunter auch ältere Menschen und Frauen. Scheinbar hemmungslos, unfassbar brutal. Wie die Staatsanwaltschaft auf MOPO-Nachfrage mitteilt, wurde bislang keiner der Angreifer identifiziert. Die Ermittlungen laufen. Hätte die Gewaltexplosion mitten in der Stadt verhindert werden können?
Das ist natürlich nicht eindeutig zu beantworten, doch beim Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) regt sich Unmut über die Situation bei der Hamburger Polizei. Denn bis vor wenigen Monaten gab es dort eigene Fußball-Ermittler, die die Szene im Blick hatten, häufig über drohende Übergriffe Bescheid wussten – und sie bestenfalls verhindern konnten. Mittlerweile wird diese Arbeit von Kripo-Beamten übernommen, die sich zusätzlich auch um andere Delikte kümmern müssen. Die Polizei spricht von einer neuen, entlastenden Arbeitsaufteilung. Der BDK fürchtet dagegen, dass die Kriminalbeamten, die in ihren Augen vorher bereits überlastet waren, nun gar nicht mehr hinterherkommen.
Innensenator Grote fordert nach Hooligan-Überfall Konsequenzen
„Wenn du einen Experten hast, der den Fokus auf das komplette Themenfeld hat, wird so ein Fall anders bearbeitet und viel ausführlicher an die Staatsanwaltschaft übergeben, als wenn du das im Fließbandprozess machst, wo viel liegen bleibt“, so ein Beamter zur MOPO.
Innensenator Andy Grote (SPD) forderte nach dem Angriff durch HSV-Fans Konsequenzen und Stadionverbote für identifizierte Täter. Er sprach von einem Gewaltproblem und kritisierte Fan-Clubs, die sich nicht von der Attacke distanzierten.
Krawalle rund um Fußballspiele gibt es seit Jahrzehnten. In Hamburg kümmerten sich zwei Polizisten des LKA 124 gezielt um Gewalt in der Szene, nun gibt es keine personbezogene Zuordnung mehr in der Dienststelle. Eine wichtige Einordnung bei den Ermittlungen: Handelt es sich bei den Prügeleien um Angriffe mit der gezielten Absicht einer Körperverletzung oder geraten die Fans zufällig aneinander? Der Beamte, der anonym bleiben möchte, hält es für deutlich schwieriger, diese Frage ohne personengebundene Zuständigkeit zu beantworten.
Kritik der Gewerkschaft an Umstrukturierung
So sieht das auch Jan Reinecke, BDK-Landesvorsitzender: „Die beiden Kollegen, die zuletzt hauptamtlich ‚Fußball‘ bearbeitet haben, sind in andere Dienststellen umgesetzt worden.“ Reinecke zufolge sei bereits lange vor dieser Absetzung von der Polizeiführung entschieden worden, dass es keine expliziten Fußball-Ermittler mehr geben solle. Auch die Ermittlungen durch sogenannte szenekundige Beamte würden kaum mehr stattfinden, bemängelt Reinecke. Sie seien an den Spieltagen anwesend, würden aber nur eine beobachtende Funktion einnehmen.
Die Hamburger Polizei betont, dass die Arbeit im Themenbereich Fußball nicht vernachlässigt, sondern nur auf mehreren Schultern im LKA 124 aufgeteilt werde. So finde ein kollektiver Austausch statt und Fälle könnten im Team auch auf kurzem Wege überprüft werden. Veränderungen bedeuteten zudem keinen Rückschritt, oberste Priorität bleibe, die Sicherheit und die Strafverfolgung zu gewährleisten, heißt es auf MOPO-Nachfrage.
Gerade nach den gewaltsamen Ausschreitungen im Rahmen des Derbys zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli im Oktober 2022 seien die Prozesse im Bereich Sportgewalt modifiziert und optimiert worden. Aus heutiger Sicht sei man dadurch viel schlagkräftiger aufgestellt, insbesondere was die Zusammenarbeit zwischen LKA, Schutz- und der Bundespolizei anbelangt.
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Dem Bund Deutscher Kriminalbeamter ist das nicht genug – insbesondere nach dem Angriff der HSV-Hooligans in aller Öffentlichkeit. Die Gewerkschaft fordert, „die Zuständigkeit von fachkundigen Fußball-Ermittlern zu legen und die für Raubtaten, Jugendkriminalität und Intensivtäter anderer Bereiche zuständigen Ermittlern des LKA 124 dadurch zu entlasten“.