Trump, AfD und Co.: Was ist denn daran noch witzig, Herr Schroeder?!

Kabarettist, Autor, Moderator: Florian Schroeder
Kabarettist, Autor, Moderator: Florian Schroeder.

Humor in Zeiten des Demokratie-Niedergangs: Comedian Florian Schroeder über fragile Autokraten, Parodien, Charlie Chaplin und eine Zerreißprobe für die Satire. Wie Lachen vor politischer Verführung schützt.

MOPO: Ich habe neulich die verstörende Pressekonferenz mit Trump und Selenskyj im Oval Office gesehen, danach eine Parodie über das Ganze bei „Saturday Night Live“. Handwerklich war die gut, aber ich konnte über die Zurschaustellung von Trumps Skrupellosigkeit nicht mehr lachen. Ging Ihnen das auch schon mal so?

Florian Schroeder: Ich habe da immer zwei Perspektiven. Die eine ist die des Satirikers – ich muss auch in der größten Malaise den Witz suchen. Die andere ist eine sehr reale Besorgnis darüber, wie sich das autokratische Virus global ausbreitet – und das ganz ohne Impfstoff. Selbst wenn es einen gäbe, scheint ihn niemand zu wollen. In den USA sieht man das besonders deutlich: Was Trump sagt und tut, wurde bis zu den Ereignissen in Los Angeles mit erstaunlicher Gleichgültigkeit hingenommen.

Verharmlost so eine Parodie Trumps Verhalten nicht eher?

Das hängt ganz davon ab, wie die Parodie gemacht ist. Ich kann jemanden in seiner Gefährlichkeit entlarven oder einfach lächerlich machen. Beides ist legitim – aber gerade bei einer Figur wie Trump ist der satirische Umgang immer eine Gratwanderung. Er produziert in solcher Geschwindigkeit absurde Schlagzeilen, dass Satire fast nicht hinterherkommt, ohne selbst getrieben zu wirken. Ich versuche, das deshalb eher analytisch anzugehen: Warum ist dieser Mann so beliebt? Auf welche Fragen scheint er eine Antwort zu sein – nicht zu geben wohlgemerkt. Warum knicken selbst Elite-Unis wie Columbia ein, obwohl sie über Milliarden und Heerscharen von Juristen verfügen? Das sind die Fragen, mit denen sich Satire jenseits des schnellen Gags beschäftigen kann.

Verstörende Szenen im Oval Office: Trump und sein Vize JD Vance kanzeln ihren Gast Selenskyi vor laufenden Kameras ab.
Verstörende Szenen im Oval Office: Trump und sein Vize JD Vance kanzeln ihren Gast Selenskyi vor laufenden Kameras ab.

Wenn wir auf Elon Musk schauen – auch da hat man das Gefühl: Wie soll man das noch satirisch überhöhen, wenn die Realität schon so absurd ist?

Genau. Der Weg führt über eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Figur. Man muss Abstand gewinnen, um reflektiert damit umgehen zu können. Trump und Musk sind in gewisser Weise Clowns – aber sehr gefährliche. Denn sie meinen es ernst. Ich halte Musk übrigens für den noch Unberechenbareren von beiden. Trumps Ideologie ist hinter dem alltäglichen Chaos sehr leicht zu dechiffrieren – ein in seinen Überzeugungen sehr berechenbarer autoritärer Nationalismus alter Schule. Musk ist da anders. Man darf ja nicht vergessen: Bis vor Corona war er überzeugter Demokrat. Und die Konvertiten sind ja oft die schlimmeren Fundamentalisten.

Und das spricht viele Menschen offenbar an.

Absolut. Es gibt Menschen, die weit weg sind von jeder Autokraten-Faszination, aber die trotzdem sagen: „So ganz unrecht hat er ja nicht – diese Bürokratie ist wirklich lähmend.“ Ich spiele in meinem neuen Programm „Endlich glücklich“ eine Figur, die am Ende selbst autokratische Fantasien entwickelt – und zwar aus dem Gefühl der Beschämung heraus, das viele Menschen heute empfinden. Und ich bin überzeugt: Die Zivilisationsdecke ist dünner, als wir glauben. Es braucht nur ein paar Trigger oder andere Schockmomente, und plötzlich ist fast jeder in der Lage, mit einem Trump zu sympathisieren.

Ich hatte neulich genau so ein Gespräch mit einem Freund, Unternehmer, der meinte: „Also, bei dem Bürokratieabbau hat Musk aber recht.“ Und ich dachte: Moment mal, das klingt ja wie die Sache mit der Autobahn …

Wir leben seit Jahrzehnten im Westen in einer Kultur, die dem Einzelnen volle Verantwortung zuschreibt – übrigens auch für das, was seine Möglichkeiten übersteigt. Selbstermächtigung als höchstes Ziel. Du sollst gesund, glücklich, erfolgreich, optimiert sein. Es gibt keine höheren Mächte mehr. Und wenn dann jemand kommt und sagt: „Ich hab das Geld, ich hab die Macht – ich hau alles kaputt“ – dann ist das nur die logische Konsequenz dieser Ideologie. Musk ist das Produkt dieses Denkens. Und viele sehen das – bewusst oder unbewusst – als Verwirklichung eines tief verinnerlichten Traums.

MOPO: Und dann steht man als Satiriker vor dem Dilemma: Kriegt man das subversiv zu fassen oder reicht es nur für seichte Ablenkung?

Beides hat seine Berechtigung. Schön, wenn Satire subversiv ist – aber es darf auch schlicht befreiend sein, einfach über eine Figur zu lachen. Gerade Autokraten leben von ihrer Aura. Wenn man sie lächerlich macht, nimmt man ihnen ein Stück dieses falschen Glanzes. Lachen entzaubert. Und das ist eine Form von Widerstand. Wichtig ist nur, sich nicht lähmen zu lassen vom Gefühl, man dürfe nicht lachen, weil alles so ernst ist. Man darf. Man muss sogar.

Da schwingt ein bisschen Charlie Chaplin mit?

Absolut. Chaplin hat das meisterhaft beherrscht. Er hat Hitler nicht verharmlost – im Gegenteil. Er hat ihn in seiner Lächerlichkeit bloßgestellt. Und das ist oft die stärkste Waffe gegen Machtmenschen, die innerlich oft sehr verunsichert sind. Trump etwa muss ständig hofiert werden. Warum? Weil er selbst nicht sicher ist, wer er ist. Deswegen will er die Welt nach seinen Vorstellungen formen – das ist letztlich nur ein Spiegel innerer Leere.

Charlie Chaplin in seiner legendären Rolle als „Großer Diktator“ (1940)
Charlie Chaplin in seiner legendären Rolle als „Großer Diktator“ (1940)

Auch das spiegelt eine Gesellschaft, die sich ständig selbst optimieren muss?

Exakt. Wenn ich ständig das Gefühl habe, ich genüge nicht, dann ist da ein Typ wie Trump, der dieses Gefühl in Macht ummünzt – das ist für viele ein Erweckungserlebnis. Zudem tut er das in einer Zeit, in der Demokratie oft als langsam, mühsam und unentschlossen empfunden wird. Da ist jemand, der „einfach macht“. Und das wirkt.

Es gibt eine große Sehnsucht nach den „einfachen Lösungen“ …

Der Erfolg von Trump, Putin oder anderen Autokraten speist sich nicht nur aus ihren Inhalten – oft sind die ja zutiefst widersprüchlich und schädlich für die, von denen sie gewählt werden. Entscheidend ist vielmehr der Gestus der Entschlossenheit. „Es wird entschieden“, das allein zählt. Das nannte der Staatsrechtler Carl Schmitt „Dezisionismus“: Nicht das Warum einer Entscheidung zählt, sondern DASS entschieden wird. Dieser Eindruck – es passiert endlich etwas – reicht oft schon aus.

Für den humoresken Umgang mit der AfD gelten ähnliche Regeln?

Ich denke ja. Man muss sie aufs Korn nehmen und das geschieht ja auch umfangreich. Manche zögern, aus Angst, sie dadurch aufzuwerten. Ich sehe das nicht so. Die AfD sendet auf allen Kanälen – und das zum Teil sehr erfolgreich. Wir sollten zurücksenden.

Was empfehlen Sie für das persönliche Seelenheil in diesen oftmals eher freudlosen Zeiten?

Nicht in die apokalyptische Spirale kippen. Klar, man darf die Realität nicht schönreden. Aber man sollte sich nicht von diesem Dauerlamento vereinnahmen lassen – vom Untergangs-Geschrei, das vor allem die Populisten anstimmen. Sie predigen: Alles ist verloren, wir sind die Letzten, die uns retten können. Aber genau das ist die Lüge. Denn am Ende retten sie nur sich selbst.

Vom 26. bis zum 28.6. tritt Florian Schroeder in Alma Hoppes Lustspielhaus auf. (ab 24,35 Euro)