Plötzliches Verkehrschaos in Altona: „Kann schlecht den Bahnhof vom Netz nehmen“
Autofahrer in Altona brauchen aktuell noch stärkere Nerven als sonst: Seit Juni ist die Elbchaussee dicht – und seit Anfang September wird parallel auch noch am Lessingtunnel gebaut. Die Folge sind lange Staus und Chaos auf den Straßen. Dabei war diese Doppelsperrung ursprünglich gar nicht so geplant.
Schon bisher war das Autofahren in Ottensen mit seinen vielen Einbahnstraßen eine Herausforderung, inzwischen ist es teilweise sogar richtig unübersichtlich: Seit Beginn der Elbchaussee-Sperrung am 10. Juni hat sich der Verkehr hauptsächlich auf die Holländische Reihe verlagert, besonders morgens und abends stauen sich dort die Autos.
Seit dem 6. September wird jetzt allerdings auch noch am Lessingtunnel gebaut, einer zentralen Verbindung zwischen Ottensen und Altona-Nord. Dort ist die Julius-Leber-Straße nur noch einspurig frei – bis voraussichtlich 20. Dezember. Dadurch staut es sich zusätzlich in der Bleickenallee, der Keplerstraße und am Abbieger vom Hohenzollernring zur Behringstraße. Zwischen dem 17. November und dem 1. Dezember soll der Tunnel sogar komplett gesperrt werden.
Viele Autofahrer fragen sich: Wer hat das Chaos eigentlich geplant? Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) betont, die parallelen Sperrungen seien ursprünglich nicht vorgesehen gewesen. „An der Elbchaussee werden gerade über 100 Jahre alte Wasserleitungen erneuert, die das dringend nötig haben“, sagte er am Mittwoch beim Immobilien-Dialog Hamburg, der vom Veranstalter Heuer-Dialog organisiert wurde.
Bahnen sollten schon längst am Fernbahnhof Diebsteich halten
Im Frühjahr 2025 habe die Bahn dann allerdings plötzlich mitgeteilt, dass der Lessingtunnel gesperrt werden müsste, um die Brückenkonstruktion mit 400 Tonnen Stahl zu verstärken. Darüber fahren täglich die Regional- und Fernzüge von und zum Bahnhof Altona. Diese Bauarbeiten waren nicht eingeplant gewesen, weil die Regional- und Fernzüge eigentlich schon seit 2023 nicht mehr in Altona, sondern am neuen Fernbahnhof Diebsteich hätten halten sollen.
Dessen Eröffnung hatte sich allerdings unter anderem aufgrund des Monster-Projekts „Verbindungsbahnentlastungstunnel“ (VET) auf Ende 2027 verschoben. Dieser soll die S-Bahnen einmal vom Hauptbahnhof bis zum Diebsteich führen und muss deshalb in die Planungen zum Fernbahnhof einfließen. Da der VET auf der Prioritätenliste des Bundes allerdings zuletzt nach hinten gerutscht ist, ist unklar, ob dieser Milliarden-Tunnel überhaupt noch kommt.
Bahnen könnten sonst nicht mehr Bahnhof Altona anfahren
Klar ist: Die Regional- und Fernzüge müssen wohl noch eine ganze Weile über den Lessingtunnel nach Altona fahren. „Die Bahn hat mir gesagt, wenn sie die Brücke am Lessingtunnel jetzt nicht sanieren, könnten sie den Bahnhof Altona ab dem 1. Januar nicht mehr anfahren“, sagte Tjarks. „Was also tun? Ich kann ja schlecht den Bahnhof Altona vom Netz nehmen.“
Ursprünglich sei sogar eine Vollsperrung des Tunnels geplant gewesen, das sei aber nochmal überarbeitet worden. Stattdessen arbeitet die Bahn jetzt im Zwei-Schicht-Betrieb zwischen 6 und 22 Uhr, sodass die Sperrung immerhin um etwa 40 Tage verkürzt werden konnte.