„Fragwürdige Deals“: SPD-Politiker will ins Altonaer Rathaus – wütender Protest

Weißes Rathaus mit einem eingeklinkten Porträt
Unternehmer und SPD-Mann Mark Classen bewirbt sich um das Amt des Bezirksamtschefs in Altona.

„Skandalpolitiker“, „Gesicht der verdeckten Korruption“, „dreist“: Eine Ottensener Bürgerinitiative macht mobil gegen Mark Classen, den SPD-Kandidaten für das Amt des Altonaer Bezirksamtschefs. Erstmals stellen sich alle drei Bewerber am Montagabend in einer öffentlichen Veranstaltung den Bürgern vor – und die Ini ruft ihre Unterstützer auf, zahlreich gegen den Unternehmer Classen zu protestieren („bringt eure Plakate mit“). Dahinter steht ein zehn Jahre alter Konflikt um einen bebauten Parkplatz im Herzen Ottensens.

Der Tonfall: aggressiv. „Schon irgendwie dreist, dass die Hamburger SPD jetzt einen der damals Hauptverantwortlichen für den Spitzenposten im Altonaer Rathaus platzieren will“, schreibt die Initiative „Pro Wohnen Ottensen“ auf Facebook. „Damals“, damit sind die Geschehnisse aus den Jahren 2014/15 rund um den „Zeiseparkplatz“ gemeint: Auf die zentrale Fläche in Ottensen sollte zunächst ein Gebäude mit 86 Wohnungen gebaut werden, tatsächlich wurde dann aber die Firmenzentrale von „Scholz&Friends“ hochgezogen. Der Stadtteil war empört, lief doch noch ein Bürgerbegehren, während schon die Tiefgarage für die Werber ausgehoben wurde.

Ist der damalige Vorsitzende des Bauausschusses ein „Hauptverantwortlicher“, der sich „zehn Jahre später die Belohnung“ abholen will, wie die Initiative ihm unterstellt? Mark Classen (50) weist die Vorwürfe zurück: „Das ist nichts als eine Rufmordkampagne, unterste Schublade, schlechter Stil.“ Tatsächlich war der Unternehmer viele Jahre baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Altona, hat viele große Wohnungsbauprojekte in Altona mitgestaltet, sieht sich als Erfinder des „Drittelmixes“, bei dem Investoren mindestens ein Drittel Sozialwohnungen bauen müssen.

2014 aus der Politik ausgestiegen

2014 stieg Classen aus der Altonaer Politik aus und gründete „Urban Future“, eine Beratungsfirma für Projektentwicklung und Konzeptentwicklung im Städtebau. Mit dieser Firma, so der Vorwurf seiner Gegner, habe er damals den Investor Procom für das Scholz&Friends-Bürohaus beraten („fragwürdiger Beratungsdeal“). „Das war mein Job“, so Classen zur MOPO: „Und ich habe das gesagt, was jeder gute Berater sagt: Redet mit allen, besonders mit den Kritikern.“

Dass Procom statt der versprochenen Wohnungen damals Büros baute, das liege daran, dass der Parkplatz ein „Wirtschaftsförderungsgrundstück“ war, und der Wohnungsbau eigentlich nur eine Notlösung, weil sich kein Wirtschaftsunternehmen zum Fördern gefunden hatte. Als die Werber dann um die Ecke kamen, habe die Politik keine andere Wahl gehabt, als die Wohnungsplanung zu stoppen und die Büros zu genehmigen. So jedenfalls Classen, der betont, dass damals alle Parteien in der Bezirksversammlung für die Büros gestimmt hätten – bis auf die Linken.

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Den Protesten gegen seine Kandidatur sehe er „gelassen entgegen“. Sollte die Bezirksversammlung ihn am 25. September zum Amtsleiter wählen, wolle er aus seiner Firma aussteigen und zusätzlich sicherstellen, dass das Unternehmen keine Projekte im Bezirk Altona betreut, um jeden Verdacht auf Korruption auszuschalten. Mit SPD-Mann Mark Classen bewerben sich Christiane Kurth (Juristin, wird von der CDU unterstützt) und Altonas Baudezernent Sebastian Kloth, der von der mächtigen Fraktion der Grünen ins Rennen um Altonas Top-Job geschickt wird.

„Skandalpolitiker“, „Gesicht der verdeckten Korruption“, „dreist“: Eine Ottensener Bürgerinitiative macht mobil gegen Mark Classen, den SPD-Kandidaten für das Amt des Altonaer Bezirksamtschefs. Erstmals stellen sich alle drei Bewerber am Montagabend in einer öffentlichen Veranstaltung den Bürgern vor – und die Ini ruft ihre Unterstützer auf, zahlreich gegen den Unternehmer Classen zu protestieren („bringt eure Plakate mit“). Dahinter steht ein zehn Jahre alter Konflikt um einen bebauten Parkplatz im Herzen Ottensens.