Plätze, Kosten, Qualität: Die wichtigsten Fragen rund um Pflegeheime in Hamburg

Pflegekraft und Bewohnerin (Symbolbild).
Die Stadt hat Pflegen & Wohnen zurückgekauft (Symbolbild).

Pflege – ein Thema, das alle betrifft. Früher oder später. Mehr als 90.000 Hamburger sind pflegebedürftig, Tendenz steigend. Wer selbst auf Pflege angewiesen ist oder Angehörige mit Pflegebedarf hat, weiß, wie viele Fragen und Entscheidungen anstehen, wenn es soweit ist. Die MOPO hat nachgehakt und beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Pflegeheime: Wie finde ich einen Platz? Was kostet mich das? Und was passiert, wenn das Heim schließt?

Wie finde ich einen Platz im Pflegeheim?

Im ersten Schritt muss immer der eigene Pflegebedarf festgestellt werden, sagt Verena Querling, Referentin für Pflegerecht bei der Verbraucherzentrale. Dann gebe es verschiedene Wege, sich über Pflegeheime im Umkreis zu informieren. Pflegestützpunkte können Auskunft über Heime mit freien Plätzen geben. Das sind Beratungsstellen für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige. Jeder Hamburger Bezirk verfügt über einen dieser Stützpunkte, der Bezirk Wandsbek hat sogar zwei. Es stehen aber auch diverse Internetportale zur Verfügung wie das Portal pflege-net.de oder das Suchportal der Diakonie Hamburg. Bevor der Vertrag letztendlich unterschrieben wird, sollte er gründlich geprüft werden – auch in Bezug auf die anfallenden Kosten.

Woran erkenne ich ein gutes Pflegeheim?

Der Medizinische Dienst (MD) und der Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung prüfen einmal pro Jahr jedes Pflegeheim. Die Ergebnisse können im Internet auf verschiedenen Portalen wie dem Pflegenavigator der AOK eingesehen werden. Auch Qualitätssiegel wie der Grüne Haken sind ein „anerkannter Hinweis für eine gute Lebensqualität im Alter“, erklärt Querling.

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Doch auch subjektive Faktoren sollten bei der Bewertung eine Rolle spielen, zum Beispiel der Standort. Querling empfiehlt Angehörigen und Bedürftigen daher immer, sich vor Ort selbst ein Bild zu machen: „Es ist ganz wichtig persönlich zu schauen: Wie ist die Atmosphäre? Sind die Bewohner nett? Wie ist das Personal?“

Wer übernimmt die Kosten für das Pflegeheim?

Einen Teil der Kosten wird von der Pflegeversicherung übernommen, wenn diese vorhanden ist. Je höher die eigene Pflegestufe ist, desto mehr Geld wird von der Versicherung beigesteuert. Den Rest der Summe, die sogenannte Eigenleistung, muss jeder Bewohner selbst übernehmen, so die Verbraucherzentrale. Sie ist für jeden Bewohner des Pflegeheims gleich hoch, da die Mehrkosten bei einem höheren Pflegegrad von der Versicherung ausgeglichen werden.

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Was kostet ein Platz im Heim?

Die Kosten für einen Heimplatz variieren, weil jedes Heim die Preise selbst festlegt. Bundesweit gibt es bei den durchschnittlichen Preisen große Unterschiede. In Hamburg liegt die Eigenleistung im Schnitt bei 3091 Euro pro Monat, wie aus einer Auswertung des „Verband der Ersatzkassen“ hervorgeht.

Damit bewegt sich die Hansestadt im preislichen Mittelfeld. Baden-Württemberg ist mit 3479 Euro Spitzenreiter. In Sachsen-Anhalt ist die Eigenleistung mit 2602 Euro am niedrigsten. Je länger ein Pflegebedürftiger im Heim lebt, desto geringer wird diese Summe. Nach 36 Monaten sind es in Hamburg nur noch 1920 Euro monatlich.

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Was passiert, wenn ich nicht zahlen kann?

Bis 2020 mussten die Kinder für ihre pflegebedürftigen Eltern einspringen, wenn diese nicht zahlen konnten. Das ist mittlerweile anders. Nur wenn Kinder mehr als 100.000 Euro brutto pro Jahr verdienen, müssen sie zahlen. Ist das nicht der Fall, wird ein Teil der Kosten über das Wohngeld finanziert. Den Rest übernimmt das Sozialamt, so Querling.

Was mache ich, wenn mein Heim schließt?

Heimbewohnern darf nur aus wichtigen Gründen gekündigt werden, zum Beispiel bei einer Insolvenz. Auch in Hamburg mussten in der jüngsten Vergangenheit drei Pflegeheime aus finanziellen Gründen schließen. Das Pflegeheim ist in dem Fall eigentlich dazu verpflichtet, Bewohnern einen Platz in einem alternativen Heim zu organisieren. Auch entstehende Umzugskosten müssen von dem Heim erstattet werden.

Verena Querling rät dennoch dazu, selbst die Initiative zu ergreifen. Die Handlungsmöglichkeiten der Pflegeheime sind oft sehr beschränkt, besonders im Falle einer Insolvenz. Die von ihnen empfohlenen Heime können nicht den eigenen Standards entsprechen und können auch in einem ganz anderen Stadtteil liegen.

Was gibt es für Alternativen zu einer Betreuung im Heim?

Es gibt im Wesentlichen drei Alternativen zur Betreuung im Pflegeheim, die auch auf der Internetseite der Verbraucherzentrale vorgestellt werden. Pflegebedürftige können zu Hause ambulant von Pflegekräften oder Angehörigen gepflegt werden. Die Pflegeversicherung zahlt bei ambulanter Versorgung zwischen 761 und 2200 Euro. Angehörige erhalten für ihre Pflegeleistung eine entsprechende Aufwandsentschädigung zwischen 332 und 947 Euro.

Außerdem können Pflegebedürftige „Betreutes Wohnen“ in Anspruch nehmen. Der Begriff ist allerdings nicht geschützt. Entsprechend können sich verschiedene Konzepte dahinter verbergen. „Die Angebote reichen von Wohnungen, die eng an ein Pflegeheim angegliedert sind, über seniorengerechte Wohnungen im normalen Wohnungsbau, die nur einen Hausmeisterdienst bieten, bis hin zu eher hotelähnlichen Immobilien mit Sauna, Wellness und Auslandsreisen im Angebot“, erklärt Querling. Dementsprechend schwanken auch die Preise.

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Alternativ leben einige Pflegebedürftige mittlerweile in Pflege-Wohngemeinschaften. Hier wohnen mehrere Pflegebedürftige gemeinsam in einer Wohnung, in die regelmäßig ein Pflegedienst kommt. Abgesehen von den allgemeinen Leistungen, die einem bei einer ambulanten Betreuung zustehen, wird hier ein Zuschuss von 214 Euro monatlich gezahlt.