Hamburg
Klimaschock für Hamburg: Jetzt drohen harte Maßnahmen
Zwölf Millionen Tonnen Treibhausgase, verfehlte Ziele – nach der neuen CO₂-Bilanz ist klar: Hamburg muss deutlich mehr fürs Klima tun.
Klimaschock für Hamburg: Die Stadt hat 2025 wieder mehr CO₂ ausgestoßen – dabei müssten die Emissionen fürs Klima drastisch reduziert werden. Für die Hamburger heißt das: Sie werden sich auf harte Maßnahmen einstellen müssen. Denn der Senat muss handeln.
Das geht in die falsche Richtung: Hamburg hat 2025 rund zwölf Millionen Tonnen CO₂ ausgestoßen. Damit sind die Emissionen im Vergleich zu 2024 um 2,6 Prozent gestiegen. Das ergibt die aktuelle Schätzbilanz, die am Dienstag vorgestellt wurde. Laut Senat wurde in 2025 wegen niedrigerer Temperaturen wieder mehr geheizt und durch gestiegene Produktion sowie die steigende Zahl an E-Autos mehr Strom verbraucht.
Bittere CO₂-Bilanz: Warum das Folgen hat
Die Schätzbilanzen sind seit dem Klimaentscheid ein neues Instrument in Hamburgs Klimapolitik. Sie sollen immer am 30. Juni für das jeweilige Vorjahr erscheinen – und damit schneller sichtbar machen, ob Hamburg beim Klima auf Kurs ist. Die endgültigen Bilanzen liegen erst mit zwei Jahren Verzug vor und machen ein zeitnahes Gegensteuern schwer.
Und Hamburg ist nicht auf Kurs, das zeigt die erste Schätzbilanz prompt. Um 2040 klimaneutral zu sein, müssten die Emissionen im Vergleich zu 1990 um 98 Prozent zurückgegangen sein. Als Zwischenziel für 2030 ist ein Rückgang um 70 Prozent vorgesehen – das war bereits vor dem Klimaentscheid Ziel des Senats. 2025 gab es nun allerdings erst einen Rückgang um 41,3 Prozent.
Das könnte Sie auch interessieren:
Jetzt müssen die Schrauben fürs Klima angezogen werden: Denn mit dem Klimaentscheid ist der Senat ab 2027 verpflichtet, mit einem Sofortprogramm nachzujustieren, wenn die Jahresziele verfehlt werden. Und dass sie verfehlt werden, ist absehbar: 2026 darf Hamburg nur noch 9,6 Millionen Tonnen CO₂ ausstoßen. Im Vergleich zu 2025 wäre das eine Einsparung von rund 20 Prozent.
Klimaziel erreichen? Senat sagt nicht, wie er das schaffen will
Kommen nun also flächendeckend Tempo 30 oder Null-Emissions-Zonen? Der Senat nennt noch keine einzige konkrete Maßnahme. Stattdessen heißt es, man analysiere derzeit die Ursachen und prüfe, was Hamburg selbst tun kann – und welche Rolle Bund und EU spielen. Die Ergebnisse sollen in der Senatskommission beraten und in den neuen Klimaplan einfließen.
Aus der Umweltbehörde heißt es dazu auf Anfrage lediglich: „Wenn es zu einer Verfehlung in 2027 kommen sollte, werden wir im Rahmen des Sofortprogramm-Mechanismus unserer gesetzlichen Verpflichtung nachkommen.“
Linke und CDU üben Kritik
Den Linken reicht das nicht: „Dass der Senat nach dem Bekanntwerden dieser Klimapleite nicht unverzüglich mit Vorschlägen an die Öffentlichkeit geht, spricht für seine Hilflosigkeit“, sagt Stephan Jersch. „Die Zeit der Prüfaufträge ist vorbei – Hamburg braucht eine Regierung, die Klimaschutz als öffentliche Investitionsaufgabe sieht.“ Und er kritisiert scharf: Die Höhe der Emissionen sei „kein Ausrutscher, sondern das Ergebnis jahrelanger Symbolpolitik und verschleppter Entscheidungen.”
Die SPD-Fraktion betont, dass mögliche Maßnahmen sozialverträglich sein müssen. Die CDU nimmt das Ergebnis zum Anlass, um das neue Klimaziel von 2040 erneut infrage zu stellen.
Einschnitte fürs Klima: Diese Maßnahmen könnten kommen
Die Initiatoren des Klimaentscheids drängen dagegen auf Konsequenzen. Steigende Emissionen seien ein Alarmsignal. Der Senat müsse nun zeitnah wirksame Maßnahmen auf den Weg bringen, sagt Sprecherin Lou Töllner der MOPO.
Das könnte Sie auch interessieren:
Die Initiative hat einen 43-seitigen Katalog mit möglichen Maßnahmen vorgelegt. Die meisten von ihnen beziehen sich auf den Verkehr und die Energiegewinnung, darunter das Verbot von fossilen Heizungen in Neubaugebieten, Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit, weniger und teurere Parkplätze, aber auch Tiefen-Geothermie für die Fernwärme, ein verbindliches Abschaltdatum fürs Gasnetz, ein Ausbau von Mieterstrommodellen und mehr Photovoltaik.
Ob und wann all das kommt, ist noch offen. Klar ist aber: Hamburg steht vor einer massiven Kraftanstrengung. Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht. Ob der Senat rechtzeitig nachschärft – und welche Einschnitte auf Hamburger zukommen –, dürfte eine der großen politischen Streitfragen der kommenden Monate werden.
Sie sind bereits M+ Abonnement?