Polizei setzt Denkmalschutz durch: Der Kran bleibt!
Sie sind ein Wahrzeichen in Neuenfelde: die alten Kräne der Sietas-Werft. Am Samstagnachmittag ist die Polizei auf das Gelände der vor drei Jahren insolvent gegangenen ältesten Werft Deutschlands gerufen worden. Die Beamten stoppten Arbeiter, die dabei waren, die Geräte abzumontieren. Denn: Die Kräne stehen unter Denkmalschutz!
Laut Polizei-Lagedienst hatten besorgte Bürger die Beamten alarmiert, nachdem sie die Abbrucharbeiten beobachtet hatten. Um kurz nach 15 Uhr fuhr ein Streifenwagen auf das Werftgelände am Neuenfelder Fährdeich, um die Arbeiter zu bremsen. „Wir haben die Arbeiten eingefroren“, so ein Sprecher. Die genaue rechtliche Situation müsse am Montag geklärt werden.
Hamburgs älteste Werft ging vor drei Jahren pleite – nach 400 Jahren!
Hintergrund: Die zuletzt der russischen Pella Shipyards gehörende Sietas-Werft war 2021 in die Insolvenz gegangen. Seitdem werden alle Maschinen, Geräte, aber auch Gebäudeteile nach und nach durch den Insolvenzverwalter verkauft.
Nicht jedem gefällt das. Schließlich war die 1635 gegründete Sietas-Werft ein Stück altes Hamburg. Im vergangenen Jahr stellten die Harburger Bezirksfraktionen von SPD und Grünen deshalb den Antrag, zumindest die letzten verbliebenen fünf von ursprünglich 15 Kränen der Werft unter Denkmalschutz zu stellen. Darunter auch den weithin sichtbaren Jucho-Portalkran. Doch das Denkmalamt lehnte ab.
In der vergangenen Woche war das Thema noch einmal hochgekocht. Diesmal reagierte die Kulturbehörde und stellte die Kräne unter Denkmalschutz. Allerdings offenbar ohne den neuen Eigentümer zu informieren. Möglicherweise gibt es aber auch eine zeitliche Verzögerung beziehungsweise eine rechtliche Unklarheit. Denn neuer Eigentümer der Kräne ist nach MOPO-Informationen eine vietnamesische Handelsfirma, die wiederum eine Abbruchfirma mit dem Abbau und der Verschiffung der Kran-Teile beauftragt hat.
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Die grüne Bezirksabgeordnete Gudrun Schittek hat sich am Samstag vor Ort ein Bild von der Situation gemacht. Nach ihren Beobachtungen haben die Arbeiter sogar schon Schweißgeräte zum Einsatz gebracht und die Kräne damit beschädigt. „Wir sind maximal entsetzt. Durch das Eingreifen der Polizei konnte jetzt erstmal Schlimmstes verhindert werden. Es ist fünf nach 12!”, so die Politikerin.
Die Frage ist, welche Ansprüche die vietnamesische Firma nun durch das Einschreiten der Behörden noch hat. Am Montag soll die komplizierte Situation geklärt werden. Schittek: „Die Kulturbehörde muss dringend für Rechtssicherheit sorgen!”