Naturschutz oder Tourismus? Zoff um Hamburger Knastinsel Hahnöfersand
Eine Insel, viele Pläne, bislang kein Kompromiss in Sicht: Über die Zukunft der Elbinsel Hahnöfersand, die im Besitz der Stadt Hamburg ist, aber niedersächsischem Baurecht unterliegt, haben die Nachbarländer total unterschiedliche Vorstellungen. Seit Monaten herrscht eisiges Schweigen zwischen beiden Parteien – nun soll ein Treffen am Freitag in der Stadtentwicklungsbehörde den gordischen Knoten durchschlagen.
Die Jugendstrafanstalt Hahnöfersand soll 2026 geschlossen, in einen Neubau nach Billwerder verlegt und ab 2027 abgerissen werden. Danach hat Hamburg die Insel als Ausgleichsfläche für den Bau des neuen Stadtteils Oberbillwerder fest eingeplant: Die Stadt will hier ungestörte Brutreviere für die Feldlerche schaffen und Menschen deshalb weitgehend von der Insel fernhalten.
Die Pläne des Landkreises Stade und der Gemeinde Jork aber sehen ganz anders aus: Danach soll die Insel touristisch genutzt werden. Im Gespräch sind die Verlegung des Elbe-Radwanderweges von der K39 auf die Elbinsel und Wanderpfade für Touristen.
Hahnöfersand: Streit zwischen Hamburg und Niedersachsen
Zudem will Niedersachsen hier Kleie für den Deichbau lagern und die Deiche erhöhen. Doch die Deichbausaison überschneidet sich um mehrere Monate mit der Brutzeit der Feldlerche, die während dieser Periode nicht gestört werden darf.
Das aber „gefährde den Deichschutz“, klagt der zuständige Oberdeichrichter Wilhelm Ulferts. Deshalb bot der Landkreis Stade Hamburg mehrfach Ersatzflächen an, die aus seiner Sicht für die Feldlerche auch viel besser geeignet wären als Hahnöfersand, wo sich der Vogel schnell nasse Füße holen könnte. Doch Hamburgs Umweltbehörde lehnte im Namen der Stadt ab.
Jugendstrafanstalt Hahnöfersand soll 2026 geschlossen werden
„Es finden seit Jahren wiederholt konstruktive Gespräche mit den örtlichen Akteuren statt“, betont der Hamburger Senat, während die niedersächsische Seite äußerst verschnupft darüber ist, dass seit geraumer Zeit Funkstille zwischen beiden Seiten herrscht. „Seit Monaten geht es nicht voran, fest vereinbarte Termine mit der ehemaligen Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt, darunter auch eine Ortsbegehung, wurden immer wieder von Hamburg abgesagt“, ärgert sich Ulferts.
Das könnte Sie auch interessieren: Neuer Schlick-Ärger: Ist Tschentscher etwa kein „ehrbarer Kaufmann“?
Um Druck auf Hamburg zu machen, setzte der Gemeinderat von Jork ein Signal, verhängte am 27. April eine „Veränderungssperre“ für Hahnöfersand. Ohne Jorker Zustimmung darf Hamburg nun für mindestens zwei und maximal vier Jahre auf dem Gelände gar nichts machen – auch keine Naturschutzflächen ausweisen.
Niedersachsen plant Tourismus auf Hahnöfersand
Kommenden Freitag sollen nun die Gespräche in der Stadtentwicklungsbehörde nach langer Pause wieder aufgenommen werden – mit dabei auch Stapelfeldt-Nachfolgerin Karen Pein (SPD). Dazu gesellen sich Vertreter:innen der Hamburger Umweltbehörde, des Landkreises Stade, der Gemeinde Jork und des zuständigen Deichverbandes. „Wir wollen mit unseren Argumenten endlich Gehör finden“, formuliert Jorks Vizebürgermeister Arne Krüger seine Erwartungen an das Treff.
Krüger hofft auf „einen Ausgang der Gespräche, in dem sich beide Seiten wiederfinden können“, betont aber gleichzeitig: „Wir in Niedersachsen haben in manchem eine andere Rechtsauffassung als Hamburg.“ Klar ist deshalb: Gibt es keine Einigung, werden wohl die Gerichte den Nachbarschaftsstreit entscheiden.