Hamburg
Meck-Pomm auf AfD-Kurs: Wie ein Hamburger die Grünen über 5 Prozent hieven will
„Ein Punkt mehr“ heißt die Anti-AfD-Spendenaktion, bei der ein IT-Gründer jeden Euro aus eigener Tasche verdoppelt.
Was die AfD in Mecklenburg-Vorpommern nach einem Wahlsieg im September vorhat, das hat sie deutlich angekündigt: Der NDR wird abgeschafft, russisches Gas fließt wieder, das Land kriegt eine eigene Abschiebepolizei. Um dieses Schreckgespenst zu verhindern, hat Gunnar Froh, Mitglied der Hamburger Grünen und Gründer der Softwarefirma „Wunder Mobility“, die Aktion „Ein Punkt mehr“ ins Leben gerufen: Jeder Euro, der mit dem Kennwort „Ein Punkt mehr“ an den Grünen-Landesverband im Norden gespendet wird, verdoppelt der Unternehmer aus seinem Privatvermögen. Die MOPO sprach mit ihm über Geld, das das Ruder herumreißen soll, über schwache Grüne und ob er selbst reich ist.
MOPO: Herr Froh, Ihre Initiative heißt „Ein Punkt mehr“. Erklären Sie mal, was dieser eine Punkt ist.
Gunnar Froh: Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kann ein einziger Prozentpunkt darüber entscheiden, ob die AfD dort zukünftig regiert. Die führen derzeit und die einzige Konstellation, die annähernd so viele Stimmen auf sich vereinen könnte, ist SPD, Grüne, Linke. Und da sind die Grünen diejenigen, bei denen es darauf ankommt: Haben sie am Ende vier oder fünf Prozent? Wenn sie vier haben, wird eine AfD-geführte Regierung sehr wahrscheinlich.
Und 100.000 Euro für den Landesverband der Grünen sollen das Ruder herumreißen?
In Mecklenburg-Vorpommern wohnen gar nicht so viele Menschen. Es geht am Ende um wenige tausend Stimmen mehr für die Grünen. Die Budgets der Landesverbände für solche Landtagswahlkämpfe sind nicht so groß. Bei den Grünen in Mecklenburg-Vorpommern reden wir vielleicht von 200.000 oder 300.000 Euro. Wenn da jetzt noch 100.000 Euro dazukommen, macht das einen riesigen Unterschied. Es geht um Veranstaltungen, Plakate, Online-Sichtbarkeit auf TikTok oder Instagram.
Hamburger unterstützt die Grünen in Meck-Pomm
Sie selbst sind bereit, bis zu 50.000 Euro zu spenden. Das ist eine Hausnummer.
Auf jeden Fall. Das ist privat, nicht von der Firma. Wir wollen sagen: Wenn, dann mach es jetzt – zögere nicht. Natürlich hätten wir das nicht versprochen, wenn wir es nicht hätten.
Sind Sie reich?
Wir gehören sicher nicht zu den reichsten Hamburgern, wir müssen dadurch schon andere Anschaffungen verschieben. Aber es sollte auch eine Summe sein, die für so einen Landesverband wirklich einen spürbaren Unterschied macht. Dass sie sagen: Krass, damit hätten wir nicht gerechnet, jetzt können wir Gas geben.
Wie läuft die Aktion genau?
Die Spenden gehen direkt an die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern, nicht an uns. Wenn die Leute das Stichwort „Ein Punkt mehr“ in den Verwendungszweck schreiben, wird jeder Euro von uns verdoppelt – bis insgesamt 50.000 Euro. Ich habe quasi WhatsApp-Kontakt mit dem Schatzmeister dort. Er schreibt mir morgens den Stand, und dann kommt direkt die Verdopplung. So geht es jeden Tag weiter.
Schon mehr als 20.000 Euro für die Grünen
Wie viel ist schon zusammengekommen?
Nach den ersten 24 Stunden waren es schon über 20.000 Euro, inklusive meiner Verdopplung. Ich weiß nicht, ob es so weitergeht, aber ich hoffe, dass wir die 100.000 Euro erreichen. Die müssen das ja frühzeitig wissen, damit sie noch buchen, drucken und loslegen können.
Was glauben Sie: Warum sind die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern so schwach?
Ich glaube, die AfD zieht im Moment allen anderen Parteien den Sauerstoff weg. Die CDU liegt dort auch nur bei etwa neun Prozent. Wenn man vor Ort ist, sieht man überall Flaggen und Plakate, das wirkt dominierend. Viele denken: Es muss sich etwas ändern. Aber wenn man sich mehr Dynamik und Wirtschaftswachstum wünscht, wird man sich möglicherweise umgucken, wenn es danach über Abschottung geht.
Warum gerade die Grünen?
Ich sage nicht: Es müssen unbedingt die Grünen sein. SPD, Linke, CDU – das sind alles demokratische Parteien. Aber im Augenblick sind es die Grünen, die genau an dieser Schwelle stehen. Es macht den Unterschied, ob sie bei vier oder fünf Prozent landen.
Was können Menschen tun, die nicht spenden können oder wollen?
Aufmerksamkeit geben. Darüber schreiben, auf Instagram, TikTok, LinkedIn. Das kostet nichts, nur ein bisschen Zeit, und bringt total viel. Wichtig ist, dass Menschen ihren Einsatz nicht verpassen. Wenn man irgendwann mal politisch spenden will, dann könnte jetzt ein ziemlich guter strategischer Zeitpunkt sein.
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