Neue Studie: Das macht die Cannabis-Legalisierung mit Hamburgs Teenagern

Kiffen
Kiffen ist unter Jugendlichen kein Trend mehr (Symbolbild).

Die Hemmschwelle fürs Kiffen sinkt, wenn es bei Erwachsenen legal ist – das war ein Argument vieler Kritiker des neuen Cannabisgesetzes. Für Hamburg ist es nun widerlegt. Laut einer neuen Studie im Auftrag der Stadt ist Kiffen bei jungen Leuten kaum noch angesagt. Auch andere „klassische“ Süchte wie das Zigarettenrauchen nehmen der Untersuchung zufolge ab. Sie wurden allerdings durch neue Drogen ersetzt, zudem leiden viele Jugendliche an einer gestörten Selbstwahrnehmung.

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) sprach zunächst von „guten Nachrichten“, als sie die neue SCHULBUS-Studie am Dienstag im Rathaus vorstellte. Für die Studie werden im Auftrag der Fachstelle „Sucht. Hamburg“ regelmäßig rund 1700 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren zu ihrem Konsumverhalten befragt.

Alkohol, Zigaretten und Cannabis sind aktuell offenbar kaum ein Thema: 69 Prozent der befragten Jugendlichen waren laut der Studie noch nie betrunken. 67 Prozent haben nie Tabak konsumiert. 86 Prozent der Befragten haben noch nie gekifft. 95 Prozent gaben an, noch nie illegale Drogen genommen zu haben.

E-Zigaretten: Immer mehr Jugendliche dampfen

Allerdings nimmt das Dampfen von E-Zigaretten, auch Vapes genannt, zu. Gaben im Jahr 2018 noch sechs Prozent der Jugendlichen an, E-Zigaretten zu nutzen, waren es 2024 bereits zehn Prozent. „Um hier gegenzusteuern, setze ich mich für einen Konsequenzen-Umsatz der Gesetzgebung und Kontrollen ein“, sagte Schlotzhauer. Zudem seien Altersverbote im Online-Handel und Werbeverbote auf Social Media „überfällig“.

Drogen
Die Grafik zeigt, wie häufig die befragten Hamburger Jugendlichen in den letzten 30 Tagen die jeweiligen Substanzen konsumiert haben.

Auch der Medienkonsum von Jugendlichen hat stark zugenommen. Gefährdet seien vor allem Jugendliche, die emotional belastet sind und nur wenige soziale Kontakte haben. Rund ein Viertel der Befragten hat laut der Studie einen problematischen Umgang mit dem Internet. Auch die Teilnahme an Online-Glücksspielen und die Nutzung von Computerspielen nehmen zu. Dass Jugendliche sich häufiger online als offline treffen, sei auch ein Grund für die Abnahme des Alkohol- oder Cannabiskonsums, sagte der Leiter der Studie, Theo Baumgärtner.

„In Hamburg setzen wir auf die Kooperation von Schule, Jugendhilfe und gesundheitlichen Präventionsangeboten, um etwa die Medienkompetenz zu stärken und auf die Gefahren des Suchtmittelkonsums aufmerksam zu machen“, so Schlotzhauer.

Essstörungen bei Jugendlichen nehmen zu

In der Studie geht es auch um Essstörungen: Hier wurde festgestellt, dass immer mehr Jugendliche eine gestörte Selbstwahrnehmung haben. Im Jahr 2024 waren gerade mal neun Prozent der Jugendlichen von Übergewicht betroffen. Bei der Selbstwahrnehmung gaben allerdings 39 Prozent der Befragten an, dass sie sich übergewichtig finden.

Handykonsum
Ein Viertel der befragten Jugendlichen hat einen problematischen Internetkonsum (Symbolbild).

„Erfolgreiche Suchtprävention ist Marathon, keine Kurzstrecke. Aber die Ausdauer zahlt sich aus: Der kontinuierliche Rückgang des Suchtmittelkonsums bei Jugendlichen ist ein deutliches Zeichen für die Wirksamkeit einer sachlichen, ideologiefreien Präventionsarbeit“, resümierte Baumgärtner. „Entscheidend ist eine Aufklärung, die auf glaubwürdige, fundierte Informationen setzt – gerade weil junge Menschen besonders sensibel auf Widersprüche reagieren und nachvollziehbare Argumente erwarten.“

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„Trotz der heute vergleichsweise guten Zahlen dürfen wir uns auf diesen nicht ausruhen“, kommentierte die Gesundheitsexpertin der CDU-Fraktion, Christin Christ. „Die SCHULBUS-Studie befragt lediglich die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen, doch die Therapieplätze sind in Hamburg durch alle Altersgruppen hindurch überbelegt. Hier braucht es Abhilfe durch eine dringend erforderliche Erhöhung der Behandlungs- und Therapieplätze, speziell im Bereich der Suchterkrankungen.“