Hamburg
politik
113.000-Euro-Auftrag: Bezirkschef in Nord sorgt kurz vor seinem Abgang für Zoff
Egal ob um ein Café, eine Veloroute oder Neubauwohnungen: Im Bezirk Hamburg-Nord wird derzeit scheinbar um alles gestritten. SPD, CDU und FDP sind mit dem Wirken des dortigen Amtschefs Michael Werner-Boelz (Grüne) nicht einverstanden und wollen ihn am Donnerstag abwählen. Jetzt erheben die drei Fraktionen erneut Vorwürfe: Ein über 113.000 Euro teurer Auftrag für die Entwicklung eines neuen Langenhorner Stadtteil-Konzepts soll ohne das Wissen der Bezirksversammlung vergeben worden sein.
„Dieser Vorgang ist einmalig, insbesondere was seine Intransparenz und das Ignorieren der Bezirksversammlung angeht“, sagt Martina Schenkewitz, SPD-Regionalsprecherin für Langenhorn. Darum geht es: In der letzten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses soll berichtet worden sein, dass ein neues Stadtteil-Konzept für Langenhorn beauftragt wurde. Das Honorar für die Entwicklung des Konzepts: Mehr als 113.000 Euro. SPD, CDU und FDP fühlen sich davon überrumpelt.
„Das aktuell beauftragte Stadtentwicklungskonzept für Langenhorn wurde ohne Einbindung der Bezirksversammlung auf den Weg gebracht“, sagt der hiesige CDU-Fraktionschef Martin Fischer. FDP-Fraktionschef Claus-Joachim Dickow wirft dem Bezirkschef eine „Politik nach Gutsherrenart” vor.
Hamburg-Nord: Ärger um neues Stadtteil-Konzept
Beim vorigen Stadtteil-Konzept für Fuhlsbüttel sei die Bezirkspolitik einbezogen worden, schreiben die drei Fraktionen in einer Mitteilung. Die Entwicklung dieses Konzepts kostete mehr als 87.000 Euro und wurde im Dezember 2023 abgeschlossen.
Passiert ist seitdem offenbar nicht viel: „Ob die Umsetzung aller Maßnahmen tatsächlich erfolgt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab und lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht prognostizieren”, schreibt der Bezirk in der Antwort auf eine CDU-Anfrage im Dezember diesen Jahres.
Was sagen die Grünen zu den Vorwürfen? Fraktionschef Timo Kranz: „Auf den letzten Metern wird noch einmal versucht, alles zu finden, um die Arbeit des grün geführten Bezirksamts schlecht zu machen“. Bei dem Stadtentwicklungskonzept für Langenhorn handle es sich aber um eine Initiative der Fachabteilung Stadtentwicklung. Fuhlsbüttel sei ein Testballon gewesen. „Dass nun Langenhorn folgen soll, ist richtig und nicht überraschend. So war es immer angekündigt worden“, so Kranz.
Das könnte Sie auch interessieren: Baum illegal gefällt – Ärger bei Bau der neuen MSC-Zentrale in der HafenCity
Am Donnerstag soll die Bezirksversammlung über die Abwahl von Werner-Boelz entscheiden. CDU, SPD und FDP sind sich darüber bereits einig. Anschließend wollen sie die SPDlerin Bettina Schomburg für den Posten vorschlagen.