Ein Amoklauf hat ihn geprägt: Langjähriger Polizeisprecher sagt „Tschüs“
Holger Vehren gehörte viele Jahre zu den Gesichtern der Hamburger Polizei, zeitweise auch als stellvertretender Sprecher der Pressestelle. Als er bei dem Amoklauf im März 2023 in Alsterdorf den Pressevertretern Rede und Antwort stand, gingen Bilder von ihm um die halbe Welt. Am kommenden Montag hat er seinen letzten Arbeitstag.
1990 trat Holger Vehren im Alter von 24 Jahren in den Polizeidienst ein. Es folgten Einsätze im Streifenwagen als uniformierter Beamter. Anfang der 2000er Jahre hospitierte er mehrfach in der Pressestelle und gehörte später zum Team der Fußball-WM 2006. 2017 übernahm er als Sachgebietsleiter die Ermittlungen zu Beziehungsgewaltdelikten. Zwei Jahre später wechselte er kurzzeitig in gleicher Funktion ins Raubdezernat. Unabhängig von seiner jeweiligen Position galt er schnell als Fachmann für Kommunikation.
Blutbad an der Deelböge – Vehren stellt sich den Fragen der Journalisten
Das blieb dem damaligen Polizeipräsidenten nicht verborgen. Und so landete Vehren in der Pressestelle. Dort stieg er zum stellvertretenden Sprecher auf. Im März 2023 erlebte er einen Einsatz, der ihn besonders prägte: An der Deelböge war ein bewaffneter Mann in die Räume der Zeugen Jehovas eingedrungen und hatte dort ein Blutbad angerichtet.
„In der akuten Phase des Amoklaufs in Alsterdorf die polizeiliche Kommunikation zu übernehmen, hat mir einmal mehr gezeigt, wie existenziell verlässliche Informationen in Ausnahmesituationen sind. Dieses Ereignis war sicher mein herausragendes Erlebnis in der Polizeipressestelle.“ Vehren beherrschte die Gratwanderung, das Informationsbedürfnis der Pressevertreter zu stillen, ohne zu viele taktische Einsatzmaßnahmen preiszugeben.

In Erinnerung geblieben sind ihm laut eigener Aussage auch die Einsätze bei den teils brisanten Stadtderbys zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV sowie die zahlreichen Proteste gegen die Corona-Maßnahmen. „Hier ging es nicht mehr nur um taktische Polizeikommunikation, sondern um eine tiefe gesellschaftliche Zäsur, in der wir als Polizei an der Schnittstelle zwischen Staat und Öffentlichkeit moderieren mussten.“ Im Laufe der Jahre hat Vehren unter sechs verschiedenen Vorgesetzten in der Pressestelle gearbeitet. Alle schätzten seine Arbeit und seine Loyalität.
Skepsis bei Wandel zur Echtzeitberichterstattung
In seine Amtszeit fiel auch der Wandel vom klassischen Redaktionsschluss zur Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung. Er habe diese Entwicklung zunächst mit einer gewissen Skepsis beobachtet, sagt Vehren. „Aber vor allem mit großem Respekt vor der Geschwindigkeit und der anhaltenden Relevanz Ihrer Arbeit.“ Den Medien will er treu bleiben – künftig jedoch nur noch als Konsument.
Hamburg einmal ohne Polizeiblick zu genießen, längere Golfrunden ohne ständigen Blick aufs Handy zu spielen sowie Städtereisen zu unternehmen – das sind Vorhaben, die sich Vehren für seine Zeit als Pensionär vorgenommen hat.
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