Ständig Streit um die Moorweide: Jetzt greift die Stadt endgültig durch

Der Circus Roncalli auf der Moorweide in Hamburg (Archivbild von 2019).
Der Circus Roncalli auf der Moorweide in Hamburg (Archivbild von 2019).

Der rot-grüne Senat will offensichtlich einen Schlussstrich unter den Streit um die Nutzung der Moorweide ziehen. Seit sechs Jahren zofft sich die Eimsbütteler Politik um die Wiese in Rotherbaum. Eine Folge: Der „Circus Roncalli“ gastiert dieses Jahr nicht in Hamburg und geht stattdessen nach Lübeck. Jetzt hat es die Moorweide sogar in den neuen Koalitionsvertrag von SPD und Grünen geschafft – mit einer deutlichen Ansage.

Rot-Grün will der Bezirkspolitik in Eimsbüttel die Zuständigkeit für die Moorweide entziehen und sie an die Wirtschaftsbehörde übergeben. Der Senat darf nämlich mittels einer sogenannten Evokation bezirkliche Projekte an sich ziehen, wenn sie eine Bedeutung für die gesamte Stadt haben. Zuletzt geschah das beim Projekt Oberbillwerder im Bezirk Bergedorf.

Die Wirtschaftsbehörde soll „ein strukturiertes Nutzungskonzept entwickeln und umsetzen”, das „eine nachhaltige Sondernutzung der Kleinen und Großen Moorweide durch öffentliche Veranstaltungen ermöglicht und dabei sowohl den ökologischen Schutz der Grünfläche gewährleistet als auch seiner Bedeutung als Naherholungsfläche Rechnung trägt”, steht im Koalitionsvertrag. Wie von verschiedenen Seiten zu hören ist, soll das Thema Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ein Anliegen gewesen sein.

Zoff um die Moorweide: Kehrt „Roncalli“ jetzt zurück?

Auf der Moorweide gastierten der „Circus Roncalli“ und die Show „Palazzo“ von TV-Köchin Cornelia Poletto. Außerdem trafen sich tausende Blechbläser am Deutschen Posaunentag. Allerdings litt immer wieder der Rasen unter den zahlreichen Besuchern und aufgestellten Zelten.

Posaunentag
Beim Deutschen Posaunentag trafen sich 2024 rund 15.000 Blechbläser auf der Moorweide in Hamburg (Archivbild).

Alle Fraktionen in Eimsbüttel waren sich zuletzt einig, dass sie die Moorweide, die auch unter Gartendenkmalschutz steht, schützen wollen. Eigentlich hatten die Mehrheiten von CDU und Grünen im Bezirk 2020 beschlossen, dass daher dort keine kommerziellen Veranstaltungen mehr stattfinden dürfen. Doch dann zerbrach die Koalition und es gab Streit um die Wiese.

Schon einmal schritt der rot-grüne Senat ein und genehmigte ein Gastspiel für den „Circus Roncalli“ – das kam bei einigen Fraktionen im Bezirk nicht gut an. Auch jetzt herrscht Enttäuschung bei der CDU und Zwiespalt bei den Grünen.

Bezirk Eimsbüttel: Einigung bei CDU und Grünen

Gemeinsam hatten sie in dieser Woche einen Antrag in der Bezirksversammlung Eimsbüttel eingereicht, der sogar einen ähnlichen Wortlaut wie die Passage im Koalitionsvertrag hat. Darin fordern sie das Bezirksamt auf, ein „strukturiertes Nutzungskonzept zu entwickeln, welches zukünftig eine nachhaltige Sondernutzung der Großen Moorweide durch öffentliche Veranstaltungen ermöglicht und dabei den ökologischen Schutz der Grünfläche gewährleistet, als auch seiner Bedeutung als Naherholungsfläche und Ort mit historischem Hintergrund Rechnung trägt“.

Mit den Stimmen von Volt hätte der Antrag sogar eine Mehrheit gehabt, doch nun ist er hinfällig. „Der Bezirk wird entmündigt“, kritisiert Sascha Greshake von der CDU-Fraktion. Bei den Grünen ist man im Bezirk einerseits froh, dass das Thema nicht mehr für Streit sorgen kann, andererseits enttäuscht über die Entscheidung für eine bislang zeitlich unbestimmte Sondernutzung.

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Anders sieht es Gabor Gottlieb, SPD-Fraktionschef in Eimsbüttel: „Der jahrelange Hickhack war belastend und der Senat musste bereits eingreifen. Insofern ist es konsequent, dass die Stadt jetzt Verantwortung übernimmt, die Nutzung für alle möglich macht und endlich Planungssicherheit schafft.“

Der rot-grüne Senat will offensichtlich einen Schlussstrich unter den Streit um die Nutzung der Moorweide ziehen. Seit sechs Jahren zofft sich die Eimsbütteler Politik um die Wiese in Rotherbaum. Eine Folge: Der „Circus Roncalli“ gastiert dieses Jahr nicht in Hamburg und geht stattdessen nach Lübeck. Jetzt hat es die Moorweide sogar in den neuen Koalitionsvertrag von SPD und Grünen geschafft – mit einer deutlichen Ansage.