Hamburg

„Klares Zeichen“: Glückwünsche für Hamburgs neue Antisemitismusbeauftragte

Die Historikerin Dr. Anna von Villiez ist Hamburgs neue Antisemitismusbeauftragte.

Hamburg hat eine neue Antisemitismusbeauftragte. Der Senat hat die seit Monaten vakante Stelle mit der Historikerin Anna von Villiez besetzt.

Wie die MOPO vorab berichtete, ist das lange Ringen um die Nachbesetzung des Antisemitismusbeauftragten in Hamburg zu EndeDer Senat hat mit Beschluss in seiner heutigen Sitzung die Historikerin Anna von Villiez als neue Beauftragte für jüdisches Leben und die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus bestellt. Die zuständige Senatorin Maryam Blumenthal begrüßte die Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule in ihrem neuen Amt.

„Antisemitismus ist ein Angriff auf Jüdinnen und Juden und zugleich auf die Werte unserer Demokratie. Um ihn entschieden zu bekämpfen und jüdisches Leben zu stärken, braucht es alle Kräfte“, erklärte Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal am Dienstag.

Leiterin von Gedenkstätte wird Hamburgs Antisemitismusbeauftragte

Das Amt der Antisemitismusbeauftragten spiele dafür eine entscheidende Rolle. „Ich freue mich deshalb sehr, dass wir Anna von Villiez heute zur neuen Beauftragten bestellt haben“, so Blumenthal. Die Historikerin bringe „wissenschaftliche Expertise, eine starke Verankerung in der jüdischen Stadtgesellschaft und viel Erfahrung im Dialog mit allen Hamburger:innen“ mit.

Anna von Villiez selbst, die seit Jahren die Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule an der Karolinenstraße leitet, erklärte: „Es ist mir eine Ehre, das Amt der Beauftragten für jüdisches Leben und die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus anzunehmen.“

Anna von Villiez ist Expertin für die Geschichte der Juden in Hamburg

Die Historikerin, die an der Uni Hamburg zur Entrechtung und Verfolgung „nichtarischer Ärzte“ in der Hansestadt zwischen 1933 und 1945 promovierte und später für die Restitution von NS-Raubgut in den Beständen der Staats- und Universitätsbibliothek sorgte, wies darauf hin, dass Hamburg heute wieder eine lebendige jüdische Gegenwart habe.

Als Nachfolgerin des zurückgetretenen Stefan Hensel will Anna von Villiez sich dafür einsetzen, dass jüdisches Leben als Teil der Stadtgesellschaft in Zukunft noch sichtbarer wird. Und: „Dem grassierenden Antisemitismus in Hamburg gemeinsam mit Politik und Zivilgesellschaft schnelle und effektive Maßnahmen entgegenzusetzen, sehe ich deshalb als eine der wichtigsten Aufgaben meines Amtes“, so die 51-Jährige.

Anna von Villiez wird Hamburg in der Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens regelhaft vertreten. Außerdem wird sie den Vorsitz des Runden Tisches übernehmen. Ihre Amtszeit dauert bis Sommer 2029.

Politiker begrüßen die neue Antisemitismusbeauftragte im Amt

Die Grünen-Fraktion begrüßte die Nachbesetzung der lange vakanten Stelle. „Gerade angesichts der zunehmenden Zahl antisemitischer Vorfälle sind verlässliche Strukturen, klare Zuständigkeiten und eine konsequente Unterstützung jüdischen Lebens wichtiger denn je“, sagte der religionspolitische Sprecher Michael Gwosdz. „Mit der Berufung von Anna von Villiez setzt die Stadt Hamburg ein klares Zeichen für den Schutz jüdischer Menschen und gegen jede Form von Antisemitismus. Das Amt liegt bei ihr in guten Händen.“ 

Dirk Kienscherf, Vorsitzender der SPD-Fraktion Hamburg, erklärte: „Das Amt der Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus ist von großer Bedeutung für unsere Stadt. Ich freue mich, dass mit Dr. Anna von Villiez nun eine ausgewiesene Expertin diese wichtige Aufgabe übernimmt.“

Auch die Linksfraktion gratulierte der neuen Amtsträgerin: „Antisemitismus muss konsequent bekämpft werden und zwar in all seinen Erscheinungsformen und überall dort, wo Jüd:innen bedroht, angefeindet oder unsichtbar gemacht werden“, so die religionspolitische Sprecherin Sabine Ritter. Dafür brauche es eine enge Zusammenarbeit mit den beiden jüdischen Gemeinden, mit Initiativen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik. „Wir wünschen Dr. von Villiez für diese wichtige Aufgabe viel Erfolg.“

Und der parlamentarische Geschäftsführer der CDU‑Fraktion, Dennis Gladiator, erklärte: „Der Senat muss nun endlich handeln und Antisemitismus konsequent bekämpfen sowie jüdisches Leben aktiv fördern.“ Gladiator kritisierte, dass im vergangenen Jahr die zur Verfügung stehenden Mittel für den Jugendaustausch zwischen Hamburg und Israel nicht genutzt worden seien und auch die Mittel aus der Bildungsstelle verfielen. „Entscheidend ist, dass aus Worten endlich Taten werden und Hamburg den Schutz jüdischen Lebens zur echten Priorität macht.“

Kommentare öffnen