Nord-Stream

Eine Person wird zu einem Hubschrauber geführt. Ein mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge auf die Nord-Stream-Gasleitungen hatte zuvor beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe eine Haftprüfung. Foto: picture alliance/dpa | Uli Deck

Nord-Stream-Sabotage: CIA wusste angeblich von ukrainischen Anschlagsplänen

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Wusste der US-Geheimdienst CIA schon Monate vor der Nord-Stream-Sprengung von den konkreten Anschlagsplänen? Neue Enthüllung zur „Operation Diameter“ bringen Amerikaner nun in Erklärungsnot – und werfen die interessante Frage auf, ob die Ukraine ihrem Unterstützer Deutschland damit in den Rücken gefallen ist. Eine Spur führt dabei überraschend direkt nach Hamburg.

Neue Enthüllungen werfen ein neues Licht auf die Hintergründe der Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines im Jahr 2022. Laut Recherchen des „Spiegel“ war der US-Geheimdienst CIA bereits Monate vor den Anschlägen detailliert über die Pläne eines ukrainischen Geheimkommandos informiert. Entgegen bisheriger Annahmen sollen US-Agenten das Vorhaben in einer frühen Phase sogar wohlwollend begleitet haben.

Geheimtreffen in Kiew

Bereits im Frühjahr 2022, kurz nach dem Rückzug russischer Truppen aus dem Umland von Kiew, trafen sich CIA-Mitarbeiter und ukrainische Sabotage-Spezialisten im Kiewer Stadtteil Podil. In dieser Phase präsentierten die Ukrainer ihren Plan unter dem Codenamen „Operation Diameter“. Ziel war es, die Gasleitungen in der Ostsee zu sprengen, um die Finanzierung des russischen Angriffskrieges durch Exporterlöse zu unterbinden und Deutschland aus der energetischen Abhängigkeit vom Kreml (russische Staatsführung) zu lösen.

Insidern zufolge tauschten sich die US-Agenten bei mehreren Treffen mit den Drahtziehern über technische Details der Sabotageoperationen aus. Auf ukrainischer Seite entstand dabei zeitweise der Eindruck, die USA könnten das Vorhaben sogar finanziell unterstützen. Die CIA weist diese Darstellung heute entschieden zurück und bezeichnet sie als „komplett und völlig falsch.“

Anschlag von Privatperson finanziert

Die Haltung der USA änderte sich offenbar erst im Juni 2022, nachdem der niederländische Militärgeheimdienst MIVD Wind von der Operation bekommen und sowohl die CIA als auch den Bundesnachrichtendienst (BND) gewarnt hatte. Erst daraufhin versuchte die US-Regierung laut den Berichten aktiv, die Attacke zu verhindern. Ein CIA-Vertreter habe im ukrainischen Präsidialamt interveniert und gefordert, die Aktion zu unterlassen. Dennoch führten die Saboteure den Plan – wenn auch zeitlich versetzt – im September 2022 eigenständig durch.

Beteiligter in Hamburger Untersuchungshaft

Da eine offizielle Unterstützung durch die USA ausblieb, soll ein ukrainischer Privatmann als Sponsor eingesprungen sein und die Kosten von rund 300.000 US-Dollar für Ausrüstung, Sprengstoff und Miete der Segeljacht „Andromeda“ übernommen haben. Von dieser Jacht aus platzierten Taucher schließlich den militärischen Sprengstoff in etwa 80 Metern Tiefe nahe der Insel Bornholm.

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Der Bundesgerichtshof stuft die Operation inzwischen als „hochwahrscheinlich“ staatlich gesteuert durch die Ukraine ein. Dies ist für die Bundesregierung diplomatisch höchst sensibel, da Deutschland die Ukraine massiv unterstützt. In diesem Zusammenhang befindet sich einer der mutmaßlichen Beteiligten, der ehemalige Kommandosoldat Serhij K., derzeit in Hamburg in Untersuchungshaft. Er soll zum Umfeld des Sabotage-Spezialisten Roman Tscherwinsky gehören, dessen Einheiten in der Vergangenheit mit Unterstützung der CIA aufgebaut worden waren.

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