Knapp verloren: Harter Schlag für Finanzsenator – das heißt der CDU-Sieg für Wandsbek
Mit einem ganz knappen Vorsprung gelang es der CDU in Hamburgs größtem Bezirk Wandsbek, die SPD zu schlagen. Für SPD-Kreischef und Finanzsenator Andreas Dressel ein bitterer Ausgang der Bezirkswahl, nachdem das rot-grüne Bündnis dort schon einmal gewackelt hatte. Jetzt muss ganz neu verhandelt werden. CDU-Chef Dennis Thering hat klare Vorstellungen, worauf es seiner Partei ankommt.
Auf 27,9 Prozent der Stimmen kam die CDU, als am Montag das vorläufige Endergebnis verkündet wurde – die SPD auf 27,7 Prozent. Zuvor hatte sich ein spannendes Rennen zwischen den beiden Parteien entwickelt, die zeitweise sogar gleichauf lagen.
Jetzt ist die hauchdünne Mehrheit von Rot-Grün passe. SPD und CDU haben genau gleich viele Sitze (jeweils 16), die Grünen elf, die AfD sechs, Linke und FDP jeweils vier. Möglich wären rechnerisch mehrere Optionen: Eine Wandsbeker GroKo (SPD, CDU) etwa oder ein Zusammenschluss von SPD oder CDU mit den Grünen und einer weiteren Partei.
Koalition, Bezirkschef, Verkehr: Diese Themen stehen zur Debatte
Gewackelt hatte es bei Rot-Grün schon vor der Wahl, das könnte Einfluss auf die Gespräche nehmen. Drei Abgeordnete der Grünen verließen ihre Fraktion. Was folgte, war ein wochenlanges Bangen um die Mehrheit im Bezirk, bis schließlich ein ehemaliger Grünen-Abgeordneter zur SPD ging.
Die Frage, wer Bezirkschef wird, dürfte die Gespräche ebenfalls beeinflussen. Seit mehr als zehn Jahren ist das Bezirksamt in der Hand von SPD-Mann Thomas Ritzenhoff, der den Posten noch bis zu seiner Pensionierung 2026 besetzen soll. Dagegen hätten CDU und Grüne zwar nichts einzuwenden. Spätestens in der zweiten Hälfte der Amtsperiode gibt es allerdings einen Personalwechsel, der von den Mehrheiten im Bezirk abhängt.
Inhaltlich gibt es die größten Debattenpunkte. In Wandsbek wird vor allem um Verkehrsprojekte wie die Sanierung der Wellingsbütteler Landstraße oder den Umbau der Rodigallee gestritten. Auf diesem Feld ist die CDU näher bei der SPD als bei den Grünen.
Bezirkswahl Hamburg-Wandsbek: CDU und SPD äußern sich
„Als stärkste Kraft werden wir jetzt zügig mit allen demokratischen Parteien sondieren, wie wir eine stabile und zuverlässige Wandsbek-Koalition schmieden können”, sagte CDU-Kreischef Dennis Thering. „Klar ist: Die Bürgerinnen und Bürger wollen eine andere Politik für Hamburgs größten Bezirk. Wir wollen das Verkehrschaos beenden, für mehr Sicherheit und eine starke Wirtschaft sorgen.“ Besonders der letzte Satz klingt nach einem Winken in Richtung SPD.
„Wir werden nun in unseren Gremien beraten, wie wir mit dem Ergebnis umgehen”, schrieb SPD-Kreischef Dressel nach der Wahl am Montag auf Instagram.„Klar ist, dass gerade in diesen Zeiten alle demokratischen Kräfte in der Lage sein müssen, miteinander zu reden und und zusammenzuarbeiten – dazu haben wir in Hamburgs größtem Bezirk parteiübergreifend seit langem eine gute demokratische Kultur, an die wir jetzt bei unübersichtlichen Mehrheitsverhältnissen anknüpfen können.”
Das könnte Sie auch interessieren: Karrieren, Bauprojekte, Verkehrsfrust: Was die Wahl in den Bezirken verändert
Die Grünen hatten schon vor der Wahl erneut ihre Hand Richtung SPD ausgestreckt. Anscheinend hat die SPD also trotz ihres Verlustes die entscheidende Rolle in der Wandsbeker Koalitionsbildung inne. Was in Hamburgs größtem Bezirk vor sich geht, dürfte auch im Rathaus im Hinblick auf die Bürgerschaftswahl 2025 genau beobachtet werden.