„Ältere Menschen werden überrumpelt“: Kommissarin über fiese Betrugsmethoden

Frauke Hannes, Polizeihauptkomissarin, zuständig für Präventionsarbeit
Kriminalhauptkommissarin Frauke Hannes (57) vor dem Polizeipräsidium.

Frauke Hannes ist Kriminalhauptkommissarin und beim Landeskriminalamt für Präventionsarbeit zuständig. Die 57-Jährige informiert unter anderem Seniorengruppen über gängige Betrugsmaschen und gibt Seminare für Bank- und Sparkassenmitarbeiter, um im Verdachtsfall eines Betrugs am Kunden zu reagieren. Trickbetrug am Telefon ist nach wie vor eine beliebte Masche, erklärt sie. „Aber auch Trickdiebstahl an der Haustür oder sogenannte Schockanrufe hinterlassen einen großen finanziellen Schaden in Hamburg und große Verunsicherung sowie Scham bei den Opfern“, sagt Hannes.

MOPO: Welches Verhalten können Sie empfehlen, um nicht direkt ausgenommen zu werden?

Frauke Hannes: Besonders bei älteren Menschen wird die Möglichkeit, sie zu überrumpeln, knallhart ausgenutzt. Deshalb immer möglichst Ruhe bewahren und niemanden in die Wohnung lassen, der ohne Termin oder ohne Ausweis reinwill. Jeder echte Polizist hat einen Dienstausweis, auch Mitarbeiter der Wasserwerke, des Telefon- oder Stromanbieters müssen sich ausweisen können.

Welche verschiedenen Betrugsmaschen gibt es aktuell in Hamburg?

Große Sorgen bereitet uns der Telefonbetrug zum Nachteil älterer Menschen mit seinen unterschiedlichen Varianten wie der Schockanruf mit dem angeblich verursachten tödlichen Verkehrsunfall. Falsche Polizeibeamte bringen ihre Opfer auf perfide Art und Weise dazu, ihr gesamtes Vermögen zu übergeben, da kann es um sechs- bis siebenstellige Summen gehen.

Warum fallen so viele Menschen jedes Jahr auf derartigen Betrug herein?

Die Betrüger sind clever, teilweise richtig gut geschult. Außerdem sind viele Menschen verunsichert, wenn die angebliche Polizei am Hörer ist oder vor der Tür steht. Sie wollen nichts falsch machen. Aber grundsätzlich gilt: Die Polizei muss sich immer ausweisen können und sie verlangt nie Geld, vor allem keine Kaution wie bei Schockanrufen gefordert.

„Sofort auflegen und niemanden reinlassen, der sich nicht ausweisen kann“

Was raten Sie bei merkwürdigen Anrufen?

Sofort auflegen und die Polizei rufen! Am besten ist es, bei anonymen Anrufen oder ausländischen Nummern nicht ranzugehen. Telefonbetrüger sprechen nicht auf Anrufbeantworter. Die echte Polizei verlangt übrigens am Telefon keine Geheimhaltung zu einer angeblich laufenden Ermittlung.

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Wie sehen die Zahlen hinter diesen Verbrechen aus?

Mehr als 800 Versuche dieser Telefonbetrügereien wurden im laufenden Jahr bei der Hamburger Polizei gemeldet. Der Schaden liegt 2024 bei mehr als zwei Millionen Euro in Hamburg. Im Jahr 2022 betrug die Schadenssumme mehr als vier Millionen Euro bei rund 100 vollendeten Telefonbetrügereien. Und niemand weiß, wie hoch die Dunkelziffer ist. Also wie viele Versuche oder Vollendungen nicht angezeigt wurden.

Alle Präventionsmaßnahmen der Polizei sind auf der Webseite der Polizei Hamburg unter Präventionsmaßnahmen zusammengefasst.