„So schlimm war’s noch nie“: Hakenkreuze und geklaute Wahlplakate in ganz Hamburg

Das Plakat der Lokalpolitikerin Dafina Berisha, beschmiert mit einem Hakenkreuz
In Schnelsen wurden die Plakate von mehreren Lokalpolitikerinnen – hier Dafina Berisha von der SPD – beschmiert und zerstört.

Lokalpolitikerinnen berichten von massiven Beschädigungen ihrer Wahlplakate im Stadtteil Schnelsen. Teilweise verschwinden neubefestigte Plakate mysteriös über Nacht. Andere Wahlplakate werden mit verfassungsfeindlichen Symbolen beschmiert. Es könnte aber noch schlimmer werden.

„So schlimm war’s noch nie“, beklagt Silke Seif. Die gelernte Kauffrau tritt für die CDU im Wahlkreis 7 (Lokstedt – Niendorf – Schnelsen) als Direktkandidatin für die Bürgerschaft an. Erst vor kurzem wurden knapp 150 ihrer Veranstaltungsplakate über Nacht entfernt. Aus den vergangenen Wahlkämpfen sei sie schon so einiges gewohnt. Mal wurde auf einem Wahlplakat der Kopf durchgetreten, oder das Schild wurde gedreht. So etwas habe sie bisher aber noch nie erlebt.

Gesichter mit Hakenkreuzen beschmiert, Wahlplakate zerrissen

Damit ist sie nicht allein. Dafina Berisha kandidiert für die SPD im Wahlkreis 7 auf Listenplatz 2. Die Studentin und Co-Landesvorsitzende der Hamburger Jusos veröffentlichte auf Instagram ein Video von einem ihrer Wahlplakate, auf dem jemand ein Hakenkreuz auf ihre Stirn gemalt hat.

Auf Nachfrage der MOPO bestätigt sie: „Leider sind auch meine Wahlplakate in Schnelsen mehrfach betroffen gewesen. Es kam zu Beschädigungen durch mutwilliges Zerreißen sowie Schmierereien mit verfassungsfeindlichen Symbolen, wie dem Hakenkreuz auf meine Stirn.“ Angesichts der Schwere der Vorfälle habe auch sie Anzeige erstattet.

Von den schäbigen Aktionen will sie sich nicht entmutigen lassen: „Im Gegenteil, sie bestärken mich in meinem Engagement für eine demokratische und offene Gesellschaft, in der kein Platz für Hass und Rechtsextremismus ist.“

Polizei ermittelt mit Staatsschutz zu den Fällen

Die Polizei bestätigt auf Anfrage Strafanzeigen wegen gestohlener oder beschädigter Wahlplakate verschiedener Parteien, die vom polizeilichen Staatsschutz bearbeitet werden. Konkret geht es um einen Fall vom 14. Januar, bei dem ein Unbekannter zwei Wahlplakate gewaltsam von einem Laternenmast riss. Der 50-jährige deutsche Staatsangehörige wurde mangels Haftgründen vor Ort wieder entlassen. Die Ermittlungen in allen anderen Fällen dauern an.

Ab Freitag große Plakatflut: Wird es noch schlimmer?

Ab dem kommenden Freitag beginnt in Hamburg die „Vorwahlzeit“. Dann dürfen Parteien nicht nur für politische Veranstaltungen werben, sondern auf öffentlichen Wegen mit Werbeträgern politische Werbung schalten. Es wird also wieder jede Menge politische Plakatwerbung im öffentlichen Raum geben. Silke Seif hat Respekt davor. Sie fühlt sich manchmal „hilflos“ gegen den Vandalismus, will aber auf keinen Fall aufgeben. Wer hinter den beiden Aktionen steckt und ob es dieselben Täter sind, bleibt offen.