„Politischer Meuchelmord“: Rebellische AfD-Politikerin will riesige Summe von Partei

Frau mit halblangen Haare
Die AfD-Politikerin Iris Vobbe legt sich mit ihrer Partei an.

Der Streit zwischen der Wandsbeker Zollbeamtin und AfD-Abgeordneten Iris Vobbe und dem Landesverband eskaliert: Ihr Anwalt zieht vor ein Parteigericht und verlangt Hunderttausende Euro für seine Mandantin. In dem Streit geht es um entgangene Diäten, alte Nacktbilder, die immer extremere Ausrichtung der AfD und „politischen Meuchelmord“ von Parteimachos – so jedenfalls der Anwalt Corvin Fischer, der auch schon Jürgen Rieger und Ronald Schill vertrat. Iris Vobbe selbst spricht von einer Intrige.

„Ich hatte sehr gute Aussichten, den Wahlkreis 12 direkt zu gewinnen für die AfD“, sagt Iris Vobbe im Gespräch mit der MOPO. In Farmsen-Berne-Bramfeld ist die AfD stark, schon bei den Bezirkswahlen zog die Zollbeamtin zwei Mal direkt in die Bezirksversammlung ein. Dass der Wahlkreis nun ohne eine Direktkandidatin dastehe, liege am Landesverband, der die Liste mit ihr als Spitzenkandidatin einfach nicht zum Landeswahlleiter schickte.

Im Hintergrund, so die Zollbeamtin, stehe ein AfD-Mitglied, mit dem sie sich zunächst gut verstanden habe. „Der Ärger begann, als ich einen neuen Partner hatte“, so Vobbe. „Da hat der Mann gedroht, meinen Freund wegen Körperverletzung anzuzeigen.“ Sie habe den Mann ihrerseits wegen Nachstellung angezeigt: „Zu meiner Überraschung erfuhr ich beim LKA, dass er bereits seit Jahren als Gefährder geführt wird.“

Iris Vobbe vermutet eine Intrige

Viel Ärger, den die Partei vor der Wahl nicht gebrauchen kann, so habe Parteichef Dirk Nockemann durchblicken lassen und ihr den Verzicht auf den Spitzenplatz nahegelegt. Vobbe selbst wittert eher eine Intrige: „Ich gehöre ins liberale Lager, ich bin keine, die ,Ausländer raus‘ schreit und bin mit der Richtung, die die Partei derzeit nimmt, nicht happy.“ Vieles sieht sie anders als die Fraktionskollegen, eckt etwa mit der Forderung nach einem Böllerverbot an: „Da werde ich dann auch mal gefragt, ob ich nicht zu den Grünen will.“

Ihr Verdacht: Wenn sie einen direkten Sitz in der Bürgerschaft für die AfD holt, rücken weniger von der Liste nach – und statt ihr will die Bürgerschaftsfraktion lieber Leute haben, die besser auf Linie sind: „Ich lasse mich nicht lenken, ich verfolge meine eigenen Ziele, das spielt sicher eine Rolle.“ Es geht aber auch im Geld: Die Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft sind zwar die Billigheimer unter den deutschen Landesparlamentariern, aber immerhin 4450 Euro im Monat bekommt man auch in Hamburg.

Vielleicht wäre Vobbe sogar stellvertretende Fraktionschefin geworden und hätte jeden Monat die doppelte Summe kassiert! Aber die mächtigen Männer im Landesverband hätten ihr den Zugang zu diesem Geldregen (den sie zusätzlich zu ihrem Sold als freigestellte Zollbeamtin bekommen hätte) verwehrt – aus „irrer Frauenfeindlichkeit“, wie der Anwalt im Gespräch mit der MOPO mutmaßt.

Klage vor dem AfD-Gericht

Corvin Fischer zieht deshalb für seine Mandantin vor das Landesschiedsgericht der AfD und verlangt als Ausgleich für die entgangenen Diäten mehrere hunderttausend Euro von der Hamburger AfD. Der Vorstand um Dirk Nockemann hingegen sagt: Es gebe bei einer Person auf der Liste „Anhaltspunkte für die mögliche Begehung einer Straftat“.

Laut Anwalt Corvin Fischer soll es sich dabei um seine Mandantin handeln, die für jemand anderen unterschrieben hat, im Zusammenhang mit dem Vertrieb eines bekannten Küchengerätes. „Die Anschuldigung kommt von dem Mann, der auch behauptet, mein Freund hätte ihn geschlagen“, so Vobbes Darstellung.

Corvin Fischer erklärt, die AfD Hamburg könne neben den entgangenen Diäten auch gleich noch mal Schadenersatz wegen Rufmordes drauflegen, das sei alles „politischer Meuchelmord“.

Nacktbilder regten Dienstherrn der Beamtin auf

Der Anwalt hat Iris Vobbe („meine Mandantin ist eine sehr selbstbewusste Frau, ich kann es nicht ändern“) bereits 2001 in dem „Nacktbild-Verfahren“ vor dem Bundesdisziplinargericht vertreten. Damals ging es um Oben-ohne-Fotos, die die junge Zollbeamtin für die „Bild“-Zeitung gemacht hatte und die den Dienstherrn aufregten. „Ich habe erreicht, dass der Verweis aufgehoben wurde“, so Fischer. Ähnlich siegessicher geht er in den Clinch mit dem AfD-Landesverband: „Wenn das nicht vor der Wahl geklärt wird, werden wir die gesamte Bürgerschaftswahl anfechten.“

Das könnte Sie auch interessieren: Erwiesen rechtsextremistisch: AfD trennt sich formal von Junger Alternative

Fischer verteidigte vor Jahrzehnten den verstorbenen Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger und vertrat 2007 auch Ronald Schill. Gegen den Ruf „ein rechter Anwalt“ zu sein, verwehrt der Ex-FDP-Politiker sich: „Ich hab auch schon Leute von der SPD und der CDU vertreten.“ Der AfD-Landesverband erklärte auf MOPO-Nachfrage, dass es zu dem Rechtsstreit mit Iris Vobbe keine Stellungnahme gebe.