Trauernde legen Kerzen und Blumen am U-Bahnhof Wandsbek Markt ab. Am Donnerstag hatte ein 25-Jähriger eine 18-Jährige in den Tod gerissen, als er sich vor eine einfahrende U-Bahn warf.

Trauernde legen Kerzen und Blumen am U-Bahnhof Wandsbek Markt ab. Am Donnerstag hatte ein 25-Jähriger eine 18-Jährige in den Tod gerissen, als er sich vor eine einfahrende U-Bahn warf. Foto: dpa

Streit nach U-Bahn-Mord: SPD kritisiert CDU scharf – die schießt zurück

kommentar icon
arrow down

Ariop A. (25✝) stürzte sich an der Station Wandsbek Markt vor einen einfahrenden Zug – und riss die 18-jährige Fatemeh Z. mit in den Tod. Die SPD fordert, die Hintergründe der Tat weiter aufzuklären, und kritisiert die Äußerungen von CDU-Chef Dennis Thering scharf. Wenig später schießt dessen Partei zurück.

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Ariop A. eingestellt. Der Täter ist tot – vieles wird sich nie vollständig klären lassen. Die SPD fordert dennoch: Es müsse aufgearbeitet werden, wie es zu der Tat kommen konnte.

SPD fordert weitere Aufklärung der Tat am Wandsbek Markt

„Es besteht ein berechtigtes öffentliches Interesse daran, dass die Hintergründe der Tat weiter intensiv aufgeklärt werden“, sagt Fraktionsvorsitzender Dirk Kienscherf. Nur mit einer ausreichenden Faktengrundlage könne eine verantwortungsvolle politische Debatte geführt werden. „Wer wie CDU-Fraktionschef Thering mit gefährlichem Halbwissen und pauschalen Vorwürfen Ängste, Ressentiments schürt, wird seiner politischen Verantwortung jedenfalls nicht gerecht“, kritisiert Kienscherf.



Thering hatte zuvor erklärt: „Wäre das von SPD, Grünen und FDP ausgeweitete Resettlement-Programm nicht gewesen, wäre der Täter nicht nach Deutschland und damit nicht nach Hamburg gekommen.” Seine Schlussfolgerung: „Die junge Frau wäre heute noch am Leben.“ 

Mit 12 Jahren soll Ariop A. alleine aus dem Südsudan nach Kenia geflohen sein. Im Juni 2024 war der Mann dann über ein spezielles Programm aus einem Flüchtlingslager in Kenia nach Hamburg geholt worden und erhielt einen Aufenthaltstitel – ohne klassisches Asylverfahren.

Eine Stunde später: CDU reagiert auf SPD-Vorwurf

Genau eine Stunde vergeht, dann reagiert Therings Parteikollege Dennis Gladiator auf den Vorwurf von Kienscherf: „Die SPD versucht mit ihrer heutigen Erklärung, von der eigenen politischen Verantwortung abzulenken.“ Die Fakten würden seit Tagen auf dem Tisch liegen: Ohne das Resettlement-Programm der Ampelregierung wäre Ariop A. nie nach Hamburg gekommen.

Es sei richtig gewesen, dass die CDU-geführte Bundesregierung das Programm im Mai 2025 beendet hat, sagt Gladiator. Dass die SPD auch auf Bundesebene mitregiert, erwähnt er nicht.

Ariop A. fiel zwar mehrfach auf, war aber nicht vorbestraft

„Statt andere zu attackieren, sollte die SPD-Fraktion endlich anerkennen, dass es ihre eigene Politik war, die diese Entwicklungen ermöglicht hat“, sagt Gladiator. Selbst Bürgermeister Peter Tschentscher habe über seinen Senatssprecher einräumen lassen, dass er nach dem gewaltsamen Tod der jungen Frau für die Abschiebung gefährlicher Flüchtlinge ist – und damit der bisherigen Migrationspolitik seiner eigenen Partei widersprochen.

Der Fall verdeutliche „die Dringlichkeit rechtlicher Regelungen zur Rückführung von Flüchtlingen, die zu einem Risiko für die Sicherheit werden“, ließ Tschentscher mitteilen. Ariop A. war wegen seines Verhaltens mehrfach aus Flüchtlingsunterkünften geflogen.

Das könnte Sie auch interessieren: Das merkwürdige Gebaren der Politik beim U-Bahn-Mord

Zuletzt wurde die Polizei zwei Tage vor der Tat in ein Bordell gerufen, weil der 25-Jährige dort randaliert hatte. Vorbestraft war Ariop A. allerdings nicht.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test