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„Abends klingelt es häufig“: So wohnt es sich in einem ehemaligen Puff

In dem früher berüchtigten Bordellhaus an der Maxstraße wohnen jetzt ganz normale Mieter.
In dem früher berüchtigten Bordellhaus an der Maxstraße wohnen jetzt ganz normale Mieter.

Das unscheinbare Wohnhaus an der Maxstraße in Eilbek hat eine lebhafte Vergangenheit. Jahrelang arbeiteten dort Prostituierte rund um die Uhr, im Erdgeschoss war außerdem der Puff „Maxi-Club“. Wilde Zeiten damals, es gab Schießereien, Razzien und Messerstiche. Die Polizei rückte fast wöchentlich an. Einmal wurde der Betreiber vor dem Haus mit einer ferngezündeten Bombe in die Luft gejagt. Alles aus und vorbei. Seit einiger Zeit wohnen ganz normale Mieter in dem Haus. Und die haben viel zu erzählen.

„Die Vergangenheit des Hauses kannte ich nicht. Ich habe mich gewundert, dass sich Männer vor dem Haus einfanden, sobald ich das Licht einschaltete. Ich machte mich schlau und war erschrocken“, sagt Kunststudentin Jana K. (21, Name geändert) zur MOPO. Sie war froh, vor zwei Jahren zusammen mit ihrer Freundin eine für Hamburger Verhältnisse günstige Wohnung gefunden zu haben. 980 Euro Kaltmiete für zwei Zimmer mit rund 65 Quadratmetern. „Kurz nach Einzug war da aber nur noch ein Gedanke: schnell wieder raus hier.“ Ausgezogen sind sie bislang aber nicht.

Mindestens zweimal am Abend klingelte es an der Tür

Bewohner Steven J. (28) sieht es etwas lockerer. „Mir war bekannt, was das für ein Haus war. Weil es aber einige Zeit leer stand und danach saniert wurde, dachte ich mir, dass es sich auch bis zum letzten Freier herumgesprochen hatte, dass es hier keinen Sex mehr gibt.“ Ein Trugschluss, wie er später feststellte. In den ersten Wochen hat es mindestens zweimal am Abend geklingelt, berichtet er. Als der breitschultrige Gerüstbauer die Tür öffnete, suchten die liebeshungrigen Männer das Weite. „Heute kommt es nur noch selten vor“, sagt er.

Ehemals berüchtigtes Bordellhaus an der Maxstraße in Eilbek ist jetzt ein Wohnhaus. Mieter berichten
Fast jeden Monat gab es blutige Auseinandersetzungen vor und in dem Bordell, wie hier im Februar 2004.

Marko B. (29) hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Wenn abends meine Freundin nach Hause kam, wurde sie vor dem Hauseingang angesprochen.“ Schlimmer war es im Treppenhaus. „Da huschten männliche Gestalten die Treppen rauf und runter. Das hat in der Zwischenzeit aber stark nachgelassen, auch weil die Tür nun immer verschlossen ist.“ Das Paar bewohnt in dem Haus eine Drei-Zimmer-Wohnung und zahlt rund 1160 Euro kalt.

Freier landen heute im Hundesalon

Heutzutage verirrt sich laut Marko B. aber kaum noch ein Freier hierher. Die wenigen, die heute noch auftauchen, fühlen sich offenkundig von der Werbung eines im Keller befindlichen Hunde-Friseursalons angelockt. Draußen steht unübersehbar ein Schild mit dem Schriftzug „Dog Stylz“.

Ehemaliges Bordell in der Maxstraße in Eilbek ist jetzt ein normales Wohnhaus. Nur ein Werbeschild eines Hundesalon sorgt manchmal für Irritationen.
Dieses Werbeschild am Eingang des Hauses sorgt manchmal noch für Irritationen.

Dieses zweideutig zu verstehende Werbeschild macht Monika Molcjan (36) dafür verantwortlich, dass immer mal wieder der Glaube erweckt wird, dass der Puffbetrieb weiterläuft. Sie betreibt im Erdgeschoss des Hauses den Beautysalon „Glamour Shine“. Dort war früher der „Maxi-Club“ untergebracht. „Immer wieder mal kommt ein Herr rein und fragt durch die Blume, was Sex kostet. Ich mache ihm dann klar, dass es hier keinen Sex mehr gibt, empfehle ihm, aber einen Gutschein für eine Beautybehandlung für seine Frau zu kaufen. Nicht wenige machen dann Gebrauch davon. Eingelöst werden die aber nie.“

Früher war es berüchtest Bordell. Jetzt ist es ein Wohnhaus. So leben die Mieter dort
Monika Molcjan in ihrem Beautysalon im ehemaligen „Maxi Club“

Rückblende: In den 1990er und den folgenden Jahren war das Haus berühmt-berüchtigt. Bis zu 50 Prostituierte schafften hier an. Viele von ihnen hielten sich illegal in Deutschland auf. Es folgten unzählige Polizeirazzien, die Frauen wurden festgenommen und abgeschoben. Doch schnell waren neue Frauen da und das Geschäft lief weiter. Und das offenbar sehr gut.

Autobombenanschlag auf Puffbesitzer

Karl-Heinz „Kalli“ P., der das Haus von seinen Eltern geerbt und daraus ein Bordell gemacht hatte, beging 1998 einen verhängnisvollen Fehler. Er schlug das Übernahmeangebot ausländischer Zuhälter aus und bezahlte es fast mit dem Leben. Als er eines Abends in seinen vor dem Haus geparkten Land Rover stieg, explodierte eine Bombe. P. wurde schwerst verletzt und überlebte wie durch ein Wunder.

Ehemaliges Bordell ist jetzt Wohnhaus - noch immer klingelt es abends an den Türen der Mieter
Im Juli 1998 wurde Puffbesitzer Kalli P. Opfer eines Bombenattentats.

Aber auch danach wurde es nicht ruhiger rund um das Gebäude. Es gab Schießereien und Messerstechereien mit zahlreichen Schwerverletzten. Eine Prostituierte, die in einem der Appartements anschaffte, wurde tot in der nahegelegenen Wandse gefunden. Und zwischendurch immer wieder Razzien. 2002 reichte es der Polizei. Kalli P. wurde festgenommen, sein Haus konfisziert. Vorwurf: wiederholte Förderung der Prostitution und Beihilfe zum illegalen Aufenthalt.

früheres berüchtigtes Bordell ist jetzt Wohnhaus – Mieter berichten wie es sich dort lebt
Fast jeden Monat gab es Razzien in dem Bordellhaus, wie hier im Jahr 2007. Viele illegale Prostituierte wurden festgenommen.

Doch P. zog vor Gericht und gewann. Die Behörden mussten ihm sein Haus zurückgeben. Davon offenbar geläutert, vermietete P. die Appartements zwar weiterhin an Prostituierte, aber alles legal. Bis Ende 2019. Da verstarb der inzwischen 74-Jährige an Krebs. Seine damalige Frau versuchte die Geschäfte noch weiterzuführen. Ende 2021 verkaufte sie das Haus dann aber.

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Seither wohnen dort ganz normale Leute zur Miete. Die Lage des Hauses mit guten Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe und guten Verkehrsanbindungen ließ die Nachfrage steigen. Alle Wohnungen waren schnell vermietet. Das Haus war zuvor komplett saniert und die Wohnungen renoviert worden.

Das unscheinbare Wohnhaus an der Maxstraße in Eilbek hat eine lebhafte Vergangenheit. Jahrelang arbeiteten dort Prostituierte rund um die Uhr, im Erdgeschoss war außerdem der Puff „Maxi-Club“. Wilde Zeiten damals, es gab Schießereien, Razzien und Messerstiche. Die Polizei rückte fast wöchentlich an. Einmal wurde der Betreiber vor dem Haus mit einer ferngezündeten Bombe in die Luft gejagt. Alles aus und vorbei. Seit einiger Zeit wohnen ganz normale Mieter in dem Haus. Und die haben viel zu erzählen.