Große Wagenknecht-Show am Fischmarkt – so reagiert das Publikum

Wagenknecht
Sahra Wagenknecht spricht bei der Auftaktveranstaltung des BSW am Hamburger Fischmarkt.

„So wie jetzt kann es nicht weitergehen“, sagte Sahra Wagenknecht am Mittwoch auf dem Hamburger Fischmarkt. Zur Auftaktveranstaltung ihrer neuen Partei BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) für die Europawahl ist sie extra angereist. Neben ihr wetterte auch Spitzenkandidat Fabio De Masi auf dem Podium gegen die Ampel, die Reichen und die Aufrüstung. Um Europapolitik ging es kaum, dem Publikum gefiel es trotzdem.

Strahlend blauer Himmel, Blick auf die Elbe und ein Sänger mit Klampfe auf der Bühne. Davor etwa 800 Leute, zum Großteil älteren Semesters, die ein bisschen mitwippen. Auf den ersten Blick wirkt die Szene wie ein verschlafenes Stadtteilfest. Wären da nicht die Aktivisten, die für die Freilassung von Julien Assange Flyer verteilen oder die Pappe mit der Aufschrift „Sahra Wagenknecht für Kanzlerin“.

Zaklin Nastic betritt die Bühne, Bundestagsabgeordnete und Ex-Linke aus Hamburg. „Danke, dass Sie trotz des guten Wetters gekommen sind“, sagt sie. Und dass, obwohl man für eine andere Meinung heutzutage oft „angefeindet“ werde. Zustimmung im Publikum.

Fabio De Masi: „Der Ampel die rote Karte zeigen”

Nastic soll den Hamburger Landesverband aufbauen und braucht dabei offensichtlich jede Unterstützung. Nach MOPO-Informationen hat das BSW hier bisher nur 16 Mitglieder. Nastic kündigt ihre Kollegen an: Zuerst Michael von Schulenburg, Ex-Diplomat und jetzt auf Platz drei der Liste zur Europawahl. Seine Rede wirkt holprig und kann das Publikum noch nicht recht erwärmen.

Anschließend betritt De Masi die Bühne, in Hamburg bekannt als ehemaliger Linken-Bundestagsabgeordneter. Er heizt die Menge an: „Viele Leute haben das Messer in der Tasche offen, weil viele Millionen Steuergelder verplempert werden, während unsere Züge nicht richtig fahren und unsere Kinder nicht richtig Lesen und Schreiben können.“

Fabio De Masi
Fabio De Masi, Spitzenkandidat des BSW zur Europawahl

De Masi fordert, dass Aktiengeschäfte von Politikern öffentlich gemacht werden. Erneut stellt er seine Aufklärungsarbeit im Fall Wirecard und Cum-Ex hervor, kritisiert die Erinnerungslücken von Kanzler Olaf Scholz. Neu ist das alles zwar nicht, aber es kommt an. „Diese Europawahl ist eine Chance der Ampel die rote Karte zu zeigen“, sagt De Masi. „Aber nicht so, wie das die Leute in Deutschland machen, die ihr Kreuz bei der AfD machen.“

Hamburger Publikum feiert Wagenknecht – sie weiß, was ihre Anhänger hören wollen

Unter Jubel schließlich der Auftritt von Sahra Wagenknecht. Viele Smartphones schießen in die Höhe, auf sie haben alle gewartet. Fast 40 Minuten spricht Wagenknecht über zu knappe Einkommen („Wir wollen den Mindestlohn erhöhen“), zu knappe Renten („Wir wollen die Rente mit 63 Jahren“) und die Waffenlieferungen an die Ukraine („Waffen bringen keinen Frieden, Waffen bringen mehr Krieg.“).

Wie sie ihre Forderungen bezahlen will? „Immer da, wo Geld gebraucht wird, ist auf einmal Geld da“, sagt Wagenknecht. Sie wirft der Ampel vor, dass für Aufrüstung und Waffenlieferungen Geld ausgegeben werde, aber nicht für die Bildung der Kinder in Deutschland. Ein Vergleich, der Entrüstung provoziert.

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Was das Publikum hören will, merkt sie schnell: Fällt der Name eines Regierungspolitikers, wird gebuht, bei Forderungen nach mehr Geld für Rentner, Arme, Kranke und Frieden geklatscht. Um Europa geht es an diesem Abend kaum.

Unter den Mitstreitern vor der Bühne stehen neben vielen Ex-Linken aus Hamburg auch der Neue Deutsche Welle-Star Joachim Witt („Goldener Reiter”), der an diesem Abend aber nicht singt. Der größte Popstar ist hier sowieso Wagenknecht. Nach ihrer Rede und der Bitte sich für das BSW einzusetzen, löst sich die Menge auf, viele wollen ein Foto erhaschen. Ob der Hype um Wagenknecht am Ende auch das Bündnis trägt, wird sich am 9. Juni zeigen.