Hamburg
Schluss mit der Männerdominanz: Eimsbüttel bringt mehr Frauen ins Stadtbild
86 Prozent der nach Personen benannten Straßen in Hamburg sind nach Männern benannt. Der Bezirk Eimsbüttel will das ändern – mit einem cleveren Trick.
Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, heißt es so schön im Volksmund. Nur: Im Hamburger Stadtbild ist das nicht abgebildet. 86 Prozent der nach Personen benannten Straßen sind nach Männern benannt, nur 14 Prozent nach Frauen. Die Fraktionen von SPD und Grünen in Eimsbüttel wollen diese Quote nun erhöhen.
In einem gemeinsamen Antrag für die kommende Bezirksversammlung schlagen Ernst Christian Schütt (SPD) und Nina Joana Schübel (Grüne) vor, dass bei der Benennung neuer Verkehrsflächen bevorzugt bedeutende Frauen gewürdigt werden sollen.
Eimsbütteler Politiker wollen zwei Namensgeber auf einem Schild ehren
Doch damit nicht genug: Um die Verweiblichung noch schneller voranzutreiben, sollen auch bestehende Straßennamen unter die Lupe genommen werden. Allerdings ohne sie zu verändern! Die Idee: Dort, wo bisher der Nachname eines Mannes steht, ist zukünftig auch seine Ehefrau, Mutter, Tochter oder andere Verwandte mitgemeint.
Beispiel: Die Fröbelstraße in Rotherbaum, die an den Pädagogen Friedrich Fröbel (1782–1852) erinnert, ehrt zukünftig auch gleichzeitig dessen zweite Ehefrau Luise Fröbel, geb. Levin (1815–1900), die 1860 den ersten Privatkindergarten Hamburgs gründete und in Eimsbüttel starb. Ein erklärendes Zusatzschild würde beide Personen kurz porträtieren.
Oder die Unnastraße in Eimsbüttel, die nach dem Dermatologen Paul Gerson Unna (1850–1929) benannt ist. Sie könnte künftig auch dessen Schwiegertochter Marie Unna, geb. Boehm (1881–1977), mitberücksichtigen. Marie Unna war Gründungsmitglied des 1924 gegründeten Bundes Deutscher Ärztinnen (BDÄ) und entdeckte das sogenannte „Unna-Syndrom“, eine bis dahin unbekannte Form der Alopezie (krankhafter Haarausfall).
SPD und Grüne wollen Frauennamen aus der Vergessenheit holen
„Auf diese Weise können wir Frauennamen aus dem Dunkel der Geschichte holen, ohne dass ganze Stadtpläne umgeschrieben werden müssen“, sagt Bezirkspolitiker Schütt. Neubenennungen wie zuletzt beim Anna-Politkowskaja-Platz an der Kreuzung Feldbrunnenstraße/Binderstraße seien doch stets mit bürokratischem Aufwand verbunden.
„Durch die Mit-Benennung von Verkehrsflächen ist es möglich, schnell und pragmatisch noch mehr Frauen öffentlich zu ehren, ohne den Straßennamen zu ändern“, heißt es auch in dem Antrag.
Ein Vorteil dieser cleveren Maßnahme: Künftige Generationen gewinnen durch die Bedeutungsverschiebung mehr Interpretationsspielräume. Sie können etwa selbst entscheiden, ob sie bei der Warburgstraße in Rotherbaum wie bisher an den Bankier Max Warburg (1867–1946) denken – oder doch eher an dessen Großmutter Sara Warburg (1805–1884). Die führte das Bankhaus von 1831 bis 1865 teilweise als alleinige Geschäftsführerin und sorgte maßgeblich dafür, dass Hamburgs Wirtschaft die schwere Finanzkrise des Jahres 1857/58 überstehen konnte. Wie auch immer man sich entscheidet: In beiden Fällen ist der Name Warburg untrennbar mit dem Cum-Ex-Steuerskandal verbunden, bei dem der deutsche Staat um Hunderte Millionen Euro geprellt wurde.
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