Huch! Olaf Scholz‘ bester Mann in Berlin will plötzlich nach Eimsbüttel
Er ist Olaf Scholz‘ engster Vertrauter und Kanzleramtschef – jetzt will Wolfgang Schmidt (53) für die Eimsbütteler SPD in den Bundestag. Warum will Schmidt in Hamburg antreten? Auf den ersten Blick überraschend. Bei genauerer Betrachtung wird aber klar, wie der Plan zustande kam.
Einstimmig wurde Schmidt bei der Mittwochssitzung des SPD-Kreisverbands Eimsbüttel als Direktkandidat für die Bundestagswahl nominiert. Als „überaus kompetenten Politiker“, beschreibt ihn SPD-Kreischef Milan Pein. „Er kann ein Kandidat sein, hinter dem sich die Partei versammelt und mit dem wir den Wahlkreis gewinnen können.“
Schmidt würde damit Nachfolger des erfahrenen Bundestagsabgeordneten Niels Annen (SPD). Dieser hatte Anfang Juli seinen Rückzug aus der Bundespolitik verkündet.
Wo Olaf Scholz ist, da ist auch Wolfgang Schmidt
Schmidt ist seit 2002 stets in verschiedenen Funktionen an Scholz‘ Seite. Etwa 2011 bis 2018: Scholz ist Bürgermeister von Hamburg, Schmidt Staatsrat der zugehörigen Senatskanzlei. Als Scholz Bundesfinanzminister wird, wird Schmidt Finanz-Staatsrat. Als Kanzler macht Scholz ihn zum Kanzleramtschef.
Dass Schmidt ein Direktmandat in Eimsbüttel holen will, überrascht. Gibt es vor Ort etwa keine SPDler, die nach Berlin wollen? Zum Beispiel Kreischef Milan Pein?
„Vor den Wahlen habe ich erklärt, dass ich meine politische Heimat in Hamburg sehe, so sehen das auch viele andere Mitglieder, die in Frage gekommen wären“, sagt Pein der MOPO. Zudem sei Schmidt wirklich geeignet, weil er häufig in Hamburg ist, seit Jahrzehnten eine Dauerkarte des FC St. Pauli hat und früher Genosse in Eimsbüttel war.
Eimsbütteler SPD will ihr Direktmandat zurück
Der eigentliche Grund dürfte ein anderer sein: Der SPD war das Eimsbütteler Direktmandat 2021 knapp von Hamburgs Ex-Justizsenator Till Steffen (Grüne) weggeschnappt worden. Annen zog nur über ein Ausgleichsmandat in den Bundestag ein.
Doch diese gibt es bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr, für die Zahl der Sitze im Parlament ist künftig allein das Zweitstimmenergebnis einer Partei entscheidend – selbst dann, wenn sie mehr Direktmandate geholt hat. Dann gehen die Wahlkreisgewinner mit den schlechtesten Erststimmenergebnissen leer aus. Die erneute Kandidatur von Steffen gilt als wahrscheinlich – da braucht es einen Herausforderer, der ein starkes Ergebnis erzielen kann.
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Schmidt will das Direktmandat „zurückgewinnen”, schreibt er an die Genossen. „Natürlich würde ich im Fall der Wahl in den Bundestag wieder eine Wohnung im Wahlkreis nehmen und im Wahlkreis präsent sein”, so Schmidt weiter. Bis zum 15. September können sich intern Gegenkandidaten melden, das gilt aber als unwahrscheinlich.