Finn-Ole Ritter, Hamburgs FDP-Vorsitzender

Finn Ole Ritter, Hamburgs FDP-Vorsitzender, im Innenhof des Rathauses. Foto: hfr

Partei am Abgrund: So angefasst reagiert Hamburgs FDP-Chef

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Gescheitert an der Fünf-Prozent-Hürde – und das im Stammland der Partei Baden-Württemberg. Ist das nun das endgültige Aus der FDP? Die MOPO sprach mit Finn-Ole Ritter (47), der als Hamburger Parteichef versucht, die Liberalen an der Elbe zusammenzuhalten. Und der nicht glaubt, dass die Erneuerung mit Berufspolitikern funktioniert, die das liberale Versprechen des sozialen Aufstiegs durch Leistung nicht selbst gelebt haben.

Wie es sich anfühlt, außerparlamentarisch zu sein? Das könnte sich Baden-Württembergs FDP-Chef Hans-Ulrich Rülke von seinen Hamburger Parteikollegen erklären lassen. Aber da der seinen Rücktritt bereits angekündigt hat, sollte besser Bundeschef Christian Dürr zuhören, der sich eine Erneuerung der Partei unter eigener Führung vorstellen kann.

Finn Ole Ritter: FDP braucht wirklichen Neustart

Die MOPO erreichte den hörbar angefassten Hamburger FDP-Vorsitzenden Finn Ole Ritter kurz vor dem Start der Bundesvorstandssitzung. Ob er glaubt, dass der jetzt besiegelte Niedergang der Liberalen in ihrem Stammland Baden-Württemberg nun auch das Ende der FDP ist? „Das ist jedenfalls nicht das Ende liberaler Werte. Wir brauchen einen wirklichen Neustart“, sagt der Versicherungskaufmann aus Duvenstedt. Vielleicht sogar mit einer neuen Partei und unter neuem Namen? „Nein, das nicht.“

Selbst Baden-Württemberg habe dem Vertrauensverlust aus der Ampel-Zeit nicht gegenhalten können. „Wir haben uns preisgegeben und dann Fehler zu sehr auf andere geschoben“, so Ritter, der den Parteivorsitz nach der Hamburger Wahlschlappe im Frühjahr 2025 übernahm. Seine Partei war mit unter drei Prozent gescheitert.

Ist Wolfgang Kubicki gut für die Liberalen?

Der einstigen Lindner-Partei sind kaum bekannte Gesichter geblieben, und der alte Polterkopp Wolfgang Kubicki hat seinem angeschlagenen Team vielleicht sogar mehr geschadet als genützt. Doch er durfte auch in diesem Jahr beim Blankeneser Neujahrsempfang wieder gegen Klimapolitik polemisieren („Wo will der Bürgermeister denn 2040 wohnen, ohne Flughafen, Hafen und Industrie?“). Ritter sagt dazu: „Ich will nicht über einzelne Personen sprechen. Aber wir müssen uns fragen: Wie wirken wir mit wem?“

Die liberalen Werte seien zeitlos, doch der FDP würden sie nicht mehr abgenommen, meint Ritter. Dazu gehöre etwa das Aufstiegsversprechen durch Leistung. Und das werde am besten repräsentiert durch glaubwürdige Menschen, „die das auch nachweisbar gelebt haben“. Ein Seitenhieb auf die beiden Christians, Dürr und Lindner, die im Grunde beide Berufspolitiker sind?

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Ritter selbst hat ein Unternehmen aufgebaut, eine Versicherungsagentur, obwohl er sechs Geschwister hat, seine Mutter früh starb und er sich um die anderen kümmern musste. „Ich bin seit 20 Jahren Unternehmer, habe auch schwere Zeiten durchlebt und unternehmerische Risiken getragen. Jetzt will ich für diese Leistung auch mehr haben dürfen als andere.“ Dafür zahle er auch mehr Steuern. Ritter: „Die Umverteilung hat Grenzen.“ Und aus solchen Überzeugungen ließen sich politische Positionen ableiten.

In Hamburg sind die Liberalen nur noch in den Bezirksparlamenten vertreten. Unter diesen Voraussetzungen den Parteivorsitz zu übernehmen, ist ein denkbar undankbarer Job. Ritter hat es trotzdem gemacht und will Kurs halten, statt den Kurs zu ändern. Auch nicht nach rechts abdriften – etwa im Hinblick auf die AfD, zu der nicht wenige FDP-Wähler abgewandert sind.

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