Hamburger FDP-Mann vergleicht Linke mit Taliban – aus absurdem Anlass

Jimmy Blum
Jimmy Blum sitzt für die FDP im Cityausschuss des Bezirks Hamburg-Mitte (Archivbild).

Ärger um den verkaufsoffenen Sonntag: Im Cityausschuss des Bezirks Hamburg-Mitte wurde am Dienstagabend darüber entschieden, ob beim nächsten Shopping-Sonntag Chöre in der Innenstadt auftreten dürfen. Die Linke stimmte dagegen – das war wohl zu viel für einen FDP-Mann. Direkt im Anschluss drehte er ein Video, in dem er sich über die Linken auslässt und sie sogar mit der Taliban vergleicht.

Wenn die Hamburger am 2. November wieder zum Sonntags-Shopping in die Innenstadt strömen, sollen in diesem Jahr auch mehrere Chöre oder Musikgruppen den Tag begleiten. Hierzu braucht der Veranstalter, das „BID Nikolai Quartier II“, eine Genehmigung des Cityausschusses.

Fast alle anwesenden Ausschussmitglieder stimmten zu – der Antrag wurde genehmigt. Nur die Linke hatte gemäß ihrer antikapitalistischen Tradition dagegen gestimmt. Für den FDP-Politiker Jimmy Blum war das offenbar zu viel: Direkt nach der Sitzung nahm er ein Handyvideo im Flur des Bezirksamts Mitte auf.

So reagiert die Linke auf den Taliban-Vergleich

Darin bezeichnet er die Linken als „ideologisch und spaßbefreit“. Das Video teilte Blum in den sozialen Medien und schreibt unter anderem: „Solche Verbote kannte ich bisher nur bei den Taliban.“

Die Reaktionen folgen prompt: „Erstmal: ’ne Relativierung der Gewalt und Unterdrückung der Taliban-Diktatur in Afghanistan. Muss man in dem Zusammenhang erstmal schaffen. Vielleicht solltest Du mal fünf Minuten nachdenken, bevor du was postest“, kommentiert ein Linken-Politiker aus Wilhelmsburg bei Instagram. „Vergleich mit den Taliban? Geht’s noch?“, schreibt ein Nutzer auf Facebook.

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Antonia Ivankovic von der Linken-Bezirksfraktion war auch im Cityausschuss anwesend. Auf MOPO-Anfrage reagiert sie überrascht und sagt, dass es im Ausschuss selbst keine Debatten darum gegeben habe.

„Kultur im öffentlichen Raum begrüßen wir, allerdings nicht, wenn sie genutzt werden soll, um verkaufsoffene Sonntage zu bewerben und so die Belastung der Beschäftigten im Einzelhandel zu erhöhen“, sagt Ivankovic. Dass Blum die Meinung der Linken mit der Taliban vergleicht, sei „im besten Fall seiner Unwissenheit über die Terrorgruppe geschuldet oder im schlimmsten Fall eine peinliche Verharmlosung ihrer menschenfeindlichen Verbrechen“.