Plötzlich lobt sogar der größte Kritiker Hamburgs Kreuzfahrtbranche
Der Kreuzfahrtstandort Hamburg wächst. Etwa 1,4 Millionen Kreuzfahrtpassagiere sind im vergangenen Jahr von Hamburg aus auf Reisen gegangen. Das seien rund 100.000 mehr als im Jahr zuvor, teilte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Dienstag mit. Und ausgerechnet der bislang größte Kritiker der Kreuzfahrtbranche, der Naturschutzbund (Nabu), ist plötzlich voll des Lobes.
Bereits 2011 startete der Nabu seine Kampagne „Mir stinkt’s, Kreuzfahrtschiffe sauber machen“. Ziel sei es gewesen, auf die negativen Folgen der Kreuzschifffahrt für Mensch und Natur aufmerksam zu machen. Das positive Image von Kreuzfahrtreisen habe dadurch erstmals spürbare Risse in der öffentlichen Wahrnehmung bekommen, so der Verein in einer Mitteilung zur aktuellen Kreuzfahrt-Bilanz.
Zunächst standen vor allem Luftschadstoffe wie Stickoxide und Feinstaub in der Kritik. Seit dem Pariser Klimaschutzabkommen im Jahr 2015 rückten dann auch die Treibhausgase stärker in den Fokus.
Kreuzfahrten in Hamburg: CO₂-Emissionen durch Schiffe gesunken
Nach Darstellung des Nabu hat sich seitdem an Bord und an Land viel verändert. Durch technische und regulatorische Maßnahmen seien die schiffsseitigen Luftschadstoffe und CO₂-Emissionen im Laufe der Jahre deutlich gesenkt worden.
Auch an Land habe sich viel getan. In Hamburg ist die Versorgung von Kreuzfahrtschiffen mit Landstrom aus grünem Strom nach Nabu-Angaben europaweit einmalig. Das System habe sich technologisch zu einem Vorzeigeprojekt entwickelt.
Landstrom-Pflicht in Hamburg bereits ab 2027
Schon 2016 wurde das Kreuzfahrtterminal Altona mit einer Landstromanlage ausgestattet. Künftig soll an allen drei Hamburger Terminals – Altona, Steinwerder und HafenCity – externe Landstromversorgung für Kreuzfahrtschiffe mit „grünem“ Strom angeboten werden.
Während Landstrom in europäischen Häfen erst ab 2030 vorgeschrieben sein wird, hat die Hamburg Port Authority angekündigt, Kreuzfahrtschiffe in Hamburg bereits ab 2027 zur Abnahme von Landstrom zu verpflichten. Der Nabu wertet das als wichtiges Signal – für die Luftqualität, für die Gesundheit der Anwohner:innen und für den Klimaschutz während der Liegezeit.
Nabu Hamburg: „Wir haben Wirkung erzielt“
„Mit unserer beharrlichen Forderung nach mehr Gesundheitsschutz für die Anwohnerinnen und Anwohner und dem Hinweis auf klimaschädliche Emissionen haben wir Wirkung erzielt“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender des Nabu Hamburg. „Und mit Vorschlägen für machbare und bezahlbare technische Verbesserungen an Bord der Schiffe haben wir erheblich dazu beigetragen, den negativen Impact der Kreuzschifffahrt bei den Emissionen über die Jahre zu reduzieren.“
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Heute würden sich alle Verantwortlichen dafür gegenseitig auf die Schulter klopfen und diesen Erfolg für sich reklamieren. Aber ohne die kritisch-konstruktive Arbeit des Vereins wäre der Kreuzfahrtstandort Hamburg heute nicht so weit.
Trotz der Entwicklung will der Nabu die Branche weiter genau beobachten und mehr umweltfreundliche Schritte einfordern. Beim aus Sicht des Verbands wichtigsten Punkt sieht er bislang jedoch kaum Fortschritte: dem nahezu ausschließlichen Einsatz fossiler Kraftstoffe.
331 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen 2026 in Hamburg erwartet
Für Hamburg rechnen die Kreuzfahrt-Veranstalter in diesem Jahr mit 331 Schiffsanläufen. Zudem seien zusätzlich 47 Anläufe von Flusskreuzfahrtschiffen geplant. Außerdem würden acht Erstanläufe erwartet. Den Angaben zufolge verbringen inzwischen 38 Prozent aller Kreuzfahrtgäste mindestens eine Nacht vor oder nach ihrer Reise in Hamburg. Das sei im Vergleich zu 2016 eine Verdoppelung.
Im Schnitt gäben Kreuzfahrer, die ihre Reise in Hamburg beginnen oder beenden, in der Hansestadt 133,59 Euro aus. Mehr als 70 Prozent nutzten gastronomische, kulturelle Angebote oder gingen zum Shoppen. (tst)