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Alles wird teurer? Nur nicht Kokain, das ist so günstig wie nie

Eine Frau schnupft Kokain (Symbolfoto).
Eine Frau schnupft Kokain (Symbolfoto).

Alles wird teurer: Lebensmittel, Versicherungen, Strom. Eine Ausnahme gibt es – Kokain. Auf dem Schwarzmarkt sinken die Preise, obwohl der Reinheitsgrad steigt. Gleichzeitig wird immer weniger Kokain sichergestellt. Den Kriminellen gelingt es mit immer raffinierteren Methoden, die Droge an Kontrollen vorbeizuschleusen – und an die Konsumenten zu bringen.

Eine Kiste Bananen wird im November in eine Hamburger Discounter-Filiale geliefert. Als die Mitarbeiter die Ware auspacken, fällt ihnen etwas auf: Päckchen mit Kokain, zunächst verborgen unter den Früchten. Auch in anderen Filialen in Schleswig-Holstein finden Angestellte Drogenpakete in den Obstkisten. Insgesamt 500 Kilogramm sollten so ins Land geschmuggelt werden, irgendwas muss schiefgelaufen sein.

80 Prozent des Kokains werden nie entdeckt

Doch solche Funde, bei denen Hunderte Kilo oder ganze Tonnen sichergestellt werden, sind selten geworden. In diesem Jahr stellte der Zoll in Hamburg nach ersten Schätzungen gerade einmal vier bis fünf Tonnen sicher. 2024 waren es noch 15 Tonnen gewesen, im Vorjahr sogar 34 Tonnen.

Etwa 80 Prozent des geschmuggelten Kokains werden nie entdeckt, schätzt Oliver Erdmann, Chef des Hafensicherheitsszentrums und ehemaliger Drogenfahnder. Das enorme Dunkelfeld macht verlässliche Einschätzungen fast unmöglich.

Kokain in Hamburg: Der Straßenpreis sinkt

Ein wichtiger Indikator: der Straßenpreis. „Wir sehen derzeit keinen Preisanstieg – im Gegenteil“, so Erdmann. Der Kilopreis im Großhandel liege aktuell bei etwa 20.000 Euro, lange galten 30.000 Euro als Richtwert. Angebot und Nachfrage seien weiterhin hoch: „Es gibt keinerlei Hinweise auf eine Verknappung.“

Ein Mann vor dem Polizeipräsidium
Oliver Erdmann arbeitete jahrelang als Drogenfahnder bei der Kripo. Inzwischen jagt er als Leiter des Hafensicherheitszentrums Rauschgiftkriminelle.

Das Kokain kommt weiter nach Hamburg, nur auf anderem Wege. Die Folge: Konsumenten aus allen Gesellschaftsschichten können sich das euphorisierende Rauschgift mittlerweile per Bringdienst ordern wie eine Pizza. Erdmann beschreibt das Verhältnis von Fahndern und Schmugglern als „Katz-und-Maus-Spiel“. „Dieses Wechselspiel führt zwangsläufig dazu, dass Schmuggelmethoden und Routen immer wieder an unsere Maßnahmen angepasst werden.“

Chemische Schmuggelvarianten nehmen zu

Insbesondere chemische Schmuggelvarianten nehmen zu. Teilweise kann das Rauschgift nur mit einem sogenannten „chemischen Schlüssel“, einem bestimmten Molekül, wieder aus einem Trägerstoff herausgelöst werden. Auch der Hamburger Polizeipräsident Falk Schnabel zeigte sich angesichts dieser Entwicklung alarmiert: „Die Drogen können bei Kontrollen dann nur schwer erkannt werden“, sagte er Anfang Dezember im MOPO-Interview.

Schmuggelrouten werden angepasst

Nicht nur die Methoden verändern sich – auch die Routen: „Wird der Hamburger Hafen resilienter, weichen die Täter auf andere Häfen aus – und das Kokain gelangt über Umwege nach Hamburg“, so Erdmann.

Etwa vor der iberischen Halbinsel gab es in diesem Jahr mehrere Fälle von sogenannten „Narco-Subs“, U-Booten, die riesige Mengen Kokain geladen haben. Anfang November entdeckten portugiesische Beamte im Atlantik ein Boot mit 1,7 Tonnen Kokain. Im März fingen sie ein U-Boot mit rund sieben Tonnen ab.

Die Drogen werden nicht mehr direkt über einen Hafen geschmuggelt, sondern auf hoher See auf- und abgeladen. „Das sogenannte Drop-off auf offener See gibt es schon länger, möglicherweise wird dieser Modus Operandi aktuell aber wieder häufiger genutzt“, sagt Erdmann.

Europa muss gemeinsam gegen Schmuggel vorgehen

Diese Verlagerung bedeutet aber keinesfalls eine Entlastung für die deutschen Behörden, da innerhalb von Europa kaum Kontrollen stattfinden. Ob die Drogen über die portugiesische Küste oder den Hamburger Hafen geschmuggelt werden, mache im Endeffekt kaum einen Unterschied, so Erdmann. Wenn die „Tür zum Hamburger Hafen“ geschlossen bleibt, kommt das Kokain über die Hintertür in die Stadt.

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Umso wichtiger sei die europäische Zusammenarbeit, um auch die neuen Methoden der Täter zu enttarnen. Die Zeiten, in denen ein Großteil des Kokains einfach in Bananenkisten von Bord getragen wurde, sind vorbei. Die Methoden werden komplexer, die Schmuggelwege werden länger, der Aufwand für die Ermittler steigt – während die Preise auf dem Schwarzmarkt sinken.

Alles wird teurer: Lebensmittel, Versicherungen, Strom. Eine Ausnahme gibt es – Kokain. Auf dem Schwarzmarkt sinken die Preise, obwohl der Reinheitsgrad steigt. Gleichzeitig wird immer weniger Kokain sichergestellt. Den Kriminellen gelingt es mit immer raffinierteren Methoden, die Droge an Kontrollen vorbeizuschleusen – und an die Konsumenten zu bringen.