Ties Rabes Abschiedsparty ist „ein wenig eskaliert“
In der Regel erhalten Hamburgs Senatoren zum Abschied einen Blumenstrauß und gute Wünsche. Nicht so Ties Rabe (63), Schulsenator a. D.. Was am Mittwoch im Rathaus stattfand, glich fast einem Staatsakt. 350 ausgewählte Gäste kamen im Großen Festsaal zusammen, darunter die Bundesbildungsministerin und der Kanzleramtschef – beinahe wäre sogar der Kanzler dabei gewesen. Mit so viel Aufwand wurde wohl nie ein Senator in den Ruhestand entlassen – und das hat seine Gründe.
Die Veranstaltung sei „ein wenig eskaliert“, wandte sich Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) humorig an Rabe. „Es war eigentlich eine gesellige kleine Zusammenkunft in einem Nebenraum geplant.“
Tschentscher charakterisierte ihn als „hochpolitischen Kopf“, der sich gern an Fakten orientiert. „Die Schulwelt liebt den Widerspruch, deshalb ist es nicht so leicht, in diesem Ressort erfolgreich zu sein, aber du hast das hervorragend hinbekommen.“
Abschied von Ties Rabe: vom „Nebenraum” in den Festsaal
Ties Rabe war im Januar plötzlich zurückgetreten und hatte erklärt, mehr auf seine Gesundheit achten zu wollen. Tschentscher verabschiedete ihn kurz darauf öffentlich mit Blumen und Dankesworten, stellte seine Nachfolgerin Ksenija Bekeris (SPD) vor. Damit hätte das Kapitel enden können.
Von den Senatoren, die zuletzt ihren Hut nahmen, wie Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) oder Bausenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD), bekam keiner einen Gala-Abend. Dann meldeten sich Politiker und Wegbegleiter aus der gesamten Republik mit dem Wunsch, Rabe persönlich zu verabschieden. Aus dem geselligen Beisammensein im „Nebenraum” wurde ein Empfang im Festsaal des Rathauses.
Deutschlands dienstältester Kultusminister
„So sieht es aus, wenn Ties Rabe einlädt“, sagte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). Der ehemalige Schulsenator habe Größe bewiesen mit seinem Rücktritt. 13 Jahre lang hielt Rabe dieses Ruder in der Hand, ließ sich trotz harter Kritik nie vom Kurs abbringen, zuerst unter Olaf Scholz, dann unter Tschentscher.
Stur nannten ihn die einen, durchsetzungsstark die anderen. Ein Liebhaber von harten Fakten und Excel-Tabellen, der auch im Strandurlaub Pisa-Studien wälzt. Rabes Bekanntheit nannte Stark-Watzinger das Ergebnis von „großem persönlichen Einsatz, Ausdauer und markigen Worten.“
Seine Amtszeit macht den 63-jährigen nun zu Hamburgs dienstältestem Senator und Deutschlands dienstältestem Kultusminister. Als Koordinator für Bildung und Wissenschaft der SPD-regierten Bildungsministerien der Länder galt Rabe seit 2015 auch in Berlin als starke Stimme. So waren an diesem Abend auch Kultusminister anderer Länder erschienen – mit und ohne SPD-Parteibuch.
Scholz: Hamburg und Deutschland hat ihm viel zu verdanken
Dass Kanzler Scholz nicht persönlich dabei war, lag nach MOPO-Informationen ausschließlich an seinem Termin beim US-Präsidenten. Stellvertretend schickte er Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt.
Als „Postbote” las der aus einem Scholz-Brief vor. „Jedes Kind, dass heute in Hamburg zur Schule geht, kann darauf vertrauen gesehen zu werden“, so Scholz Worte. Und legte noch einen drauf: „Nicht nur die Hansestadt hat dir viel zu verdanken, sondern ganz Deutschland.“
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Rabe selbst erzählte einige Anekdoten aus seiner eigenen Schulzeit, etwa, wie er schon in der dritten Klasse seinen Religionslehrer verbesserte. Zuletzt bedankte er sich ausführlich: „Ich werde Sie alle vermissen und ich bin dankbar für 13 glückliche Jahre, in denen ich gemeinsam mit Ihnen – nicht allein – das Hamburger Schulsystem weiterentwickeln durfte.” Stehende Ovationen. Rabe geht gerührt ab. Diesmal endgültig.