Filetstück in der Innenstadt: Der Kampf ums Grün
Er könnte ein Filetstück in der Innenstadt sein, doch noch wird er vor allem als Parkplatz genutzt. Das soll sich ändern. Der Burchardplatz soll ab 2025 umgestaltet und autofrei werden. Doch die Pläne, die am Freitag im Stadtentwicklungsausschuss der Bürgerschaft vorgestellt wurden, sehen nach Auffassung aller Parteien eine Steinwüste vor, ohne Schattenbereiche durch Baumpflanzungen oder kühlende Wasserspiele. Olaf Duge, Bürgerschaftsabgeordneter der Grünen, befürchtet, dass hier bis Ende 2026 „ein Museum ohne Aufenthaltsqualität“ entsteht, und es hier „im Sommer so heiß wird, dass sich niemand da aufhalten mag“.
2020 handelten die Grünen in einem Gespräch mit Ex-Bürgermeister Olaf Scholz aus, dass der neugestaltete Platz in der City autofrei bleiben wird. Doch der 2021 von einer hochkarätigen Jury prämierte Plan des „Hamburger Büros WES LandschaftsArchitektur“ für die Umgestaltung sieht ein gepflastertes Areal ohne Bäume und Bänke vor. „Der Siegerentwurf sah die Fällung sämtlicher Bäume auf dem Burchardplatz vor, um wieder nah an den Originalzustand aus den 20er Jahren zu kommen“, heißt es auch in der aktuellen Drucksache des Senats.
Nachdem auch Teile der Jury kritisieren, dass Grün auf dem Platz fehle, sollen nun zumindest die vier großen „Bestandsbäume, die die Ecken des Platzes säumen, erhalten bleiben“. Doch werden diese krank oder müssen aus Altersgründen einst gefällt werden, sieht der aktuelle Plan bislang keine zwingenden Neuanpflanzungen vor – diese aber seien „möglich“, betont die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW).
Doch die allein reichen den Grünen nicht. Duge: „Den Erhalt der Bestandsbäume halte ich angesichts der Klimaerwärmung in einer steingeprägten Stadt für viel zu wenig. Wenn im Sommer Temperaturen in Richtung 40 Grad zu erwarten sind, sind klimaanpassende Maßnahmen am Burchardplatz ein Gebot der Stunde.“ „Sonst braten wir im August alle auf diesem Platz ohne Schatten“, ergänzt die Stadtentwicklungsexpertin der Linken, Heike Sudmann.
Grüne Erhol-Oase kontra Denkmalschutz: Das oberste Gebot der Stadtplaner:innen ist, dass die Umgestaltungspläne für den Platz, der im Herzen des Kontorhausviertels liegt – gemeinsam mit der Speicherstadt Hamburgs einziges UNESCO-Weltkulturerbe –, genau diesen Status nicht gefährden dürfen. Dazu sei es notwendig, argumentiert etwa Oberbaudirektor Franz-Josef Höing, dass es von der Steinstraße eine freie Sichtachse auf den historischen Torbogen des Chilehauses gibt. Üppiges Grün, hohe Bäume gar, könnten diesen freien Blick stören und den Status als Welterbe gefährden, warnt das der Kulturbehörde zugeordnete Denkmalschutzamt.
Politiker schlagen parteiübergreifend Alarm
„Die Kulturbehörde will möglichst wenig Baumpflanzungen in diesem Bereich und ist schon sehr entgegengekommen“, betont BSW-Mitarbeiter Christian Junge. Mehr Grün am Burchardplatz würde bedeuten, dass die in Paris ansässige UNESCO-Welterbe-Kommission Hamburg dieses Prädikat entziehen könnte.
Doch Hamburger Politiker:innen schlagen parteiübergreifend Alarm. „Wenn wir diesen Platz wie geplant gestalten, wird er uns peinlich sein, wenn er fertig ist“, kritisiert die CDU-Abgeordnete Anke Frieling das fehlende Grün. Auch Duge warnt davor, die Planungen nur auf das Thema Welterbe auszurichten: „Denkmalschutz auf Kosten der Gesundheit der Menschen ist falsch verstandener Idealismus.“
Dirk Kienscherf fordert „mehr schattige Plätze“
Das sieht auch die SPD so. Deren Fraktionschef Dirk Kienscherf fordert „mehr schattige Plätze, so viele Bäume wie möglich und Wasserspiele am Rand des Platzes“. Es sei „in der Koalition völlig unstrittig, dass wir hier nachbessern müssen. Man könne ja einfach „mehr Bäume auf dem Platz planen und pflanzen, die man notfalls wieder umpflanzen“ müsse, falls die UNESCO tatsächlich ihr Veto einlegt.
Die aktuellen Planungen, die die BSW am gestrigen Freitag präsentierte, weisen nur minimale Zugeständnisse an die Kritik der Bürgerschaft auf. Zusätzliches Grün auf dem Platz ist noch immer nicht in Aussicht. Nur in einigen den Platz umgebenden Straßen sind nun Baumpflanzungen und mehr Grün geplant.
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„Wir kämpfen auch um mehr Bäume, aber die Drohung, dass wir den Status des Welterbes aberkannt bekommen, ist vehement“, betont Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD), und sagt, „dass es hier einen knallharten Interessenkonflikt gibt“. Sie werde nun noch einmal mit der Kulturbehörde sprechen. Der Streit zwischen Denkmalschutz und Klimaanpassung, er geht damit in die nächste Runde – gelöst ist er noch lange nicht.