Plötzlich galoppiert ’ne Kuh durch die Hamburger City

Ein Polizist will die Kuh an der Bundesstraße mit einer Kelle stoppen - doch das Tier bleibt unbeeindruckt.
Ein Polizist will die Kuh an der Bundesstraße mit einer Kelle stoppen – doch das Tier bleibt unbeeindruckt.

Dass „Bullen“ Kühe jagen, das kommt auf dem Land schon mal vor, aber mitten in Hamburg? Ja, so was gab es vor 43 Jahren in Rotherbaum. Und es ging nicht gut aus für die Kuh.

Damals gab es in der Hansestadt noch den Schlachthof an der Lagerstraße und die Tiere kamen oft per Bahn an der Sternschanze an. Aber auch am damaligen Hauptgüterbahnhof Klostertor gab es viele Viehtransporte. Und hier sprang eine wütende Kuh mit der Nummer 342 am 22. Januar 1981 aus dem Güterwaggon.

Kuh lief in den Wallringtunnel

Im wilden Galopp ging es dann durch den Gegenverkehr im Wallringtunnel, über die Lombardsbrücke, am Dammtorbahnhof vorbei bis zur Bundesstraße. Inzwischen wurde die Kuh von neun Streifenwagen mit Blaulicht und Sirene verfolgt. Doch stoppen ließ sich das Rindvieh nicht, es rammte sogar einen Peterwagen.

Thomas Hirschbiegel berichtet von seinen Fällen.
Thomas Hirschbiegel berichtet von seinen Fällen.

Auf dem verschneiten Gehweg vor dem Eckhaus Bundesstraße/Bundesweg aber konnten fünf Beamte das Tier einkesseln. Rührend: Ein Beamter hielt der Kuh eine Polizeikelle vor, doch das Tier blieb unbeeindruckt. Ein mutiger Polizist versuchte dann, die Kuh bei den Hörnern zu packen. Keine gute Idee, die rund 300 Kilogramm schwere Kuh rammte den wackeren Schutzmann. Der musste zur Seite springen und weiter ging die wilde Jagd.

An der Bundesstraße wurde das Tier erschossen

Das Tier rannte auf die vielbefahrene Hauptstraße An der Verbindungsbahn und bog schließlich in den Durchschnitt ein, verirrte sich dort in eine Tiefgarage unter einem Mietshaus. Verzweifelt rammte die Kuh das Garagentor, doch es gab kein Entrinnen.

Das könnte Sie auch interessieren: MOPO-Reporter: „Die Tote am Tatort war meine erste Liebe“

Im Nebenhaus befand sich damals noch eine Schlachterei und zwei Schlachter versuchten das Tier zu beruhigen – ohne Erfolg. In dieser Situation erschoss ein Polizist den Ausreißer mit einem Jagdgewehr. So eine Waffe befand sich damals in der für den Schlachthof zuständigen Polizeiwache 16 an der Budapester Straße. Mehrmals im Jahr musste sie damals eingesetzt werden.

Ich selbst habe mir am Rande einer ähnlichen Aktion einen Hörschaden zugezogen. Ein wilder Bulle war 1986 vom Schlachthofgelände entkommen und stand nun im Hof des Ziviljustizgebäudes am Sievekingplatz und schnaubte wütend. Ein Kommissar der Wache 16 rückte an und zielte auf das Tier. Ich wollte ein besonders dramatisches Foto machen und stand direkt neben dem Schützen. Der drückte ab und ich hörte auf einem Ohr ein paar Tage lang nichts mehr.