Politiker, Manager, Richter: Hamburg trauert um Martin Willich
Der ehemalige Hamburger Bürgerschaftspräsident, Medienmanager und Verfassungsrichter Martin Willich ist gestorben. Ohne ihn „wäre Studio Hamburg heute nicht, was es ist“, sagte sein Nachfolger Johannes Züll über den langjährigen Vorsitzenden. Im Rathaus wird ab Freitag ein Kondolenzbuch ausliegen und die Trauerflaggen werden gehisst.
Willich verstarb am Montag, 12. Januar, im Alter von 80 Jahren. „Mit seinem unverwechselbaren Charisma, seinem Humor, strategischem Weitblick und taktischem Geschick hat er unser Unternehmen, das Gelände und das öffentliche Leben in Hamburg nachhaltig geprägt“, heißt es in einer Mitteilung von Studio Hamburg, das Willich von 1984 bis 2011 als Vorsitzender der Geschäftsführung leitete. Seit 2007 produziert die Firma unter anderem die Talkshow „Anne Will“.
Ehemaliger CDU-Politiker und Verfassungsrichter gestorben
Seit 1965 war Willich Mitglied der CDU und saß von 1970 bis 1974 für die Partei in der Bezirksversammlung Wandsbek, anschließend bis 1995 in der Hamburgischen Bürgerschaft. Dort war der Jurist unter anderem im Rechts-, Innen- und Verfassungsausschuss tätig. In den Jahren 1986 und 1987 übernahm er das Amt des Bürgerschaftspräsidenten. 2005 wurde er auf Vorschlag der CDU von der Bürgerschaft ins Hamburgische Verfassungsgericht gewählt.
„Rund 60 Jahre war er seiner CDU treu, davon prägte er 20 Jahre lang nicht nur Parlament und Rathaus aktiv mit seinem unermüdlichen Engagement und seiner klaren Haltung zur Demokratie, sondern trug auch unsere Demokratie in die Stadt“, sagt die aktuelle Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit. „Er setzte sich für ein realistisches und bodenständiges Mandat ein: Er war überzeugter Anhänger unseres damaligen Feierabendparlaments und warb im sonst hitzigen Alltag für mehr Sachlichkeit im politischen Diskurs. Der geborene Erfurter hat hier im Norden in der ihm so eigenen kreativen, humorvollen Art für seine wichtigsten Werte eingestanden: Freiheit und Unabhängigkeit. Das hat er auch als Leiter eines der wichtigsten Medienunternehmen der Hansestadt bewiesen.“
Hamburger CDU trauert um ehemalige Partei-Größe
„Mit ihm verlieren wir einen klugen, verlässlichen und zutiefst engagierten Christdemokraten, der über Jahrzehnte hinweg die Arbeit unserer Fraktion und die politische Kultur in Hamburg geprägt hat“, ergänzt Hamburgs CDU-Chef Dennis Thering. „Dr. Willich verband juristische Präzision mit menschlicher Wärme, politischer Erfahrung und einem feinen Gespür für Menschen in unserer Stadt.“
Die Bürgerschaft gedenkt ihm am heutigen Mittwoch mit einer Schweigeminute zu Beginn der Sitzung. Bürgerinnen und Bürger haben ab Freitag, 16. Januar, um 13 Uhr, die Möglichkeit, sich im Hamburger Rathaus in ein Kondolenzbuch einzutragen. Willich hinterlässt seine Ehefrau und zwei Töchter. (aba)
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