Pendler-Schock in Hamburg: S-Bahnlinie wird 45 Tage gesperrt
Wer regelmäßig die Hamburger S3 nutzt, erlebt viel: Bunter ist das Publikum in keiner anderen Linie der Stadt, voller ist es allerdings auch nirgendwo – und ständig gibt es Sperrungen, Störungen und Ersatzverkehre. Das ist aber nichts im Vergleich zu dem, was den Pendlern aus oder nach Harburg und dem Raum Stade in den nächsten Jahren droht. Für insgesamt 45 Tage wird die Linie komplett gesperrt, davon 30 Tage am Stück! Und das alles wegen eines anderen, äußerst umstrittenen Bauprojekts.
Die Liste, die HVV-Nutzer im Süden Hamburgs wahlweise wütend macht oder verzweifeln lässt, verbirgt sich auf Seite drei einer schriftlichen Kleinen Anfrage von Heike Sudmann (Linke). Dort listet der Senat auf, an welchen Tagen die S-Bahn-Strecke zwischen Wilhelmsburg und Harburg komplett gesperrt wird. Los geht es schon im kommenden Sommer.
HVV in Hamburg: S3 wird wochenlang gesperrt
Am 8. und 9. Juni sind zwei Sperrtage vorgesehen. Am 14. und 15. September die nächsten zwei. Weiter geht es 2025, Ende März sind zwei weitere Sperrtage avisiert. Doch dann kommt der Hammer: Vom 4. August bis zum 3. September 2025 soll die Linie, die die einzige Schienenverbindung über die Süderelbe darstellt, für 30 Tage am Stück gesperrt werden! Und direkt im Oktober sind neun weitere Tage eingeplant.
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Wer dann aus dem Süden in die Stadt möchte, ist also auf ein Auto angewiesen – oder auf zeitraubende und in der Vergangenheit oft heillos überfüllte Schienenersatzverkehre. Und das könnte auch Nutzern des Fernverkehrs drohen: Auch hier wird es „zu Sperrungen einzelner Streckengleise“ kommen, erklärt der Senat.
Züge sollen demnach auf „parallel geführten Streckengleisen ausweichen“, auch ein „Gleiswechselbetrieb“ ist geplant. „Außerdem wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.“ Die Nutzung des Schienennetzes der HPA im Hafen wird dagegen aus Kapazitätsgründen ausgeschlossen, es sei zudem nicht für den Personenverkehr ausgelegt.
A26-Ost macht Sperrung der S-Bahn nötig
Und warum das Ganze? Nun, mit dem Schienenverkehr haben die Baumaßnahmen streng genommen nichts zu tun. Denn Auslöser ist der Bau der hochumstrittenen A26-Ost. Die soll die A7 mit der A1 bei Stillhorn verbinden und wird quer durch den Hafen und Wilhelmsburg geführt. Dort, wo sie im rechten Winkel auf die Bahnstrecken trifft, soll es in einen Tunnel gehen. Dafür wiederum müssen die Gleise auf sogenannte Hilfsbrücken gelegt werden. Klingt kompliziert, ist es auch.
Auf Seiten des Senats und der durchführenden Autobahngesellschaft DEGES ist man immerhin optimistisch, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Der Einbau von Hilfsbrücken sei „ein standardisiertes Verfahren“, bei dem es „jahrzehntelange Erfahrungen“ gebe. Vor Ort will man sich damit nicht zufriedengeben. Von „einer hochkomplexen und höchst riskanten Operation an Hamburgs Eisenbahn-Hauptschlagader“ spricht der örtliche Bürgerverein „Zukunft Elbinsel“, seit jeher ein Kritiker der A26-Ost. „Es gibt keine Ausweichstrecke, weder für die S-Bahn, noch die Regionalbahn, noch für die international unverzichtbaren Strecken des Transeuropäischen Eisenbahnnetzes. Der Güterverkehr und Personen- und Güterverkehr für ganz Hamburg ist in Gefahr, wenn die Nord-Süd-Bahn nicht funktioniert.“
Sperrung im HVV: Anwohner und Linke kritisieren das Bauvorhaben
Zudem sorgt der weiche Untergrund regelmäßig für Bauprobleme, sei es beim Bau der Wilhelmsburger Reichstraße oder bei der Planung für den Köhlbrandtunnel. Die Anwohner beklagen, dass ein derart relevantes Vorhaben stillschweigend geplant und durchgeführt wird und fordern eine öffentliche Anhörung und Befassung der Bürgerschaft.
Auch Heike Sudmann (Linke) kritisiert das Vorgehen des Senats massiv: „Die Autobahngesellschaft will anscheinend schnell Tatsachen schaffen, bevor fehlendes Geld oder der Klimawandel den Autobahnbau verhindern.“ Dabei liegt noch nicht einmal ein Planfeststellungsbeschluss vor.
Dass für den Bau einer aus ihrer Sicht unnötigen Autobahn schon vorab Menschen gezwungen werden, von der S-Bahn aufs Auto umzusteigen, findet sie „verrückt“. Sudmann: „Wann wird der Senat endlich vernünftig und stoppt die A26-Ost?“