Politik

Kostenexplosion beim Millionenprojekt: CDU sieht Fegebank in Verantwortung 

Vorzeigeprojekt der Stadtreinigung wird deutlich teurer – das bringt auch Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) in Bredouille. (Archivbild)

Klima-Vorzeige-Projekt wird teurer: Wer ist Schuld? CDU will wissen, was schiefgelaufen ist.

Noch im Dezember klang beim Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) am Volkspark alles beherrschbar: Das Budget von 534 Millionen Euro sollte halten, die Wärmelieferung zur Heizperiode 2026/2027 kommen. So soll es zumindest dem Aufsichtsrat der Stadtreinigung von der damaligen Geschäftsführung mitgeteilt worden sein. Doch wenige Wochen später war von dieser Zuversicht nichts mehr übrig: Zweifel, Prüfung, dann die Hiobsbotschaft: Das Klima-Vorzeige-Projekt wird deutlich teurer und verzögert sich. Jetzt liefert die Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der CDU neue Erkenntnisse.

Das ZRE entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Müllverwertungsanlage Stellinger Moor in Bahrenfeld. Es soll Restmüll verwerten und klimafreundliche Fernwärme liefern. Die Kosten waren bereits mehrfach gestiegen: Zu Beginn 2017 wurden rund 234 Millionen Euro geschätzt. Später wurde das Budget auf 456 Millionen Euro, dann auf 534 Millionen Euro erhöht. Nun steht fest: Auch diese Summe reicht nach Einschätzung des Senats nicht aus. Doch wie teuer es wird, darauf liefert der Senat auch bei der zweiten Kleinen Anfrage der CDU zum Thema mit Verweis auf laufende Prüfungen keine Antwort.

Großprojekt in Hamburg: Kosten noch unklar

Ganz zum Ärger der CDU: „Wir haben von 700 bis 750 Millionen Euro erfahren. Wieso nennt man diese Zahlen nicht?“, sagt Sandro Kappe der MOPO. Dass der Senat keine Kostenprognose nennt, ist in seinen Augen „eine Missachtung des Parlaments“.

Die CDU verweist auf interne Quellen. Bestätigt ist diese Summe nicht.

Brisant ist auch der Ablauf der vergangenen Monate: Laut Senat befassten sich die beiden neuen Geschäftsführenden der Stadtreinigung „unmittelbar nach ihrem Amtsantritt zum Jahresbeginn 2026 vertieft mit dem Projekt”. Bei einer ersten Bestandsaufnahme seien Zweifel am zuletzt gegenüber dem Aufsichtsrat kommunizierten Zeit- und Kostenplan aufgekommen. Am 11. Februar wurde in Absprache mit der Aufsichtsratsvorsitzenden, Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne), eine externe Prüfung beauftragt und die Ergebnisse am 23. April im Aufsichtsrat diskutiert. Am 28. April wurde die Senatskommission für öffentliche Unternehmen informiert.

Die Antworten des Senats können als indirekte Kritik am langjährigen Ex-Chef der Stadtreinigung, Rüdiger Siechau, gelesen werden, der zum Jahreswechsel aufhörte. Auch auf die Frage, warum im Dezember 2025 noch erklärt wurde, Budget und Wärmelieferung seien einzuhalten, verweist der Senat auf den damaligen technischen Geschäftsführer. Die Behörde habe „keinen Kenntnisstand zu möglichen Gründen“.

Stadtreinigung Hamburg: Das sagt der Ex-Chef

Doch Siechau wehrt sich: „Als ich Ende 2025 in den Ruhestand ging, gab es bei dem vom Aufsichtsrat freigegebenen Budget noch finanzielle Reserven, wobei eine größere, im Budget veranschlagte Vergabe noch ausstand“, sagte er dem „Abendblatt“. „Während meiner Zeit hat die Geschäftsführung stets offen und transparent gegenüber den Aufsichtsgremien über Kosten, Termine, Vergaben, Personal und allgemeine Projektentwicklung berichtet – zuletzt im Dezember 2025.“ Zudem habe er der neuen Führung angeboten, sie ins Projekt ZRE einzuarbeiten und zu beraten.


Sandro Kappe ist umweltpolitischer Sprecher der CDU. (Archivbild)
Sandro Kappe ist umweltpolitischer Sprecher der CDU. (Archivbild)

Das Projekt begann unter dem früheren Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Allerdings hat seine Nachfolgerin Fegebank es schon vor rund einem Jahr übernommen – und steht nun selbst im Fokus. Fegebank ist nicht nur zuständige Senatorin, sondern auch Vorsitzende des Aufsichtsrats der Stadtreinigung. Kappe fragt deshalb nach ihrer Verantwortung: „War sie zu lange zu gutgläubig gegenüber den Projektverantwortlichen? Wurden Warnsignale übersehen? Oder lagen ihr die Probleme bereits deutlich früher vor?“ Gerade weil Fegebank als Aufsichtsratsvorsitzende eine besondere Kontrollfunktion wahrnehme, müsse sie erklären, „wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte“.

CDU Hamburg: Hat Fegebank nicht ausreichend geprüft?

Die Senatsantworten legen jedenfalls grundlegende Probleme beim Projektmanagement nahe: Die letzte Lenkungsgruppe für das ZRE fand im November 2022 statt. Danach wurden ihre Aufgaben in Jour-fixe-Termine zwischen Projektleitung und technischer Geschäftsführung verlagert. Die Gründe dafür kann die aktuelle Geschäftsführung nach Senatsangaben nicht nennen. „Wieso ist das Frau Fegebank und ihrem Aufsichtsrat nicht aufgefallen?”, kritisiert Kappe. „Hat sie das Projekt nicht ausreichend geprüft?“


Auch die Gründe, die die bisherige Prüfung für die steigenden Kosten ergeben hat, werfen Fragen auf: Demnach seien projektbezogene Kosten bislang nicht vollständig im Projektbudget abgebildet worden, darunter Kosten für Freelancer und Eigenpersonal bei der Laufzeit bis Anfang 2026. Hinzu kämen Nachträge, Mehrmengen in zentralen Gewerken, Bauzeitverzögerungen, zusätzliche Aufwendungen für Baustelleneinrichtung und Inbetriebsetzung sowie Personalmehrkosten durch eine verlängerte Projektlaufzeit von etwa drei Jahren.

Mittlerweile werden Wirtschaftsprüfer von PwC in dem Projekt eingesetzt. Kostenpunkt für externe Leistungen 2026 und 2027: Nochmal rund 2,75 Millionen Euro mehr. „Wenn ein Projekt nach Jahren der Planung plötzlich nur noch mit Hilfe externer Krisenmanager stabilisiert werden kann, stellt sich zwangsläufig die Frage, was in der bisherigen Projektsteuerung schiefgelaufen ist“, sagt Kappe.

Für Fegebank bleibt das ZRE damit ein heikles Erbe. Denn neben den hohen Kosten gibt es durch die Verspätung des Vorzeigeprojekts auch Folgen fürs Klima.

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